Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel: Thorsten Polleit

Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel: Thorsten Polleit

Polleit über Gold in der Krise

„Geldpolitiken schläfern Kreditausfall- und Inflationssorgen ein“

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DAS INVESTMENT: Am Montag hat der Goldpreis ein Fünfjahrestief erreicht. Damit bleibt das Edelmetall auf Talfahrt, auch die Goldminenaktien stürzen nach unten. Sind die jüngsten Turbulenzen nur das Ergebnis von Spekulationen? Oder gibt es andere fundamentale Gründe? Thorsten Polleit: Vermutlich waren zwei Faktoren von besonderer Bedeutung: Die Erwartung steigender US-Zinsen hat die Goldnachfrage weiter vermindert, und zweitens gibt es vermutlich insbesondere in den Reihen chinesischer Investoren „Liquiditätsprobleme“, die dazu führen, dass Rohstoffpositionen, einschließlich der Goldbeständen, am Markt angeboten werden und die Preise drücken. Geht es weiter abwärts mit Goldtiteln? Meinen Sie Goldminenaktien? Vermutlich kommen einige von ihnen noch in Probleme, insbesondere aufgrund mangelnder Finanzierung. Investoren sollten grundsätzlich beachten: Das Halten von Gold ist etwas ganz anderes als das Halten von Goldminenaktien. Physisches Gold ist das ultimative Zahlungsmittel. Bei Goldminen geht der Investor hingegen ein Unternehmensrisiko ein. Zudem ist zu bedenken: Das Goldminengeschäft ist kein „Great Business“. Wer in Minenaktien investiert, sollte sich sehr sicher sein, was die Unternehmung eigentlich Wert ist. Das aber lässt sich nicht am Aktienkurs ablesen. Wo sehen Sie einen Boden für Gold? Und reicht der Preis für die Minengesellschaften aus, um wirtschaftlich zu fördern? Wenn Investoren sich im Klaren darüber werden, wie es um das internationale Kredit- und Geldsystem bestellt ist, wird auch die Goldnachfrage wieder zulegen. Derzeit haben die Geldpolitiken die Kreditausfallsorgen eingeschläfert, und es ist ihnen sogar gelungen, dass die Inflationssorgen nicht aufkeimen. Dauerhaft wird es jedoch nicht gelingen, die Probleme des ungedeckten Papiergeldsystems unter den Teppich zu kehren. Beispielsweise ist denkbar, dass aus der bisherigen „Kreditkrise“ eine „Währungskrise“ wird, bei der das Vertrauen in das ungedeckte Geld schwindet. Was muss passieren damit Gold die Kurve bekommt? Zunächst einmal sollten Goldhalter sich nicht vom kurzfristigen Auf und Ab verunsichern lassen und eine Langfristorientierung einnehmen. Wer seit Einführung des Euro Gold gehalten hat, der konnte sein Kapital um mehr als 318 Prozent mehren, mit dem DAX hingegen nur 112 Prozent. Im Grunde sind die Bedingungen für einen steigenden Goldpreis längst gegeben: Die Geldpolitiken sorgen mit ihrer Niedrigzinspolitik für eine kolossale Blase, weitreichende Fehlleitungen von Kapital und ein Anwachsen der Schuldenlasten weltweit. Auch das wird sein Ende finden. Die Politik kann bekanntlich ökonomische Gesetze nicht außer Kraft setzen.

Würden Sie jetzt Gold kaufen oder lieber noch abwarten? Sparer und Investoren sollten Gold als Währung, als das „ultimative Zahlungsmittel“ ansehen. Gold hat kein Zahlungsausfallrisiko und kann nicht, wie das ungedeckte Papiergeld, von den Staaten entwertet werden. Gold ist ein über Jahrtausende bewährtes Geld, es ist damit auch eine Portfolio-Versicherung. Anleger, die langfristig orientiert, sind – die ihren Blick auf die kommenden fünf oder zehn Jahre richten –, sollten in der Tat jetzt überlegen, einen Teil ihres Vermögens in der Währung Gold zu halten.