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Zweite Jahreshälfte 2022 „Jetzt gehören resiliente Unternehmen ins Depot“

William Davies, globaler Chef-Investmentstratege bei Columbia Threadneedle Investments
William Davies, globaler Chef-Investmentstratege bei Columbia Threadneedle Investments: „Insgesamt sind wir angesichts der Rückgänge, die wir in diesem Jahr bei Aktien bereits erlebt haben, für die zweite Jahreshälfte konstruktiver eingestellt.“ | Foto: Columbia Threadneedle Investments

Herr Davies, wie fällt Ihre Einschätzung zur Wirtschaftslage aus?


William Davies: Im Jahresverlauf 2022 sind die Zinserwartungen gestiegen und es hat sich Unsicherheit infolge Russlands Überfall auf die Ukraine breit gemacht. Die hohe Inflation sorgt für Beunruhigung, gleichzeitig erlahmt das Wirtschaftswachstum und es stellen sich Anzeichen einer Rezession ein.

 

Die US-Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal. Gut möglich, dass auch die Zahlen zum zweiten Quartal eine Kontraktion signalisieren, womit wir mit zwei negativen Quartalen in Folge laut Definition eine Rezession hätten. Die Lage wirkt nicht gerade rosig.

 

Wie schlimm wird es?

 

Davies: Wir gehen davon aus, dass die Konjunkturabschwächung zu einer Rezession führen wird, auf alle Fälle in Europa, aber möglicherweise auch in den USA. Aber wir erwarten nicht, dass es sich um eine tiefe Rezession handeln wird, wie wir sie in der globalen Finanzkrise von 2008/9 erlebt haben.

 

Die Märkte haben sich in den vergangenen Monaten schwer getan. Wird das so weitergehen?

 

Davies: Sehen wir uns die Märkte in der ersten Hälfte des Jahres 2022 an, dann war das eine außerordentlich ungewöhnliche Zeit. Wir haben die schlechteste Performance bei globalen Anleihen seit 1970 erlebt. Wir sehen eine eindrückliche Schwäche an den Aktienmärkten. Normalerweise würde man erwarten, dass das eine das andere ausgleicht, aber das war in der ersten Hälfte des Jahres 2022 nicht der Fall. Aber natürlich gab es auch einige widerstandsfähige Bereiche.

 

Welche?

 

Davies: Immobilien erwiesen sich als widerstandsfähig. Zudem sind die Rohstoffpreise in der ersten Hälfte dieses Jahres deutlich gestiegen. Es ist indes eher unwahrscheinlich, dass die generelle Marktschwäche in der zweiten Hälfte dieses Jahres anhält: Der Pessimismus an den Märkten ist extrem ausgeprägt, sehr viel Geld wartet an der Seitenlinie der Anleihe- und Aktienmärkte auf neue Investitionschancen. Es könnte durchaus sein, dass die Märkte sich in der zweiten Jahreshälfte etwas stabilisieren.

 

Wie lautet Ihre Prognose für Aktien?

 

Davies: Mit Blick auf die Aktienmärkte fällt auf: In Anbetracht der schwierigen Marktlage erscheint die Rentabilität der Aktien insgesamt recht stabil. Dennoch sehen wir eine Verlangsamung der Weltwirtschaft, ausgehend von den gestörten Versorgungsketten, hohen Rohstoffpreisen und einem nicht geringen Druck auf die Verbraucher, deren verfügbares Einkommen aufgrund hoher Energie- und Lebensmittelpreise sinkt. Wir würden daher erwarten, dass der Druck auf die Rentabilität der Unternehmen zunimmt.

 

Andererseits halten wir es für durchaus möglich, dass die Erwartungen in Bezug auf den Leitzins

ihren Höhepunkt erreicht haben könnten. Er könnte zukünftig sogar etwas niedriger ausfallen als im Konsens der Marktteilnehmer in der ersten Jahreshälfte 2022 angenommen wurde.

 

 

Also, Daumen hoch für Aktien?

 

Davies: Was die Aussichten für Aktien anbelangt, ist vorerst Vorsicht angebracht. Die Verbraucher schränken zunehmend ihre Ausgaben ein. Aber noch einmal: Insgesamt sind wir angesichts der Rückgänge, die wir in diesem Jahr bei Aktien bereits erlebt haben, für die zweite Jahreshälfte konstruktiver eingestellt.

 

Wohin bewegen sich die Anleiherenditen?

Davies: Bei den Anleiherenditen haben wir in den vergangenen Monaten einen Anstieg über die gesamte Kurve hinweg gesehen, was mit den Erwartungen einer höheren Inflation und höherer Zinsen zusammenhängt. Die Geschwindigkeit des Renditeanstiegs in der ersten Hälfte dieses Jahres war beispiellos.

Gegenwärtig wird die Inflation, die Dauer der Inflation und die Notwendigkeit eines weiteren Anstiegs der Zinssätze diskutiert. Vor diesem Hintergrund sind die Anleiherenditen über die gesamte Kurve hinweg bereits weit gestiegen. Wir gehen davon aus, dass sie in der zweiten Jahreshälfte nicht weiter zulegen werden. In den USA haben die Renditen bei zehnjährigen Anleihen etwa dreieinhalb Prozent erreicht. Wir erwarten, dass die zehnjährigen Renditen in den USA in der zweiten Hälfte dieses Jahres bei 3 Prozent oder darunter liegen werden. Der starke Renditeanstieg in der ersten Jahreshälfte dürfte sich in der zweiten Jahreshälfte nicht mehr wiederholen.

Wie sollten Anleger für die Zukunft aufgestellt sein?

Davies: Mit Blick auf die mittel- bis langfristige Vermögensallokation ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, genau zu schauen, inwieweit einzelne Assets unverdientermaßen in der Drawdown-Phase der ersten Hälfte dieses Jahres abgewertet wurden. Bei Anleihen tendieren wir weiterhin zu den qualitativ höherwertigen, zum Teil aufgrund der Tatsache, dass die Konjunktur sich weiter abschwächen dürfte. Unserer Meinung nach schneiden Anleihen mit Investment-Grade-Rating in einem solchen Umfeld besser ab.

Bei Aktien gilt, dass vor allem Unternehmen mit Preissetzungsmacht weiterhin attraktive Renditen erzielen und nachhaltig hohe Erträge erwirtschaften dürften. Es ist kein Geheimnis: In einem Umfeld, in dem die konjunkturelle Entwicklung unter Druck steht, zahlt sich Widerstandsfähigkeit aus. Jetzt gehören resiliente Unternehmen ins Depot.