Skeptischer Fed-Chef Jerome Powell Foto: imago images / MediaPunch

Bantleon-Volkswirt über US-Notenbank

„Powell äußerte sich skeptischer“

Nachdem der Offenmarktausschuss im Rahmen der letzten Sitzung Mitte September seine Forward Guidance grundlegend angepasst hatte, gaben sich die Währungshüter gestern betont abwartend. Das kommt schon allein darin zum Ausdruck, dass die schriftlichen Erläuterungen zum Zinsentscheid nahezu komplett den Ausführungen zum September-Zinsentscheid entsprachen. Lediglich bei der einleitenden Beschreibung der aktuellen wirtschaftlichen Lage finden sich einige marginale Anpassungen.

Der geldpolitische Ausblick hingegen wurde eins zu eins übernommen. Mithin heißt es erneut, dass am aktuellen Tiefzinsniveau so lange festgehalten wird, „bis Vollbeschäftigung erreicht wurde, die Inflationsrate auf 2 Prozent gestiegen ist und sich die Teuerung auf Kurs befindet, um die 2 Prozent-Marke für einige Zeit moderat zu überschreiten“. Was die Käufe von US-Staatsanleihen und Hypothekenpapieren betrifft, bleibt es dabei, dass: „die Käufe mit mindestens dem aktuellen Tempo fortgesetzt werden“, das sich auf rund 120 Milliarden Dollar pro Monat beläuft.

Im Rahmen der Pressekonferenz äußerte sich Fed-Präsident Jerome Powell dann aber hinsichtlich des Konjunkturausblicks doch etwas skeptischer als im September. Bedenklich ist nach seiner Meinung vor allem die zuletzt beschleunigte Ausbreitung der Corona-Virus-Pandemie. Sie berge die Gefahr, dass die wirtschaftliche Erholung infolge strengerer Kontaktbeschränkungen und einer wachsenden Verunsicherung der Konsumenten spürbar gebremst wird.

Mit Blick auf die geldpolitischen Handlungsspielräume gab er darüber hinaus bekannt, die Offenmarktausschussmitglieder hätten ausführlich darüber diskutiert, wie das Anleihenkaufprogramm angepasst werden könnte, wenn die Fed einen zusätzlichen Stimulus setzen wollte. Demnach könnten die Wertpapierkäufe in ihrer Zusammensetzung, ihrem Umfang, ihrer Dauer und Laufzeitgewichtung modifiziert werden. Gleichzeitig betonte er aber einmal mehr, dass er in der aktuellen Krise primär die Fiskalpolitik in der Pflicht sieht, um die negativen wirtschaftlichen Folgen von Lockdown-Maßnahmen abzufedern.

Unser Ausblick:

Powell hat mit seinen Ausführungen klar gemacht, dass die Notenbank in seinen Augen nach wie vor Pfeile im Köcher hat, um im Falle eines wirtschaftlichen Einbruchs stützend einzugreifen. Wir sehen darin zwar keine direkte Ankündigung, dass in der Dezember-Sitzung des FOMC eine Ausweitung bzw. Modifikation des Anleihenkaufprogramms erfolgen wird.

Im Zuge der von uns befürchteten Verschärfung der Pandemie in den nächsten Wochen und einer damit einhergehenden konjunkturellen Abschwächung nimmt indes die Wahrscheinlichkeit zu, dass sich die Fed im Rahmen der kommenden Notenbanktreffen zu entsprechenden Maßnahmen gezwungen sieht. In einer ersten Stufe sollte es sich dabei um eine Fokussierung der Treasury-Käufe auf lange Laufzeiten handeln. Je stärker die Wirtschaft unter Druck kommt, umso mehr könnte in einem zweiten Schritt eine Ausweitung der Käufe in Betracht gezogen werden. Die realwirtschaftlichen Effekte dieser Maßnahmen sollten sich angesichts der ohnehin schon tiefen Treasury-Renditen allerdings in Grenzen halten. Im Wesentlichen würde es sich also um ein Zeichen handeln, wonach die Fed einem Abschwung nicht tatenlos zusehen will. Ähnlich hat bereits die EZB und die Bank of England agiert.

Auch wenn die Wirtschaft in den kommenden Monaten durch die an Fahrt aufnehmende Corona-Virus-Pandemie spürbar gebremst werden könnte – an unserem übergeordnet positiven Konjunkturausblick für das kommende Jahr halten wir weiterhin fest. Wir sehen nach wie vor gute Chancen, dass die Pandemie durch den Einsatz von Impfstoffen sowie weiterentwickelten Test- und Behandlungsmethoden eingedämmt werden kann. Je stärker bis dahin die geld- und fiskalpolitischen Stimuli ausfallen, umso mehr Kraft dürfte die anschließende Erholung entwickeln, was nicht zuletzt die Inflation ankurbeln würde. Treasuries sollten in diesem Umfeld ungeachtet aller Notenbankkäufe unter Druck kommen.

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