Portugal flüchtet unter den Rettungsschirm

Am Mittwochabend hat der scheidende portugiesische Ministerpräsident José Sócrates seinem Volk das Hilfeersuchen an die EU per Fernsehansprache mitgeteilt. José Manuel Barroso, Präsident der EU-Kommission, bestätigte den Eingang des Antrags und versprach schnellstmögliche Hilfe. Wie viel Geld Portugal benötigt, ist noch nicht bekannt. In Pressetexten ist von 75 bis 80 Milliarden Euro die Rede.

Sócrates hatte sich bisher strikt gegen den Rettungsschirm gewehrt und wollte Portugal allein aus der Krise führen. Ende März scheiterte der Sozialist allerdings mit seinem Sparpaket im Parlament und trat daraufhin zurück. Bis zu den Neuwahlen am 5. Juni ist er geschäftsführend im Amt. Unter dem Druck der Banken
Diese Woche spitzte sich die Lage um Portugal weiter zu. Zunächst senkte die Rating-Agentur Moody's die Kreditwürdigkeit des Landes von A3 auf Baa1. Für neue Schatzwechseln mit sechs Monaten Laufzeit musste Portugal dem Finanzmarkt einen Zinssatz von 5,1 Prozent bieten. Chefs der großen portugiesischen Banken kündigten zudem an, keine Staatsanleihen mehr zu kaufen, um so Druck auszuüben, dass die Regierung endlich EU-Hilfen beantragt.

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