Thomas Böckelmann

Thomas Böckelmann

Politisches Casino ersetzt marktwirtschaftliche Idee

Ohne die Liquiditätsversorgung der drei wichtigsten Notenbanken (Fed – USA, BoJ – Japan, EZB – Europa), die zunehmend Züge hemmungslosen Gelddruckens trägt, würde die westliche Welt in der schlimmsten Rezession der Nachkriegsgeschichte verharren. Dabei werden – rein technisch bedingt – die Grenzen dieser Maßnahmen perspektivisch in etwa zwei Jahren erreicht sein.

Bis dahin müssen Früchte insbesondere bei der Arbeitslosigkeit erkennbar sein – und – die schlussendlich verantwortliche Politik muss endlich einen generationenübergreifenden, nachhaltigen Reformprozess eingeleitet haben. Seit Beginn der Industrialisierung haben Menschen gelernt, dass wirtschaftliche Aktivitäten regelmäßig Schwankungen ausgesetzt sind.

Einem Naturgesetz gleich wird ein Konjunkturzyklus beschrieben, der um eine ansteigende Gerade – dem Trendwachstum – verläuft. Da Schwankungen und Veränderungen für unsere Spezies generell schwer zu ertragen sind, ist seither das Bemühen der Politik, Konjunkturverläufe zu glätten, das heißt rezessiven Tendenzen entgegenzuwirken.

Der Staat verzerrt den Wettbewerb

Dabei gehören Geld- wie Fiskalpolitik zu den verfügbaren Instrumenten. In der historischen Betrachtung sind die Erfolge dieses Eingreifens durchaus fragwürdig, bedeuten diese doch immer eine Manipulation der freien Marktkräfte und eine Wettbewerbsverzerrung.

Insbesondere die jüngste Zeit der Finanzkrise - seit 2007 - hat weite Bereiche wirtschaftlicher Aktivitäten durch staatliche Eingriffe erfasst, die sowohl das Produktangebot als auch die Produktpreise betreffen. Allein in Deutschland lassen sich von der Abwrackprämie bis zu den Erneuerbaren Energien genügend Beispiele finden.

Zu Recht wird befürchtet, dass wesentliche Teile volkswirtschaftlicher Kapazität eher politischen statt ökonomischen Zielen folgen. Dabei ist nach wie vor unbestritten, dass Arbeitsplätze und der Wohlstand einer Gesellschaft in Unternehmen entstehen und nicht durch ein Maßnahmenpaket der Politik. Dieser Fakt gerät aber jüngst immer häufiger in Vergessenheit.

Teile der Politik haben als eine wesentliche Ursache der Finanzkrise ein Scheitern des marktwirtschaftlichen Modells erkannt und weniger das eigene Versagen. Die Notenbanken erkaufen durch ihre Maßnahmen die notwendige Zeit, der Politik die gestalterischen Spielräume einzuräumen. Hier darf man für die USA, im Zweifel auch im Falle Japans optimistischer sein als für Europa. Gleichzeitig führt das Eingreifen der Notenbanken aber zu einem deutlich reduzierten Eifer der Politik - wirkliche Reformen sind leider kaum erkennbar.

Die Staatsquote (Kennzahl zur Berechnung der Staatsausgaben als Anteil der gesamtwirtschaftlichen Aktivität) liegt in den USA und Deutschland noch bei vergleichsweise moderaten 40 Prozent beziehungsweise 45 Prozent, in Frankreich sind mittlerweile 56 Prozent erreicht. Diese Kennzahl reflektiert dabei in erster Linie den wachsenden Aktionismus als Antwort auf die wirtschaftlichen Herausforderungen der Globalisierung (historische Werte um 30-35 Prozent).

The Wall of Worry

Zahlreiche Medien schreiben aktuell vom Konjunkturoptimismus, der die Aktien- und Immobilienmärkte treibt. Das Gegenteil ist der Fall – es ist die Sorge und die daraus resultierende Geldflut der Notenbanken, die ihren Weg an die Märkte findet. Dies geht einher mit der wachsenden Wahrnehmung sogenannter zinsloser Risiken bei festverzinslichen Wertpapieren wie Staatsanleihen. Die Finanzrepression hat zu einer gewissen Alternativlosigkeit
risikobehafteter Anlageklassen geführt.

Was bedeutet das für den Anleger ?

Noch sind die Bewertungen an den Aktienmärkten auch angesichts des künstlich niedrigen Zinsniveaus akzeptabel. Weiter steigende Kurse sind entweder durch eine in den kommenden Monaten erkennbare Gewinndynamik der Unternehmen zu rechtfertigen oder bedürfen einer sogenannten Multiple-Expansion. Letztere führt trotz Gewinnstagnation oder Gewinnrückgang zu steigenden Kursen, da im großen Stil eine Verlagerung von Anleiheinvestments in Aktien stattfindet. Für letzteres gibt es noch wenig Anzeichen.

Der Anleger sollte sich auf eine höhere Schwankungsanfälligkeit der Märkte vorbereiten – die bisher fehlenden politischen Konzepte werden die Unsicherheit in den kommenden zwölf bis 24 Monaten deutlich erhöhen. Besonders schwer wiegt neben der Budgetdebatte in den USA die unakzeptable Jugendarbeitslosigkeit in Europa, die durchaus zu sozialen Unruhen führen kann.

Eine ausgewogene - aber flexible - Mischung der Geldanlage über mehrere Anlageklassen je nach individueller Risikotragfähigkeit bleibt die einzig konstruktive Anlagestrategie zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Die Zielsetzung Vermögenserhalt korreliert mit einer Risikotragfähigkeit von fünf bis zehn Prozent und rechtfertigt einen Aktienanteil von bis zu 20 bis 30 Prozent, hälftig in globale Topunternehmen und langfristige Investmentthemen. 20 Prozent können in vermögensverwaltende Absolute-Return Konzepte angelegt werden. Dazu addieren sich fünf bis 10 Prozent in Fremdwährungen und Gold.

Der Großteil mit 40 bis 50 Prozent bleibt in zinstragenden Anlagen – einer breiten Mischung aus Ländern niedriger Verschuldung, Währungen mit Aufwertungsphantasie sowie höherverzinslicher Unternehmensanleihen. Angesichts stark gestiegener Kurse und eines breiten Marktkonsens kommt der sorgfältigen Auswahl eine besondere Bedeutung zu.

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