Corona-Warnung in einem Supermarkt: Die gegenwärtige Krise könnte langfristig sogar einen positiven Effekt auf die Wirtschaft haben, glaubt Investmentprofi Michael Browne. | © imago images / Frank Sorge Foto: imago images / Frank Sorge

Portfoliomanager Michael Browne

Comeback der Märkte ab Sommer möglich

Die Erfahrung zeigt, dass das Corona-Virus rund sieben Wochen nach dem Ausbruch der Epidemie in einem Land seinen Höhepunkt erreicht und sich abschwächt, sobald zwanzig bis vierzig Prozent der Bevölkerung infiziert waren. Demnach könnten die Märkte zwischen Mitte April und Ende Mai den Blick auf das zweite Halbjahr und 2021 richten. Aus ökonomischer Sicht ist es ein Vorteil, dass die Corona-Krise Europa während einer Phase ohnehin geringen Wachstums und niedriger Lagerbestände trifft. Auch dass das Virus die Welt während der Osterferien ausbremse, ist aus Sicht der Wirtschaft ein willkommener Zufall: An Ostern ist die Produktion ohnehin geringer, weswegen die konjunkturelle Delle aufgrund des Virus weniger stark ins Gewicht fällt.

Wann genau die Aktienmärkte zur Normalität zurückfinden, hängt neben der Eindämmung des Virus von weiteren Faktoren ab. Staatliche Maßnahmen für betroffene Wirtschaftszweige sowie eine unterstützende Geldpolitik seitens der Notenbanken sind dabei sehr wichtig. Auch Banken selbst müssen Weitblick beweisen, um betroffene Kunden in dieser schwierigen Zeit zu stützen. Damit die Ökonomie in Schwung kommt und auch die Märkte den Blick auf das zweite Halbjahr richten können, kommt es darüber hinaus darauf an, dass Arbeiter und Angestellte in Europa schnell wieder in vollem Umfang tätig werden. Je schneller eine Rückkehr zur Normalität gelingen kann, desto eher wird dies auch den privaten Konsum begünstigen. In diesem Bereich sind sogar Nachhol-Effekte und damit ein höherer Konsum als üblich möglich.

Auch langfristig können die Lehren aus der Corona-Krise positive Effekte auf die Wirtschaft haben. Was wir täglich in den Supermärkten beobachten, kann sich in der gesamten Wirtschaft durchsetzen. Lagerhaltung wird langfristig an Bedeutung gewinnen. Auch dürften einige Industriezweige den Pool ihrer Zulieferer erweitern. Dafür sind zunächst Investitionen nötig, die uns dabei helfen können, nach der Krise zur Normalität zurückzufinden. Weiteres Potenzial birgt das Gesundheitswesen: Regierungen werden ihre Lehren aus der Pandemie ziehen und künftig noch stärker darauf achten, vorbereitet zu sein. Dies dürfte höhere Ausgaben im Gesundheitswesen mit sich bringen.

Zwar zieht das Virus die Märkte aktuell stark in seinen Bann. Allerdings haben Regierungen mit ihrem Willen zu rigorosen Maßnahmen Handlungsfähigkeit bewiesen und sowohl Bevölkerung als auch Wirtschaft ein Stück weit beruhigt. Sobald sich die Ausbreitung des Virus verlangsamt und das öffentliche Leben wieder aufgenommen werden kann, werden alle Beteiligten den Blick nach vorne richten. In China deutet sich angesichts niedriger Lagerbestände und einer langsamen Rückkehr zur Normalität bereits eine V-förmige Erholung an. Schwache Konjunkturdaten, welche während der tiefsten Krise erhoben wurden, sollten nicht überbewertet werden: Diese Zahlen bilden lediglich den Worst Case ab, sagen aber wenig über die Erholungsbewegung aus.


Über den Autor:
Michael Browne ist Portfoliomanager bei Martin Currie, einer Investmentboutique der Multi-Boutiquen-Fondsgesellschaft Legg Mason.

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