Der erste Kunde ihres Lebens brüllte sie am Telefon an. Bei ihm war eine elektronische Versicherungsbestätigung nicht hinterlegt worden. „Das werde ich nie vergessen“, sagt Kim Sombrutzki. Zu ihrer Mutter sagte die damals 19-Jährige schockiert nach dem Gespräch: „Also, wenn das immer so ist, möchte ich hier nicht arbeiten.“
Kim, die gerade Abitur und ein freiwilliges soziales Jahr hinter sich hatte, sollte im Versicherungsbüro von Mutter Marion Sombrutzki nur Anrufe entgegennehmen und ins System eintippen. Eine dauerhafte Beschäftigung im kleinen Betrieb in der Lüneburger Heide war nicht geplant. Eingeschrieben hatte sie sich bereits für ein Lehramtsstudium. Doch dazu kam es nicht, auch weil solch einprägsame Situationen in ihr immer wieder einen besonderen Ehrgeiz weckten, statt sie verzagen zu lassen.
Heute, acht Jahre später, ist die junge Frau nicht nur geblieben – sie hat das Maklerunternehmen ihrer Mutter weiterentwickelt und mit einem zweiten Standbein versehen. Während Marion Sombrutzki sich auf das Taxigewerbe und Mietwagen spezialisiert hatte, erschloss die Tochter den noch deutlich komplexeren Bereich der Selbstfahrervermietung – einschließlich hochpreisiger Sportwagen und Luxusfahrzeuge. Mittlerweile betreut das Unternehmen bundesweit über 6.000 Fahrzeuge.
Weibliche Durchsetzungskraft in männerdominierter Branche
Szenenwechsel: Kim Sombrutzki sitzt im Büro von Lars Bittner in Wunstorf. Er ist Kunde bei 4 U Assekuranzmakler, dem Unternehmen der Sombrutzkis. Bittner ist ein Schwergewicht im regionalen Taxigewerbe westlich von Hannover – 70 Fahrzeuge, 170 Mitarbeiter und 15 Jahre Kunde beim mittlerweile zweitgrößten Taxi-Versicherungsmakler bundesweit.
Er lernte Marion Sombrutzki bei einem Verbandstreffen kennen und tauschte sich zum Thema Flottenversicherung aus. „Sie hat mich sehr gut beraten und mir die Möglichkeiten dargelegt“, sagt Bittner, den das Fachwissen seiner Gesprächspartnerin beeindruckte. „Sie war schon eine Erscheinung in der Szene, zumal das ja eine männerdominierte Branche ist.“
Ähnlich prägnant wie das erste Telefonat für Kim Sombrutzki war für Bittner eine Episode am Beginn der Geschäftsbeziehung mit dem Versicherungsbüro. Als sein Unternehmen mit einer hohen Schadenquote kämpfte, kam Marion Sombrutzki zu ihm in die Firma und sprach direkt mit seinen Mitarbeitern, schildert er. Es kämen Blackboxes in die Taxen, die das Fahrverhalten analysieren. „Leute, wenn ihr jetzt weiter so viele Unfälle baut, dann verliert ihr euren Arbeitsplatz, weil dann versichert niemand mehr den Herrn Bittner“, soll sie gesagt haben.
Bittner, der sich heute selbst kaum noch in seinem eigenen Betrieb hinters Steuer setzt, schüttelt ungläubig den Kopf und grinst. „Da dachte ich, das ist ja einfach. Man muss das denen nur verbieten. Hätte ich mal auch draufkommen können. Aber ich glaube, das war einfach die charmante weibliche Art von Marion, die die Mitarbeiter eingefangen und zur Vernunft gebracht hat." Tatsächlich wurden die Schäden in der Folge weniger.
Nur etwas für „ordentliche Unternehmer“
Auf Kim angesprochen, nickt er anerkennend. „Diese Art hat sie jetzt übernommen“, und meint die Kombination aus Freundlichkeit, Eloquenz und Fachwissen. Das Mutter-Tochter-Gespann komme in der Branche sehr gut an, auch weil sie nicht jeden versichern würden, wie Bittner erklärt. „Kim und Marion haben mir mal gesagt, dass es für sie wichtig ist, ordentliche Unternehmer zu versichern. Sie wollen nur ein gewisses Klientel haben als Versicherungsnehmer.“ Er würde daher gewiss nicht jeden an das Versicherungsbüro vermitteln.
Früher hatte er einen Partner, der alle Schäden durchgewunken habe, auch die, die gegen ihn in Anspruch gestellt wurden. Genau das sei beim Familienbetrieb Sombrutzki anders. Man höre auf den Versicherungsnehmer, prüfe bei etwaigen Unregelmäßigkeiten Schäden viel genauer und regele die Dinge individueller. „Das ist dann für mich wieder gut, weil meine Prämie nicht so hoch ist,“ sagt Bittner. Dennoch, so lässt er durchblicken, dass ein Unternehmer wie er im Jahr eine Versicherungsprämie im unteren sechsstelligen Bereich zahlt.
Der Kampf um die Akzeptanz
Bis heute ist der Außendienst ein wesentliches Erfolgsmerkmal des familiären Maklergespanns, denn die Branche erfordert einen besonderen Kommunikationsstil. Auf die Frage nach typischen Eigenschaften von Taxiunternehmern antwortet Kim Sombrutzki: „Die sind alle sehr ehrlich, sehr offen und direkt.“ Man dürfe nicht zaghaft sein, weil es ständig Kommentare gebe, mit denen man umgehen und auch entsprechend darauf reagieren können muss. Auch derber Humor gehöre dazu. „Als stilles Mäuschen bist du in der Branche halt vollkommen falsch.“ Dennoch sei es auch wie eine große Familie, in der Vertrauen eine große Rolle spiele.
Die Erfahrungen mit raubeinigen Unternehmern vom Schlage eines Lars Bittner haben Kim Sombrutzki abgehärtet. Das spürt man im Gespräch mit ihr immer wieder. Sie nimmt das, was sie tut, auffallend ernst, was sie nicht erzählen möchte, wird zum Geschäftsgeheimnis deklariert. Trotz des gewaltigen Erfolges in der Gegenwart hat der Kampf um Akzeptanz in der Vergangenheit Spuren hinterlassen bei der 27-Jährigen.
„Die wollten alle mit meiner Mutter sprechen“, erinnert sie sich an die Anfangszeit. „Es hieß, ich spreche nur mit Marion oder ich spreche nur mit Frau Sombrutzki-Senior. Stellen Sie mal durch“. Doch Kim behauptete einfach, dass die Mutter keine Zeit habe oder sogar erst im zwei Wochen wieder zu sprechen sei. „Ich habe einfach gepokert am Telefon, eine andere Chance hatte ich nicht.“



