Philipp Rösler

Philipp Rösler, FDP

PKV-Trends 2010: Röslers Doktorspiele

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Es ist soweit. Seit gut anderthalb Jahren vermutet und vorhergesagt sind sie seit 1. Februar Wirklichkeit: Die ersten großen gesetzlichen Krankenversicherer erheben einen Zusatzbeitrag von acht Euro pro Monat und Kassenmitglied. Manche Krankenkassen verlangen sogar schon den maximalen Zusatzbeitrag von 37,50 Euro. Viele werden folgen, glaubt die Vorsitzende des Spitzenverbands der Gesetzlichen Kassen, Doris Pfeiffer. „Es wird am Jahresende sicherlich einige Kassen geben, die keinen Zusatzbeitrag brauchen. Aber die Mehrzahl hat bis dahin einen Zusatzbeitrag eingeführt oder angekündigt“, so Pfeiffer gegenüber der „FAZ“.

Etwas Besseres kann der privaten Konkurrenz gar nicht passieren. Die Entrüstung über die Zusatzbeiträge der Krankenkassen ist in Politik und Gesellschaft so laut, dass über die Beitragserhöhungen, die die privaten Krankenversicherer (PKV) zum Jahreswechsel durchdrückten, kaum einer mehr redet. Stattdessen können die Anbieter das Acht-Euro-Durcheinander auch noch dafür nutzen, sich als leuchtende Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufzubauen.

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„Die gesetzlichen Krankenkassen haben wesentliche Wettbewerbsmerkmale verloren. Das wird das Interesse an der privaten Krankenversicherung als gesunde Alternative weiter steigern“, sagt denn auch Volker Leienbach, Direktor des Verbands der privaten Krankenversicherung. Vertrieb zeigt sich optimistisch für 2010

Auch Vertriebler schauen optimistisch auf das Geschäftspotenzial: „Für 2010 bin ich sehr optimistisch“, sagt Eric Holstein, Leiter Produkt-Management Versicherungen beim Maklerpool Jung, DMS & Cie. „Das Geschäft mit der PKV dürfte einen weiteren Schub erhalten. Sie wird ein Umsatzmotor werden.“ Die guten Nachrichten für die PKV, die den Optimismus schüren, stammen fast allesamt aus dem Regierungswechsel im vergangenen Jahr.

Im Koalitionsvertrag spricht die neue Regierung der PKV eine Bestandsgarantie aus: „Neben der gesetzlichen Krankenversicherung sind für uns die privaten Krankenversicherungen als Voll- und Zusatzversicherung ein konstitutives Element in einem freiheitlichen Gesundheitswesen“ – die PKV bleibt, könnte man auch sagen. Mit Abschaffungsgedanken der Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt vom Tisch ist aber eine mögliche Verunsicherung potenzieller künftiger Privatpatienten. Verunsicherung hat sich indes noch nie besonders gut aufs Neugeschäft ausgewirkt.

Drei-Jahres-Wechselfrist soll kippen

Wesentlich für die gute Stimmung in der Branche ist das Versprechen von Gesundheitsministers Philipp Rösler, die Wartefrist von drei Jahren für den Wechsel von der gesetzlichen in die PKV zu verkürzen. Wie vor der letzten Gesundheitsreform soll es wieder reichen, einmal die Versicherungspflichtgrenze von 4050 Euro im Monat zu überspringen, um sich privat krankenversichern zu können. „Das wird zu Neuzugängen in der PKV beitragen“, sagt Alexander Schäfer, Leiter des Krankenversicherungs-Managements bei Maxpool. Käme das entsprechende Gesetz zum Jahresanfang 2011, könnten gleich drei Jahrgänge auf einmal – seit 2007 gilt die Drei-Jahres-Frist – den Sprung in die PKV wagen.

Dies dürfte umso eher gelingen, je attraktiver sich die Privaten als Alternative zur GKV präsentieren. Deshalb schaut die Branche gespannt auf die angesetzte Anpassung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) und Zahnärzte (GOZ) „an den aktuellen Stand der Wissenschaft“, so der Koalitionsvertrag. Die PKV hofft darauf, künftig mit Ärzten, Krankenhäusern & Co. über Preise und Qualität von Behandlungen verhandeln zu können. Bisher ist das aus kartellrechtlichen Gründen verboten. Fällt dieses „Nein“ aber, könnten die Anbieter ihre Tarife weiter verbessern, was Leistungen und Preise angeht.

Absicherung für den Pflegefall könnte bald Pflicht sein

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Verboten könnte es für Deutsche auch bald sein, sich nicht gegen das Pflegefallrisiko im Alter abzusichern. „Wir brauchen neben dem bestehenden Umlageverfahren eine Ergänzung durch Kapitaldeckung, die verpflichtend, individualisiert und generationengerecht ausgestaltet sein muss“, so eine Passage im Koalitionsvertrag. Ein Auftrag, der wie gemacht scheint für die PKV-Branche, die nobel verkündet, sie stehe „für zukunftsweisende Lösungen bereit.“ Kein Wunder, könnte es bald von der Regierung diktierten millionenfachen Bedarf an privaten Pflegezusatzpolicen geben.

Bleibt es bei den günstigen Aussichten für die PKV – die Ergebnisse der ab März eingesetzten Gesundheits-Reformkommission werden es zeigen – könnte sich die Branche bald über kräftiges Neugeschäft freuen. Die Konkurrenz unter den privaten Anbietern dürfte das ordentlich anstacheln.

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