Mark Mobius

Mark Mobius

Potenzial für Entwicklungsschub

Anleger müssen Grenzmärkte erst noch entdecken

Die Grenzmärkte bilden auch 2014 wieder einen Schwerpunkt für die Templeton Emerging Markets Group und mein Team und ich haben dort Anfang des Jahres mit der Untersuchung einer Reihe von Anlagemöglichkeiten verbracht. Ich verbringe generell etwa ein Drittel meiner Zeit in diesen Märkten.

Dabei dienen mir Dubai, Osteuropa und Südafrika als zentrale Ausgangspunkte. Die Schwellenmärkte, die wir heute besuchen, galten einst – in den späten 1980er Jahren, als ich dort zu investieren begann – als Nischen oder „exotische“ Anlagen.

Inzwischen sind sie vielen Anlegern vertraut. Viele Grenzmärkte müssen aber von der Anlegergemeinschaft erst noch richtig entdeckt werden. Wir glauben daher, sie stellen die nächste Stufe von Anlagegelegenheiten im Schwellenmarkt-Gesamtuniversum dar. Grenzmärkte finden sich in der ganzen Welt – in Asien, dem Nahen Osten, Osteuropa, Mittel- und Südamerika und in Afrika. Wir glauben, Grenzmärkte verfügen über gutes Potenzial für einen Entwicklungsschub in diesem und den kommenden Jahren.

Schwellenmärkte vs. Grenzmärkte: Der Unterschied

Es gibt mehrere Faktoren, die bei der Klassifizierung eines Marktes als „Industriemarkt“, „Schwellenmarkt“ oder „Grenzmarkt“ eine Rolle spielen. Auch die verschiedenen Organisationen und Anbieter von Indizes setzen geringfügig unterschiedliche Kriterien an.

Schwellenländer sind Länder, die laut Weltbank, International Finance Corporation, Vereinten Nationen oder den Behörden der Länder selbst als Entwicklungs- oder aufstrebende Länder gelten, beziehungsweise Länder mit einer Aktienmarktkapitalisierung von weniger als 3 Prozent des Morgan Stanley Capital International (MSCI) World Index sind.

Grenzmärkte können als Untergruppe der Schwellenmärkte gesehen werden. Dabei handelt es sich in der Regel um Länder, die sich am unteren Ende des Entwicklungsspektrums bewegen. Sie sind im Allgemeinen kleiner, weniger entwickelt und weniger liquide als Schwellenmarktländer und gelten als Länder in einem früheren Entwicklungsstadium. Auf gewisse Weise stellen sie das dar, was einige Schwellenmarktländer, wie Brasilien, Russland, Indien und China, vor 20 bis 25 Jahren waren.

Grenzmärkte ermöglichen Anlegern in eine „jüngere Generation von Schwellenmärkten“ zu investieren und können daher unserer Meinung nach attraktive Anlagegelegenheiten bieten. Der MSCI Frontier Markets Index ist ein für Anleger nützlicher Referenzindex. MSCI verfügt über eigene Klassifizierungskriterien. Das ist aber etwas, an das wir uns bei den Anlageentscheidungen für unsere Portfolios nicht unbedingt streng halten.

Grenzmärkte bestimmen ihren Kurs selbst

Grenzmärkte haben das Interesse vieler Anleger gewonnen, da sie dazu neigen, stärker auf ihre eigene Binnenwirtschaft ausgerichtet zu sein. In vielen Ländern wächst diese rasant – im Gegensatz zur Weltwirtschaft, die viel langsamer wächst. Außerdem konnten viele individuelle Märkte von positiven lokalen Entwicklungen, wie der Umsetzung von Reformen, profitieren.

Insgesamt glauben wir, dass es mehrere Faktoren gibt, die das langfristige Potenzial der Schwellenmärkte unterstützen. Hierzu zählt das starke Wirtschaftswachstum, positive lokale Entwicklungen, wie Reformen, und eine geringe staatliche und private Verschuldung sowie unserer Meinung nach attraktive Bewertungen.
Außerdem werden unserer Ansicht nach auch die noch nicht erschlossenen Rohstoffvorkommen, die Niedriglohn-Arbeitskräfte, günstige demografische Trends und der potenzielle technologische Nachholbedarf diese Märkte zusätzlich unterstützen.

