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Europäische Aktien „Potenzial zu übersehen ist leicht“

Mads Krogsgaard Thomsen, CEO der Novo Nordisk Foundation, mit Bill Gates auf dem Novo Nordisk Foundation Global Science Summit in Helsingør
Mads Krogsgaard Thomsen, CEO der Novo Nordisk Foundation, mit Bill Gates auf dem Novo Nordisk Foundation Global Science Summit in Helsingør: Die Aktie des europäischen Pharmaunternehmens brachte den Investoren in der Vergangenheit hohe Gewinne ein. | Foto: Imago Images / Ritzau Scanpix

Die wirtschaftliche Dynamik in Europa steht vor einem positiven Wendepunkt. Dies mag überraschen, da die Wirtschaftsleistung der Region nach wie vor enttäuschend ist. Vor allem Deutschland – der Wirtschaftsmotor Europas – kämpft noch mit der Anpassung an ein neues strukturelles Umfeld. Gleichzeitig geraten die Gewinne in Europa unter Druck, während sich die Inflation normalisiert. Die konjunkturellen Frühindikatoren haben sich jedoch in weiten Teilen Europas deutlich erholt, und die Bewertungen spiegeln die Gewinnrisiken wider. Vorsichtig wäre ich in Bereichen, in denen die Margen aufgrund des starken nominalen Wachstums (dem Haupttreiber der Gewinne) künstlich aufgebläht wurden. Europäische Unternehmen und Sektoren mit robusten Gewinnen und positiven Gewinnkorrekturen – beispielsweise der Gesundheitssektor – halte ich hingegen für attraktiv.

Kurz- und mittelfristig wird die Entwicklung europäischer Aktien meiner Meinung nach größtenteils von fünf Faktoren abhängen, die ich genau beobachte: 

1. Wachstumsdynamik: Ein positiver Anstieg der Reallöhne, eine Entspannung bei den Finanzierungsbedingungen und ein günstiges fiskalpolitisches Umfeld dürften zu einer Belebung des Wachstums in Europa beitragen. Im Vergleich dazu halte ich das Aufwärtspotenzial für die USA trotz der zuletzt guten Daten für eher begrenzt. Von diesem Umfeld dürften eher zyklusabhängige, inländische/regionale Marktsegmente wie Reise- und Freizeitwerte sowie Small Caps profitieren.  

2. Robuste Gewinne: Das starke nominale Wachstum und die Widerstandsfähigkeit der Margen haben den Gewinnen in den Jahren 2022 und 2023 erheblichen Rückenwind geboten. Mit nachlassender Inflation dürften diese Faktoren ihre Richtung ändern und das Gewinnwachstum im Jahr 2024 bremsen. Die Unternehmen müssen sich auch mit steigenden Zinskosten auseinandersetzen. Die Konsensschätzungen für das Gewinnwachstum sind verhaltener als in den USA und Japan, aber ich bin weiterhin besorgt über das Abwärtsrisiko, da weitere Abwärtskorrekturen bei den Gewinnen wahrscheinlich sind. Mittelfristig könnte jedoch die Wahrscheinlichkeit positiver Überraschungen steigen, wenn die europäischen Volkswirtschaften wieder Fahrt aufnehmen. 

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3. China: Europa verfügt über eine Reihe von Unternehmen – vor allem im Luxusgüter-, Automobil- und Bergbausektor –, die ein indirektes Engagement in China zu (teilweise) niedrigen Kosten und ohne die mit chinesischen Aktien verbundenen idiosynkratischen Risiken ermöglichen.

4. Bedeutung von Schlüsselthemen:  Meiner Meinung nach sind KI und die Energiewende die wichtigsten Wachstumsthemen, die die Aktienrenditen in den kommenden Jahren bestimmen werden. Derzeit bieten europäische Aktien in bedeutsamem Maß Zugang zum Thema Energiewende, dies gilt jedoch weniger für künstliche Intelligenz (KI). Die Bewertungen haben daher unter der jüngsten Fokussierung auf KI gelitten. Sollte sich dieser Trend teilweise zugunsten der Energiewende umkehren, wäre dies ein wichtiger Rückenwind für viele europäische Unternehmen. Der jüngste Widerstand in der europäischen Politik gegen einige der vorgeschlagenen klimapolitischen Maßnahmen könnte eine solche Wende zwar verzögern, die strukturellen Gründe für die Energiewende bleiben aber weitgehend intakt. 

5. Bewertungen: Die nach wie vor sehr attraktiven Bewertungen in Europa deuten darauf hin, dass viele negative Nachrichten bereits eingepreist sind. Ich sehe dies allerdings nicht als Katalysator für eine zukünftige Outperformance.

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