Portfoliomanager Stefan Waldhauser Warum SaaS-Companies in einer anderen Liga spielen

Stefan Waldhauser: Der Mitgründer des Digital Leaders Funds (ISIN: DE000A2H7N24) nennt den digitalen Wandel die „größte Investmentchance unserer Zeit“.

Stefan Waldhauser: Der Mitgründer des Digital Leaders Funds (ISIN: DE000A2H7N24) nennt den digitalen Wandel die „größte Investmentchance unserer Zeit“.

Während „alte” Softwareunternehmen wie SAP oder die Software AG zu optisch attraktiven Bewertungs-Multiplen gehandelt werden, notieren viele reinrassige SaaS-Player (Software as a Service) wie Twilio oder Alteryx nach der Korrektur Ende 2018 inzwischen schon wieder auf atemberaubenden Höchstständen.

Was macht diese Firmen aus? Warum gesteht die Wall Street diesen Unternehmen regelmäßig ein deutlich zweistelliges Enterprise-Value-Sales-Verhältnis zu, während für klassische Softwarefirmen maximal das Drei- bis Fünffache des Umsatzes angesetzt wird?

Das Zauberwort heißt „Subskription” und beschreibt ein Geschäftsmodell, bei dem eine Softwarelizenz nicht wie früher üblich einmalig verkauft und als Umsatz verbucht wird, sondern der Kunde in der Regel monatlich eine Gebühr für die Nutzung der Software-Services zahlt.

Zukunft planbarer

Im Ergebnis entsteht ein wiederkehrender Umsatzstrom („Recurring Revenues”), der die Planbarkeit zukünftiger Ergebnisse wesentlich erhöht. Meist werden die Zahlungen des SaaS-Kunden oft zwar ein ganzes Jahr im Voraus vereinnahmt, aber erst im Laufe der Monate als Umsatz verbucht. Anhand dieser noch nicht realisierten „Deferred Revenues” kann das Management und jeder Investor recht gut einschätzen, wie sich das Geschäft in den kommenden Quartalen entwickeln wird. Und Investoren zahlen gerne einen Aufpreis für Sicherheit und Planbarkeit.

Eine weitere viel beachtete Kennzahl im Subskriptions-Geschäft ist die „Net Retention Rate”. Diese gibt (in Prozentpunkten) an, wie sich der Umsatz mit den Bestandskunden entwickelt. Viele SaaS-Companies haben erfolgreich ein nutzungsabhängiges „Land+Expand”-Geschäftsmodell etabliert, bei dem der Kunde typischerweise die Nutzungsintensität des Software-Services im Zeitablauf steigert und entsprechend immer höhere Umsätze tätigt.

Weiteres Wachstum

Die besten SaaS-Companies schaffen so eine Net Retention Rate von weit über 100 Prozent und wachsen, ohne dafür einen einzigen Neukunden gewinnen zu müssen. Im Idealfall ist damit also weiteres Wachstum bereits im Geschäftsmodell programmiert. Kommt dann noch ein erfolgreiches Neukundengeschäft hinzu, so sind Bewertungen realistisch, von denen die Old-Economy-Software-Hersteller nur träumen können.

Auch einige traditionelle Lizenzverkäufer wie Microsoft oder Adobe haben den Wandel zur SaaS-Company in den vergangenen Jahren erfolgreich geschafft. Deren Aktionäre dürfen sich nun folgerichtig ebenfalls über historisch hohe Bewertungen freuen.