Die Warschauer Börse zeigte 2025 beeindruckende Ergebnisse. Angetrieben wurde der Aufschwung durch eine stark wachsende Wirtschaft, politische Stabilität nach den Parlamentswahlen 2024 – und durch Investoren, die ihr Vertrauen in den Markt zurückgewonnen haben.

Zusätzlich treiben neue EU-Förderprogramme, die in Infrastruktur und Digitalisierung fließen, Polens Entwicklung weiter voran. Ein weiterer Treiber ist die attraktive Bewertung polnischer Aktien: Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 10 liegen sie deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt des polnischen Marktes (11 bis 12) und weit unter dem globalen Aktienindex mit über 20. Die günstigen Bewertungen machen polnische Titel auch für internationale Anleger besonders interessant.

Innovationsfreundliches Umfeld schafft Dynamik

Das überdurchschnittlich hohe Wirtschaftswachstum wird unter anderem durch die hohe Binnennachfrage getrieben – während niedrige Arbeitslosigkeit und umfangreiche Investitionen in Infrastruktur sowie digitale Transformation die Entwicklung weiter fördern.

Polen hat sich erfolgreich von russischer Energie entkoppelt. Es hat auf diese Weise Abhängigkeiten reduziert und seine Versorgungssicherheit gestärkt. Gleichzeitig schafft ein innovationsfreundliches Umfeld zusätzliche Dynamik, insbesondere für technologieorientierte Branchen.

Die Europäische Union erwartet, dass das Land 2025 und 2026 über 3 Prozent Wachstum verzeichnen dürfte. Damit ist Polen – nach Malta – das am schnellsten wachsende Land innerhalb der EU.

Bankenbranche dominiert den polnischen Aktienmarkt

Die Struktur ist divers: Banken, Energie beziehungsweise Rohstoffe, IT und Software sowie die Baubranche bilden die Kernsegmente.

  • Die Bankenbranche dominiert mit etwa 40  Prozent der Marktkapitalisierung. Sie profitiert von hohen Zinsen und einer starken Kreditnachfrage.
  • Energieunternehmen befinden sich im Wandel: Sie passen ihre Geschäftsmodelle an die Anforderungen des europäischen Green Deal an und investieren in erneuerbare Energien.
  • Der IT- und Technologiesektor wächst rasant, getragen von der fortschreitenden Digitalisierung und einer lebendigen Start-up-Szene. Polens Technologiesektor umfasst dabei nicht nur klassische Softwareanbieter, sondern auch eine dynamische Videospielindustrie. Polen hat sich in den letzten Jahren zu einem europäischen Hotspot für Gaming-Entwicklung entwickelt.
  • Auch Bauunternehmen profitieren von EU-Geldern und großen Infrastrukturprojekten. 

Größtes Risiko: geopolitische Spannungen 

Der positive Trend dürfte sich fortsetzen – sofern EU-Fördermittel gesichert bleiben und die politische Stabilität anhält. Entscheidend ist ein innovationsfreundliches Umfeld und ebenso ein offener Markt für internationale Investitionen.

Risiken für den polnischen Markt bestehen in geopolitischen Spannungen – etwa einem weiter eskalierenden Ukrainekrieg –, aber auch darin, dass sich die globale Konjunktur abschwächt. 

Einfluss des Ukrainekriegs auf den Kapitalmarkt

Insgesamt wird Polens geopolitische Rolle durch den Krieg in der Ukraine jedoch zunächst einmal gestärkt: Er macht das Land zu einem wichtigen Logistik- und Rüstungsstandort – was wiederum westliche Investitionen anzieht und neue Geschäftsmöglichkeiten schafft. Gleichzeitig erhöht die Nähe zum Konflikt die Volatilität und birgt Risiken für den Kapitalmarkt.

Dennoch überwiegt derzeit die strategische Bedeutung Polens als stabiler Partner innerhalb der EU.

Zur Person

András Szálkai
András Szálkai

András Szálkai ist Fondsmanager den Raiffeisen-Zentraleuropa-ESG-Aktien bei Raiffeisen Capital Management.