Horst Peter Schmitz ist Vorstandschef des Heilwesen-Netzwerks. Foto: Heilwesen-Netzwerk

Gründer des Heilwesen-Netzwerks

„Praxis-Erfahrung sollte jeder schon mitbringen“

DAS INVESTMENT: Was ist das Kernanliegen des Heilwesen-Netzwerks?

Horst Peter Schmitz: Wir bieten Weiterbildung an und vernetzen untereinander. Die meisten Mitglieder sind Berater aus Finanzen, Versicherungen und Dienstleistungen. Wir befassen uns mit dem Bedarf von Krankenhäusern, medizinischen Versorgungszentren und niedergelassenen Selbstständigen im Gesundheitssektor – Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Hebammen. Für die einzelnen Gebiete ziehen wir Fachleute heran und bieten unser Netzwerk an.

Das Heilwesen-Netzwerk ist als Genossenschaft organisiert – wieso?

Wir sind keine GmbH oder AG, weil wir klarstellen möchten, dass es nicht um Gewinn geht. Der einfache Verein war uns als Rechtsform zu simpel, denn der lässt sich schnell wieder auflösen. Eine Genossenschaft ist auf Nachhaltigkeit angelegt. Sie ist auch mit vielen Auflagen verbunden, die nicht immer Spaß machen. Nur kurz eintreten und einige Vorteile abgreifen passt nicht.

Wie viele Mitglieder haben Sie?

Zurzeit 235.

Muss jeder, der mit Ihnen zusammenarbeiten will, der Genossenschaft beitreten?

Wenn es ein Berater oder ein Dienstleister ist, erwarten wir eine Mitgliedschaft. Außerdem erwarten wir fundierte Kenntnisse im Gesundheitswesen. Ob jemand zum Netzwerk passt, ermitteln wir in Einzelgesprächen.

Wie finanziert sich das Netzwerk?

Es gibt keine laufenden Mitgliedsbeiträge. Wir erhalten einen kleinen Overhead, wenn über das Netzwerk gemeinschaftliche Geschäfte zustande kommen. Die Genossenschaft hat nur geringe organisatorische Fixkosten, Aufsichtsrat und Vorstand arbeiten ehrenamtlich. Wir wollen vor allem unsere Mitglieder so koordinieren, dass sie einen Mehrwert für ihre Kunden erzielen und davon profitieren.

Ein Beispiel?

Ein Versicherungsmakler möchte beispielsweise eine Arztpraxis mit Berufshaftpflichtversicherung und einer Praxisinhaltversicherung absichern. Außerdem will er den Arzt oder Zahnarzt vielleicht auch privat absichern oder ihm eine Finanzierung anbieten. Natürlich möchte jeder Vermittler seinen Kunden rundum betreuen. Er sollte aber nichts anbieten, von dem er nichts versteht, sondern dann lieber weiterverweisen. Wenn jemand den Zugang zum Kunden von uns bekommen hat, gibt er einen überschaubaren Anteil seines Honorars oder der Provision an die Genossenschaft ab. Wer Teil des Netzwerks werden will, soll sich in Heilberufen bereits auskennen, sagen Sie.

Wie kommen Berater auf eine solche Spezialisierung?

Manchmal zufällig. Jemand betreut etwa einen Arzt oder Zahnarzt bei privaten Versicherungen. Bei der Abfrage des Bedarfs gelangt man zu den beruflichen Risiken. Wenn dann über Empfehlung andere Ärzte oder Zahnärzte hinzukommen und der Vermittler sich mit diesen Kunden intensiv beschäftigt, stößt er auf eine oft vergleichbare Bedarfsstruktur. Ab 2021 bieten wir Beratern auch eine theoretische Ausbildung zu den betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen von Heilberufen an, mit Prüfung und Zertifikat. Praktische Erfahrungen in dem Bereich sollten sie allerdings schon mitbringen.

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