US-Präsident Trump hat wiederholt deutlich gemacht, dass er die unabhängige Rolle der Federal Reserve kritisch sieht. Jerome Powell sei zu zögerlich bei Zinssenkungen, findet Trump. Er nennt ihn „Mr. Too Late“.

Eine vorzeitige Entlassung Powells ist rechtlich schwierig. Doch mit dem Ende seiner Amtszeit im Mai 2026 kann Trump einen Nachfolger einsetzen, der seiner geldpolitischen Haltung nähersteht. Medienberichte deuten bereits darauf hin, dass Kevin Hassett als wahrscheinliche Alternative gilt.

Relevant ist weniger die Personalie selbst. Entscheidend ist das frühzeitige „Preising“ an Zins- und Devisenmärkten, sobald ein klarer Favorit sichtbar wird.

Nervosität an den Märkten steigt

Diese Aussicht sorgt bereits für erhöhte Aufmerksamkeit. Je früher Trump einen Nachfolger benennt, desto uneinheitlicher wird die Politik der Notenbank bis zum effektiven Wechsel. Powell gilt dann als „Lame Duck“. Der Markt ist gespalten zwischen seinem Wording und dem seines designierten Nachfolgers.

Setzt Trump tatsächlich einen politisch geneigteren Fed-Chef ein, wäre dies ein Eingriff in die traditionelle Unabhängigkeit der Notenbank. Viele Anleger sehen genau diese Unabhängigkeit als Grundpfeiler des globalen Finanzsystems.

Schon das Signal, dass geldpolitische Entscheidungen stärker politisch beeinflusst werden, verunsichert die Märkte. Währungs- und Anleihemärkte könnten empfindlich reagieren. Die Folge: kurzfristige Volatilität. Schwankende Anleiherenditen, ein schwächerer US-Dollar gegenüber dem Euro und hektische Bewegungen an den Aktienmärkten wären möglich.

Gerade im Treasury-Markt könnte sich das über ein höheres Term-Premium und phasenweise geringere Liquidität zeigen.

Kurzfristige Chancen, mittelfristige Risiken

Ein Fed-Chef, der stärker auf Wachstum statt auf Preisstabilität setzt, würde aggressive Zinssenkungen einleiten. Für die Finanzmärkte hätte dies kurzfristig eine stimulierende Wirkung: Aktienkurse könnten steigen, Kreditmärkte würden aufatmen. Unternehmen mit hoher Verschuldung könnten sich deutlich günstiger refinanzieren, da mehr Liquidität in den Markt strömt. Investoren, die kurzfristige Chancen suchen, könnten diese Phase nutzen.

Die Kehrseite einer politisch motivierten Lockerung wäre ein erhöhtes Inflationsrisiko. Sinken die Zinsen zu früh und zu stark, könnten die Preise erneut steigen. Das würde vor allem Verbraucher und Unternehmen belasten.

Parallel würden die Renditen von langen US-Staatsanleihen anziehen. Das führt zu sinkenden Kursen und steigenden Kosten für die Staatsfinanzierung der USA. Zudem könnte der US-Dollar gegenüber anderen wichtigen Währungen unter Druck geraten, weil internationale Anleger zunehmend Alternativen suchen. Das wiederum würde Importe verteuern und die Inflation weiter anschieben. Es droht eine Spiralwirkung.

Kapitalflüsse könnten sich verschieben

Wird die Fed als politisch beeinflusst wahrgenommen, könnte dies nicht nur kurzfristige Turbulenzen verursachen. Auch die Bereitschaft internationaler Anleger, große Mengen an US-Staatsanleihen zu halten, könnte sinken. Pensionsfonds, Zentralbanken und große Vermögensverwalter könnten beginnen, in andere Währungen auszuweichen.

Das hätte potenziell weitreichende Folgen: Der US-Staatsanleihemarkt ist das Rückgrat des globalen Finanzsystems. Ein Vertrauensverlust könnte die Kapitalflüsse nachhaltig verändern und auch andere Märkte in Mitleidenschaft ziehen.

Was Anleger jetzt beachten sollten

Kurzfristig könnten die Aktienmärkte und andere riskante Anlageklassen von einem expansiveren geldpolitischen Kurs profitieren. Für kurzfristig orientierte Anleger ergeben sich spekulative Möglichkeiten.

Mittelfristig steigt jedoch das Risiko eines geldpolitischen Schocks: eine sich verfestigende Inflation, steigende langfristige Zinsen und ein Wertverlust des US-Dollar. Portfolioseitig spricht das für ein bewusstes Duration-Management in US-Dollar-Bonds und – je nach Mandat – für eine aktive Steuerung beziehungsweise Absicherung des US-Dollar-Exposures.

Für langfristig orientierte Anleger bedeutet dies, dass eine breitere Streuung wichtiger wird – über Regionen, Währungen und Anlageklassen hinweg. Ebenso entscheidend ist die regelmäßige Beobachtung der Entscheidungen der Fed, der Argumentation des Fed-Vorsitzenden, der Wirtschaftsdaten und der politischen Signale aus dem Weißen Haus.

