Notfallbehandlungen müssen private Krankenversicherer immer<br>übernehmen, auch wenn ihre Kunden ihre Beiträge nicht<br>gezahlt haben. Foto: Fotolia

Notfallbehandlungen müssen private Krankenversicherer immer
übernehmen, auch wenn ihre Kunden ihre Beiträge nicht
gezahlt haben. Foto: Fotolia

PKV: Problem mit zahlungsunfähigen Kunden wächst

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Bei der Ergo-Gruppe zum Beispiel bezahlt etwa jeder 100. Versicherte seine Beiträge nicht. Bei der Halleschen bewegt sich die Zahl im selben Bereich, bei der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) sind es 0,7 Prozent der 560.000 Mitglieder, die auch wiederholte Mahnungen ignorieren. In der Branche wird geschätzt, dass es insgesamt etwa 150.000 säumige Kunden gibt, deren Beitragsrückstände sich auf mehr als 300 Millionen Euro belaufen.

Den Versicherten kündigen können die Anbieter aber nicht einfach. Privatpatienten ist eine Rückkehr in die gesetzliche Kasse nämlich versperrt. Und da hierzulande eine Krankenversicherungspflicht besteht, müssen die privaten Krankenversicherer trotzdem Arztrechnungen übernehmen, wenn ihre säumigen Versicherten eine Notfallversorgung oder Schwangerschafts- und Geburtsbegleitung brauchen.

Mögliche Lösungen: Ratenzahlung oder Tarifwechsel

„Sämtliche Kassen betonen, dass sie mit den in Zahlungsschwierigkeiten steckenden Kunden einvernehmliche Lösungen finden wollen“, sagt FinanceScout24-Geschäftsführer Errit Schlossberger. Dazu gehören etwa Ratenzahlungen oder der Wechsel in einen günstigeren Tarif. Begleichen die Kunden offene Rechnungen dann immer noch nicht, bekommen sie vom Versicherer ein Schreiben, das sie auf die eingeschränkte Leistungspflicht (ELP) hinweist. Bestehen ein Jahr nach dem Beginn der ELP immer noch Beitragsrückstände, kommen die Versicherten in den Basistarif, dessen Leistungen mit denen der gesetzlichen Kassen vergleichbar sind.

„Für die mehr als 60 PKV-Anbieter in Deutschland ist das aber eine finanziell unbefriedigende Lösung“, so Schlossberger. „Denn oftmals können die in der Schuldenfalle sitzenden Versicherten auch diesen Tarif nicht mehr bezahlen.“ In der Diskussion ist deshalb ein Spezial-Tarif, der mit rund 100 Euro pro Monat in den meisten Fällen unterhalb des Basistarifs liegen soll und der automatisch fällig wird, wenn der ursprünglich vereinbarte Beitrag vom Kunden nicht mehr bezahlt werden kann. Nur medizinische Notfälle wären damit abgedeckt. Geklärt werden müsste auch, ob die Gesellschaften dann weiter Altersrückstellungen für ihre Problem-Kunden bilden müssen.

Problem ist von Anbietern oft selbst verursacht

Dass die privaten Krankenversicherer Probleme mit Nicht-Zahlern haben, ist auch Schuld der Versicherungen selbst, findet Schlossberger: „Diese haben teilweise mit aggressivem Marketing und Dumpingpreisen Kunden angelockt, deren Einkommen zwar über der Pflichtgrenze lag, deren berufliche Situation aber einen Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung nicht ratsam erschienen ließ.“ Zu dieser Gruppe gehörten insbesondere junge Selbstständige, deren Geschäftsmodell sich erst noch bewähren müsste.

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