Joel Copp-Barton von Invesco Perpetual

Joel Copp-Barton von Invesco Perpetual

„Politische Fortschritte sind Kaufsignale für Aktien“

Während die europäischen Aktienmärkte weiter von den Sorgen über systemische Risiken in Europa belastet werden, meinen wir von Invesco Perpetual, dass sich die Aussichten für einen Rückgang der Risikoaufschläge auf europäische Aktien gebessert haben.

Aktuell notieren die europäischen Aktien zu sehr hohen Abschlägen gegenüber ihrem historischen Durchschnitt und im Vergleich zum US-amerikanischen Markt.

In letzter Zeit waren die Anlagestrategien vor allem auf Sicherheit und geringes Risiko ausgelegt, während Anleger um andere Marktbereiche einen Bogen machten. Unserer Meinung nach spiegelt das gedrückte Bewertungsniveau bereits einen schwierigen gesamtwirtschaftlichen Ausblick wider.

Ein größeres Vertrauen in die Europäischen Zentralbank (EZB) und die wichtigsten politischen Entscheider sollte die europäischen Aktienmärkte insgesamt stützen. Dabei sind wir der Ansicht, dass einige Marktbereiche noch stärker abgestraft worden sind als der europäische Gesamtmarkt.

Durchatmen in Südeuropa

Obwohl die jüngsten Vorschläge erst noch im Detail ausgearbeitet werden müssen, sind sie ein wichtiger Schritt in Richtung eines politischen Rahmens, um die Problematik der hohen Refinanzierungskosten der Peripherieländer zu lösen.

Den Regierungen der Peripherieländer sollte genug Zeit geben werden, die geforderten strukturellen Reformen und Haushaltskonsolidierungen umzusetzen, wobei viele dieser Programme in Spanien und Italien bereits eingeleitet worden sind. Ich bin optimistisch, dass die Reformprogramme die nötige Wirkung entfalten und die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität stärken werden.

Für zusätzliche Unterstützung sorgen dabei weitere vor kurzem umgesetzte Maßnahmen wie die vorgeschlagene Bankenrekapitalisierung in Spanien und die Senkung des Euro-Einlagensatzes auf null. Zusammengenommen könnten diese Maßnahmen helfen, das systemische Risiko in der Eurozone und die aktuell hohen Risikoprämien auf Aktienanlagen zu reduzieren. Mit dem Rückgang des extremen Risikos könnten sich die Anleger wieder stärker an den Fundamentaldaten der Unternehmen orientieren als am politischen Umfeld.

Eine stärkere Fokussierung der Anleger auf die Einzeltitelselektion könnte helfen, die Lücke zwischen den aktuellen Aktienkursen und dem inneren Wert der Aktien zu verdeutlichen und zu schließen, insbesondere in einigen der zuletzt gemiedenen Marktsegmente. Dazu gehören vor allem Automobil-, Pharma- und Versicherungswerte, die zu einem deutlichen Abschlag gegenüber ihrem langfristigen Durchschnitt notieren, sowie Unternehmen mit einem ungerechtfertigten Peripherie-Abschlag.  

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