Best-Case: Moderate Zinssenkungen

Voraussetzung: Die Fed senkt Zinsen moderat, bleibt aber weitgehend glaubwürdig. Die Inflation bleibt kontrollierbar.

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Aktien: Moderate Zinssenkungen stützen das Wirtschaftswachstum, ohne die Inflation erneut zu befeuern. Die Gewinne von Unternehmen könnten stabil wachsen, da die Finanzierungskosten sinken und die Konsumnachfrage hoch bleibt. Besonders zinssensitive Sektoren wie Technologie, Immobilien und Industrie würden profitieren. Der Aktienmarkt insgesamt könnte eine Phase anhaltender und breit angelegter Stärke erleben.

Anleihen: Sinkende Leitzinsen führen zu steigenden Kursen, vor allem bei bonitätsstarken Staats- und Unternehmensanleihen. Anleger erhalten die Chance auf Kursgewinne, während gleichzeitig die Risikoaufschläge stabil bleiben. Die langfristige Inflationserwartung bleibt niedrig, was die Attraktivität von US-Treasuries weiter stärkt.

EUR/USD: Der US-Dollar zeigt sich wahrscheinlich relativ stabil. Moderate Zinssenkungen schwächen ihn zwar leicht, doch das Vertrauen in die Fed bleibt erhalten. Deshalb strömen internationale Kapitalflüsse weiter in die USA. Der Euro könnte gegenüber dem Dollar leicht aufwerten, allerdings nur in einem begrenzten Rahmen.

Worst-Case: Vertrauensverlust und Inflation

Voraussetzung: Die Fed verliert an Unabhängigkeit, senkt Zinsen zu stark oder zu früh. Dadurch zieht die Inflation wieder an und das Vertrauen in die US-Finanzmärkte erodiert.

Aktien: Der Aktienmarkt würde zunächst möglicherweise stark steigen – angefeuert durch aggressive Zinssenkungen und politische Impulse. Doch sobald die Inflation wieder Fahrt aufnimmt und das Vertrauen in die Fed schwindet, leiden die Märkte unter stark steigenden langfristigen Zinsen und erhöhter Unsicherheit.

Besonders anfällig wären Banken, zyklische Branchen, Konsumunternehmen und Firmen mit hoher Verschuldung. Der anfängliche Schub würde von einer längeren Phase hoher Volatilität, fallender Kurse und geringerer Risikobereitschaft abgelöst. Internationale Anleger könnten US-Aktien verstärkt meiden.

Anleihen: Anleihen geraten besonders unter Druck. Steigt die Inflation wieder und zweifeln Investoren an der geldpolitischen Kompetenz der Fed, verlangen die Märkte höhere Risikoprämien. Die Folge sind steigende Renditen und fallende Kurse, insbesondere bei langlaufenden US-Treasuries.

Gleichzeitig könnten Unternehmensanleihen stärker unter Ausfallrisiken leiden, weil höhere Inflations- und Refinanzierungskosten die Bonität belasten. Besonders problematisch wäre ein Vertrauensverlust ausländischer Investoren – China, Japan oder große Fonds könnten ihre Bestände reduzieren.

EUR/USD: Der US-Dollar wäre eines der unmittelbarsten Opfer: Sinkendes Vertrauen in die US-Wirtschaft sowie die Währungspolitik und steigende Inflation könnten zu einer strukturellen US-Dollar-Schwäche führen. Internationale Kapitalflucht in sichere Alternativen wie Euro, Schweizer Franken oder Yen wäre möglich. Je nach Stärke der Vertrauenskrise wären auch schnellere und größere Abwertungssprünge des US-Dollar beispielsweise gegenüber dem Euro denkbar. Das würde Importe verteuern und die Inflation im Inland weiter verschärfen.

Fazit: Volatile Zeiten voraus

Im Best-Case wären Aktien voraussichtlich die größten Gewinner. Anleihen würden von fallenden Renditen profitieren und der US-Dollar würde sich nur leicht abschwächen, jedoch tendenziell stabil bleiben.

Im Worst-Case würden Aktien zunächst kurzfristig zulegen, dann aber unter Druck geraten. Anleihen würden deutlich verlieren und der US-Dollar wäre einer nennenswerten Schwächephase aufgrund des Vertrauensverlustes ausgesetzt.

Da die Börse zahlreiche Entwicklungen antizipiert und häufig zwischen Best- und Worst-Case-Szenarien handelt, werden die nächsten Wochen voraussichtlich von volatilen Veränderungen geprägt sein.

Andreas Schyra
Andreas Schyra | Bildquelle: PVV AG

 Über den Autor: 

Andreas Schyra ist Vorstandsmitglied der PVV AG und Dozent an der FOM Hochschule in Essen.