Boris Fahle ist Dortmunder durch und durch. Früher kickte er selbst in der BVB-Jugend, stand in der „Gelben Wand“; heute beobachtet er das Spiel lieber von der Westtribüne. Zum Profifußballer hat es nicht gereicht, seit 2008 ist er Geschäftsführer der Consilium Vermögensmanagement. Sein Spielfeld: bankenunabhängige Beratung für Unternehmer, Stiftungen, die nachrückende Erbengeneration und den einen oder anderen Profispieler.

Der Weg in die Selbstständigkeit kam unerwartet. Fahle arbeitete im Private Banking der American Express Bank, als diese verkauft wurde. „Dann haben wir gemerkt, die einzige Marke sind wir eigentlich selbst", erinnert er sich. Also gründete er mit Partnern Consilium – mitten in der Finanzkrise 2008. Kein gutes Timing, aber vielleicht das ehrlichste: Wer sich in einer Krise selbstständig macht, hat wenig Illusionen darüber, was auf ihn zukommt.

Es begann mit Mannesmann

An die Börse wagte sich Fahle bereits während seiner Ausbildung. Von seinen Ersparnissen kaufte er zwei Aktien: Mannesmann und Daimler. Klassische deutsche Industrietitel, bevor Vodafone Mannesmann übernahm und die Autowelt sich radikal veränderte. Diese frühen Erfahrungen prägten seine Haltung: Er ist bis heute ein Verfechter des aktiven Managements geblieben.

Sein Ansatz: Die wenigen Profis herausfiltern, die tatsächlich jene kleinen Prozentpunkte Outperformance liefern, die den Markt schlagen. Trotzdem bleibt er pragmatisch. Auch aktiv gemanagte ETFs haben mittlerweile ihren Platz im Portfolio. „Ein spannendes Vehikel, aber nicht die Non-Plus-Ultra-Lösung, wie einige in der Branche behaupten“, sagt er. Seine Philosophie: Beide Welten – aktiv und passiv – haben ihre Berechtigung. „Es wird immer Phasen geben, wo die eine Situation besser läuft. Und deswegen muss man auch diese Spielwiese komplett bedienen können."

Was ihn allerdings nervt, ist die Art, wie in der Branche über Kosten diskutiert wird. „Ich kann nicht mit den Kosten einsteigen, ohne zu wissen, was am Ende nach Kosten dabei rauskommt", erklärt Fahle. Ihn stören auch viele Strukturvertriebe, die „unqualifiziert beraten und dadurch viel kaputt machen, und viel verbrannte Erde hinterlassen."

Die Kunden wandeln sich

Sein Klientel sind vorwiegend Unternehmer, Gesellschafter, Geschäftsführer – Menschen, die selbst Entscheidungen treffen und Verantwortung tragen. Dazu einige ehemalige wie aktuelle Profisportler, Privatiers und institutionelle Anleger wie Stiftungen und Verbände. „Engagiert, vertrauensvoll, zielstrebig", so beschreibt er seinen idealen Kunden.

Dabei agiert er aus dem Ruhrgebiet heraus bundesweit, fast ausschließlich auf Empfehlung. Was seine Mandanten aktuell umtreibt, ist greifbar: Die Sorge um den Standort Deutschland, Angst vor Enteignung und die geopolitische Lage in Europa. In solchen Phasen verschiebt sich sein Jobprofil deutlich: „60 Prozent Finanzberater, 40 Prozent Psychologe“, schätzt Fahle seinen Alltag ein.

Die Demografie seiner Mandanten wandelt sich. Früher kamen viele über ablaufende Lebensversicherungen ins Private Banking – „natürlich dann schon entsprechend alt", sagt Fahle. Heute berät er generationenübergreifend. „Das Thema Erbengeneration ist ein Riesenthema. Man merkt, dass viel von unten nachkommt und dass viel Geld da ist." Die Kontinuität zeigt sich: Manche Familien begleitet er mit seinem Team seit über 20 Jahren, durch verschiedene Lebensphasen und Generationen hindurch.

Gerade diese Langfristigkeit unterscheide ihn von Trade Republic und anderen Neobrokern. „Die sind immer nur der Rückspiegel. Viele kaufen einfach mal einen ETF, lassen den liegen und haben im Grunde keine Ahnung davon." Fahle sieht die digitalen Plattformen nicht als Feinde, sondern mit Respekt und kritischer Distanz. „Es ist gut, dass die Leute sich mit Geldanlage beschäftigen und dass sie wegkommen vom Sparbuch", räumt er ein. „Trotzdem sehe ich einiges bei diesen Portalen kritisch, da fehlt teilweise die komplette Aufklärung."

Was diese Anbieter eben nicht leisten können: Betreuung und jemanden, der einen auch in schwierigen Marktphasen an die Hand nimmt. Und genau hier sieht Fahle seinen Mehrwert.

Private Equity als Beimischung

Bei der Asset Allocation setzt Fahle auf breite Diversifikation. Private Markets spielen dabei eine wichtige Rolle – als Beimischung im kleinen prozentualen Bereich, besonders bei größeren Vermögen. „Sehr spannend", sagt er über Private Equity und Infrastructure-Investments. „Das gehört für mich zur Vermögensdiversifikation dazu. Bei hohen Vermögen kann man auch mal in Start-ups investieren."

Der Blick nach vorn stimmt ihn optimistisch. Wenn er an 2026 denkt, überwiegt die Hoffnung: Frieden in Europa, Wiederaufbau, technologische Entwicklung und weitere Zinssenkungen. „Wir werden in den USA wahrscheinlich bis zu fünf Zinssenkungen sehen, in Europa noch mal eine", prognostiziert er. „Das heißt, der Rentenmarkt ist attraktiv. Der Aktienmarkt wird an Attraktivität gewinnen. Wir haben immer mehr Anlagekapital, was zur Verfügung steht. Aus meiner Sicht sind das sehr gute Aussichten in sämtlichen Bereichen."

Für die Zukunft der Branche wünscht er sich vor allem mehr qualifizierten Nachwuchs, damit der Berufsstand nicht ausstirbt. „Das ist ein toller Beruf, für den wir Werbung machen müssen.“ Stillstand ist für ihn keine Option. Sein Team bildet er aktuell im Bereich künstliche Intelligenz weiter, um KI nicht nur als persönlichen Assistenten, sondern als festen Bestandteil der Prozesse zu integrieren.

Sein Rat an jüngere Generationen ist daher simpel und direkt: Konsum überdenken, Sparpläne früh starten und dann: „Mutig sein und Gas geben“.