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Vor kurzem jährte sich der Kunstraub im<br> Isabella Stewart Gardner Museum zum 20. Mal. <br>Als Mahnmal hängen die leeren Bilderrahmen<br>an der Wand.<br>Foto: Isabella Stewart Gardner Museum

Vor kurzem jährte sich der Kunstraub im
Isabella Stewart Gardner Museum zum 20. Mal.
Als Mahnmal hängen die leeren Bilderrahmen
an der Wand.
Foto: Isabella Stewart Gardner Museum

Policen für Picassos: Kunstversicherungen

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Tatort Munch-Museum, Oslo, 22. August 2004, helllichter Tag. Zwei bewaffnete und maskierte Männer stürmen das Museum, reißen vor den Augen der Besucher die Meisterwerke „Der Schrei“ und „Madonna“ des Malers Edvard Munch von der Wand, bahnen sich ihren Weg nach draußen.

Vor dem Gebäude wartet ein Helfer im schwarzen Audi, die Kunstdiebe entkommen. Ihr Beutewert: Rund 100 Millionen Euro. Versichert waren die Kunststücke nur gegen Feuer- und Wasserschäden – Diebstahl war in der Deckung nicht mit drin. Glück für das Museum: Die Polizei stellte die Werke bei einer Razzia zwei Jahre später sicher.

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Unwiederbringlich verloren sind rund 300 Skulpturen des Bildhauers Auguste Rodin. Sie gingen mit den Zwillingstürmen am Morgen des 11. September 2001 für immer unter. „Das war einer der größten Schäden, den wir je begleichen mussten“, sagt Stefan Horsthemke, Geschäftführer der Axa Art in Deutschland und der Schweiz. Rund 30 Millionen Euro zahlte der Kunstversicherer damals an den Anleihe-Händler Cantor Fitzgerald aus.

Zu den spektakulärsten Kunstrauben geht es hier.

Privatsammlungen sind das Hauptgeschäftsfeld von Kunstversicherern wie Axa Art, Allianz, Gothaer, Hiscox und Co. Sie sind zwar auch zur Stelle, wenn Ausstellungen in Galerien und Museen versichert werden sollen, „der Privatbereich ist aber das größere Segment“, so Horsthemke, der das Marktpotenzial hier im unteren dreistelligen Millionenbereich einordnet.

Normale Hausrat langt nicht

Die Kunden sind vermögende Leute, die ihre Gemälde und Antiquitäten, aber auch die Schmuck- und Oldtimersammlung, die edlen Tropfen im Weinkeller oder den Koi-Karpfen im Gartenteich versichern wollen. Mit einer normalen Hausratversicherung kommt man da nicht weit, sagt Stefan Hilgers, Leiter Sachversicherungen Privatkunden bei der Gothaer. „Sie bietet nur Versicherungsschutz bei Feuer, Leitungswasserschäden, Einbruchdiebstahl oder Vandalismus. Eine spezielle Kunstversicherung hingegen deckt über die Allgefahrendeckung alle denkbaren Schäden ab.“ Das heißt, die Versicherung zahlt zusätzlich, wenn der Bruder die Mingvase umschmeißt oder der Versicherte den Diamantring der Ur-Ur-Oma verliert.

In der Regel muss die Versicherungssumme bei mindestens 100.000 Euro liegen, wenn es um einzelne Kunstgegenstände geht; minimal 300.000 Euro sind es, wenn gleich der ganze Hausrat mitversichert werden soll. Vor Ort schauen sich Mitarbeiter der Kunstversicherer, meist Kunsthistoriker mit Zusatzausbildung in Versicherungsdingen, die Kunstwerke an und bewerten sie. Gleichzeitig geben sie den Versicherten Tipps, etwa was die Sicherung, Beleuchtung oder Restaurierung der Objekte angeht. Dieser Kunstverstand hat seinen Preis: „Bei einer Versicherungssumme von 1 Million Euro liegt die Jahresprämie bei rund 2.500 Euro“, sagt Axa-Art-Mann Horsthemke.

Liste für verschollene Werke

Im Preis enthalten ist auch eine Mitgliedschaft beim Art Loss Register (ALR) über den jeweiligen Versicherer. 1991 gründeten Auktionshäuser, Kunstinstitutionen und Versicherungen die dahinterstehende internationale Organisation Art Loss. Das Ziel: verschollene Kunstobjekte schneller wiederzufinden. In die Datenbank tragen Versicherer, Museen, Galerien und Fahndungsexperten wie das Art Theft Team des FBI oder das Bundeskriminalamt verloren gegangene oder gestohlene Kunstwerke ein. Aktuell listet das Register rund 300.000 Objekte auf.

Bei jeder Auktion gleichen die Art-Loss-Experten ihre Datenbank mit den angebotenen Kunstwerken ab. So konnten seit 1991 Werke im Wert von 230 Millionen Euro wiedergefunden werden. „Ende der 1970er Jahre wurde in den USA ein Gemälde von Edouard Manet gestohlen“, erzählt Georg von Gumppenberg, leitender Kunstexperte bei der Allianz. „Das Bild war bei unserer amerikanischen Tochter Fireman’s Fund versichert. Den Wert des Bildes, etwa 200.000 Dollar, haben wir anstandslos ersetzt.“

20 Jahre später sei das gestohlene Bild bei einer Auktion in Florida wieder aufgetaucht. Das Art Loss Register habe das Gemälde als gestohlen identifiziert und dem Fireman’s Fund gemeldet. „Die Tochter des verstorbenen Eigentümers musste zwar die 200.000 Dollar zurückzahlen, aber sie konnte trotzdem zufrieden sein“, sagt von Gumppenberg. „Denn der wiedergefundene Manet war inzwischen etwa eine Million Dollar wert.“

Nicht alles ist versicherbar

Es gibt aber auch Grenzen, was die Versicherbarkeit von Kunst angeht, so Axa-Art-Experte Horsthemke. Als Beispiel nennt er eine Ausstellung des Künstlers Tino Sehgal. Sein Werk war kein physisch greifbares Objekt, sondern vielmehr die Begegnung mehrerer Laiendarsteller und ihre im Gesicht und ihren Bewegungen ablesbaren Reaktionen aufeinander. „Das Ganze wurde weder auf Video aufgezeichnet noch fotografiert“, sagt Horsthemke. „Das einzige Risiko, das bei diesem Kunstwerk bestand, war, dass es vergessen wird.“

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