Postera-Chef Martin Schmidt „Bitcoin bleibt ‚Leit-Asset‘ im Krypto-Universum“

Martin Schmidt: Der Geschäftsführer bei Postera Capital aus Düsseldorf erklärt den zuletzt steilen Kursanstieg beim Bitcoin, der sich zum Ende der Woche wieder ins Gegenteil verkehrt hat. | © Postera Capital

Martin Schmidt: Der Geschäftsführer bei Postera Capital aus Düsseldorf erklärt den zuletzt steilen Kursanstieg beim Bitcoin, der sich zum Ende der Woche wieder ins Gegenteil verkehrt hat. Foto: Postera Capital

DAS INVESTMENT: Der Bitcoin hat einen steilen Kursanstieg hinter sich. Wo liegen die Ursachen nach langer Durststrecke?

Martin Schmidt: In den letzten Wochen gab es einige positive Meldungen in Bezug auf Krypto-Assets. Beispielsweise wurden Details zu den Plänen von Facebook, eine eigene Kryptowährung zu emittieren, bekannt. Viele Anleger erwarten, dass dies zu einer erhöhten Akzeptanz und damit auch Nachfrage nach Krypto-Assets führen wird. Weiterhin hat die große amerikanische Fondsgesellschaft Fidelity ihre Pläne konkretisiert, ihren institutionellen Kunden Dienstleistungen rund um digitale Assets anzubieten. Diese Pläne waren zwar großenteils schon bekannt, für ein Aufhorchen hat allerdings eine von Fidelity veröffentlichte Umfrage gesorgt, nach der fast die Hälfte der institutionellen Investoren Interesse an digitalen Assets wie Bitcoin haben. So eine Meldung beflügelt natürlich die Fantasie der Anleger. Letztendlich muss man aber auch feststellen, dass die Preise bei Krypto-Assets nach wie vor sehr volatil sind und die Märkte zu kurzfristigen Über- aber auch Untertreibungen neigen. Nachdem die Preise in den letzten sechs Monaten trotz überwiegend solider fundamentaler Entwicklungen im Keller waren, sind die jüngsten Kurssprünge sicherlich teilweise als Gegenreaktion hierauf zu interpretieren.

Wird der Aufschwung weitergehen? Bis in welche Höhen kann dieser reichen?

Schmidt: Eine kurzfristige Vorhersage ist angesichts der hohen Volatilität des Marktes schwierig. Der Bitcoin-Preis ist nach wie vor weit von seinem Höchststand entfernt und die Assetklasse ist mit einem Gesamtvolumen von derzeit rund 250 Milliarden US-Dollar weiterhin verhältnismäßig klein. Insofern ist es durchaus möglich, dass der Kurs in den nächsten Wochen weiter zulegt. Der schnelle Kursanstieg der vergangenen Wochen birgt aber auch die Gefahr eines kurzfristigen Rückschlags. Insofern empfehlen wir weiterhin, nur Beträge zu investieren, bei denen man deutliche Kursverluste problemlos verkraften kann und plädieren für eine langfristig ausgerichtete Allokation auf Krypto-Assets.

Bleibt der Bitcoin die wichtigste Kryptowährung? Welche Kryptowährungen können ihm den Rang ablaufen?

Schmidt: Bitcoin hat - gemessen an der Marktkapitalisierung - im letzten Jahr an Gewicht gewonnen. Wir gehen davon aus, dass Bitcoin auch im nächsten Jahr das „Leit-Asset“ im Krypto-Universum bleiben wird. Andere Blockchains und deren Coins existieren allerdings parallel, großenteils erfüllen sie auch andere Zwecke: Wichtig sind hier beispielsweise Smart Contract Plattformen wie Ethereum, EOS oder Stellar. Diese Plattformen können genutzt werden, um weitere Tokens aufzulegen – zum Beispiel „Security Tokens“, also in Form von digitalen Token ausgegebene Wertpapiere. Wir bei Postera glauben, dass sich der Markt zunehmend ausdifferenzieren wird. Die Entwicklung der verschiedenen Smart Contract Plattformen wird dabei spannend zu beobachten sein.