Portfoliomanager des Skagen Global Wieso investieren Sie aktuell so stark in Großbritannien, Herr Gezelius?

Knut Gezelius managt den Aktienfonds Skagen Global. | © Skagen

Knut Gezelius managt den Aktienfonds Skagen Global. Foto: Skagen

DAS INVESTMENT: Der Skagen Global ist zu 13 Prozent in britische Titel investiert ziemlich gewagt angesichts der Brexit-Krise. Inwiefern spielt die chaotische Situation auf der Insel in Ihre Anlageentscheidungen hinein?

Knut Gezelius: Trotz der wachsenden politischen Panik um den Brexit: Wir bleiben als Bottom-up-Stockpicker rein auf die Unternehmen fokussiert. Wir schauen auf fundamentale Faktoren, von denen wir erwarten, dass sie einen langfristigen Unternehmenswert schaffen. Der Brexit und die damit verbundene Unsicherheit sind ohne Zweifel potenzielle Risikofaktoren für in Großbritannien ansässige Unternehmen – und auch für solche mit britischen Kunden. Sie sind allerdings nur ein Teil der „bekannten Unbekannten“, mit denen wir bei unseren Beteiligungen konfrontiert sind.

Der Brexit wäre ein sehr weitreichender Einschnitt. Er dürfte auf die eine oder andere Weise alle britischen Unternehmen in irgendeiner Weise berühren.

Gezelius: Ein entscheidender Punkt, der in der Debatte um Aktien und den Brexit überraschend oft fehlt, ist die Frage: Handelt es sich um ein in Großbritannien börsennotiertes Unternehmen, das jedoch überwiegend im Ausland tätig ist, oder handelt es sich um ein in Großbritannien notiertes Unternehmen, das hauptsächlich im Heimatmarkt aktiv ist? Es ist aus unserer Sicht nicht sinnvoll, eine generelle Haltung einzunehmen und zu versuchen, alle Unternehmen in einer Kategorie zusammenzufassen.

 

Quelle: Morningstar Direct

Welche Eigenschaften muss ein britisches Unternehmen mitbringen, um im gegenwärtigen Umfeld gut dazustehen?

Gezelius: Das hängt davon ab, über welche der beiden genannten Unternehmenskategorien wir sprechen. Für uns als langfristig orientierte Anleger mit globalem Mandat ist der Ort der Börsennotierung relativ unwichtig, solange das fundamentale Geschäft des Unternehmens attraktiv ist und die Aktie auf mehrere Jahre betrachtet wesentlich unterbewertet ist. Derzeit erfüllen weltweit nur etwa 35 Aktien diese Bedingungen, um in unser Portfolio aufgenommen zu werden. Das politische Risiko darf auch zu hoch sein. Der Brexit ist zwar unübersichtlich, wir halten das politische Risiko für langfristige Anleger in Großbritannien aber nicht für übermäßig groß – ganz im Gegensatz zu einem Markt wie der Türkei, wo wir ein sehr hohes politisches Risiko sehen. Dort haben wir seit fast drei Jahren nicht mehr direkt investiert. Zum jetzigen Zeitpunkt hat unsere Analyse einfach noch kein auf den Heimatmarkt fokussiertes, britisches Unternehmen identifiziert, das uns ausreichend attraktiv fürs Portfolio erscheint.