Blick auf die Vereinigten Arabischen Emirate, Serbien und Pakistan lohnt sich

Lassen Sie uns einen Blick auf einige individuelle Grenzmärkte werfen: Die Vereinigten Arabischen Emirate dürften von besseren lokalen Wirtschaftszahlen und der Aussicht auf einen steigenden internationalen Handel über den Port of Dubai profitieren. Die vor kurzem erfolgte Ernennung Dubais zum Gastgeberland der World Expo 2020 wird dem bereits soliden Immobilienmarkt unserer Meinung nach zusätzliche Dynamik verleihen.

Verbesserte Wirtschaftsmeldungen aus der Eurozone und eine Reihe positiver lokaler Entwicklungen unterstützten mehrere Grenzmärkte in Europa, insbesondere Serbien und Bulgarien. In Asien konnte Pakistan von besseren Wirtschaftsaussichten, einem neuen Kreditprogramm des Internationalen Währungsfonds und Hoffnungen auf eine Umsetzung der geplanten Wirtschaftsreformen im Jahr 2014 profitieren.

Aktuelle Bewertungen der Märkte

Ende Januar erschienen uns die Bewertungen in Grenzmärkten im Allgemeinen immer noch attraktiv. Wie Sie der untenstehenden Tabelle entnehmen können, wurde der MSCI Frontier Markets Index mit einem historischen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) Faktor von 13,6 gehandelt, was viel niedriger ist als das KGV von 17,4 des MSCI World Index.

Was das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) betrifft, erschienen uns die Grenzmärkte mit einem Faktor von 1,8 attraktiv. Demgegenüber stand ein Faktor von 2,1 des MSCI World Index. Auch die Dividendenrendite war mit 3,6 Prozent höher als die des MSCI World Index (2,5 Prozent).

Einige individuelle Märkte sind unserer Meinung nach sogar noch attraktiver bewertet. Wir konnten daher noch günstigere Aktien finden, die wir für besser bewertet halten. Natürlich gilt das nicht für alle Unternehmen, die in Grenzmärkten tätig sind.

Es trifft aber unserer Meinung nach mit Sicherheit für viele von ihnen zu. Wir denken daher, dass es erforderlich ist, umfassend zu recherchieren und jedes Unternehmen für sich genau zu studieren und nicht zu verallgemeinern.

Fundamentaldaten der Grenzmärkte scheinen vielversprechend

Anleger stehen neuen Anlagekonzepten und Möglichkeiten zur Diversifizierung ihrer Portfolios zunehmend aufgeschlossener gegenüber. Dieser Trend ist unserer Meinung nach insbesondere derzeit aktuell, da das weltweit relativ verhaltene Wachstum in den größeren Volkswirtschaften und die niedrigen Einlagezinsen viele Anleger veranlassen anderenorts nach Anlagemöglichkeiten zu suchen.

Unserer Meinung nach gehören Grenzmärkte nach wie vor zu den spannendsten Anlagemöglichkeiten, die sich globalen Aktienanlegern bieten. Obwohl die Charakteristika von Grenzmärkten sich von Region zu Region und von Land zu Land unterscheiden, teilen sie sich als Gruppe eine Reihe von Merkmalen.

Potenzial für beschleunigtes Wachstum

Zu diesen Ähnlichkeiten zählen ein hohes Wirtschaftswachstum und eine relativ niedrige staatliche und private Verschuldung. Das birgt Potenzial für ein beschleunigtes Wachstum. Außerdem liegen die Bewertungen unserer Meinung nach oft unter dem Niveau vergleichbarer Unternehmen in Industrie- und gereiften Schwellenmärkten.

Wir glauben, das interne Wachstumspotenzial, wie die noch nicht erschlossenen Rohstoffvorkommen, Niedriglohn-Arbeitskräfte, günstige demografische Trends und der potenzielle technologische Nachholbedarf dürften auch in Zukunft die Entwicklung der Grenzmärkte unterstützen.

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