Populäre Investmentirrtümer: „Market-Timing funktioniert nicht“

Philipp Magenheimer

Philipp Magenheimer

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Im ersten Serie-Teil über populäre Investmentirrtümer haben wir die Legende widerlegt, dass sich Aktienmärkte langfristig immer positiv entwickeln. Nur in wenigen, zeitlich begrenzten Marktphasen führt die „Kaufen und schlafen legen“-Mentalität zu ertragreichen Investments.

Diese Tatsache unterstreicht somit die Relevanz des richtigen Timings bei der Kapitalanlage. Ausgerechnet das Timing? Hört man nicht immer wieder, Market-Timing funktioniere nicht und Fondsmanager, die versuchen ihre Investitionsquoten kurzfristig zu variieren, scheitern regelmäßig kläglich? Die Fachpresse titelt dann zum Beispiel „Das Märchen vom richtigen Zeitpunkt“ und zitiert pseudowissenschaftliche Studien, die die vermeintliche Überlegenheit des „Buy & Hold“-Ansatzes bestätigen.

Das Problem mit den wenigen, starken Tagen

Grund genug, diesem Klassiker unter den Investmentmythen auf den Grund zu gehen. Kritiker des Timings von Investitionsentscheidungen argumentieren stets, dass der Großteil der Wertentwicklung beispielsweise eines Aktienindizes an wenigen starken Tagen erfolgt. Verpasst man diese als Investor, habe man keine Chance, die entgangene Wertentwicklung jemals wieder aufzuholen.

Deshalb müsse man dauerhaft investiert sein. Und tatsächlich, eine Untersuchung der Entwicklung des Dax in den vergangenen zwanzig Jahren, dargestellt in der Grafik, scheint diese Theorie zunächst zu bestätigen.

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Hätte ein Anleger 1992 in den Dax investiert, hätte er sich Ende 2012 über eine erkleckliche Wertsteigerung in Höhe von 369 Prozent freuen können. Hätte er dabei jedoch die zehn Tage mit den höchsten Gewinnen verpasst, würde seine Rendite auf vergleichsweise kümmerliche 110 Prozent abschmelzen. Die These, dass selbst über mehrere Jahrzehnte nur wenige Tage ursächlich für den Gesamtertrag einer Anlage sind, scheint sich zu bestätigen.

Interessantes fördert hingegen die Betrachtung zu Tage, welche Auswirkung ein Auslassen der zehn Tage mit den größten Verlusten gehabt hätte. Der Investor hätte eine sagenhafte Steigerung um 868 Prozent erfahren. Das heißt, dass nicht nur die stärksten Tage entscheidend für den Anlageerfolg sind sondern vor allem die Schlechtesten.

Wir wollen fair bleiben: Ein solch glückliches Händchen beim Timing haben die wenigsten. Unterstellen wir also, dass unser Beispielinvestor sowohl die stärksten als auch die schwächsten Markttage verpasst. Und siehe da, die Wertentwicklung entspricht nahezu derer eines dauerhaften Investments. Wohl aber sind die Volatilität und der maximale Verlust geringer.