New York, 4. März 2026, Bloomberg Invest Conference, Lower Manhattan. Scott Kapnick, Gründungspartner von HPS Investment Partners und seit der 12-Milliarden-Dollar-Übernahme durch Blackrock auch Chef von dessen Private-Credit-Sparte, sitzt auf dem Podium und erklärt dem Saal, Private Credit werde weiter wachsen. Die großen, skalierten Plattformen würden aus der aktuellen Unruhe gestärkt hervorgehen. Der Raum nickt.

Zwei Tage später schloss sein Fonds das Tor.

Am 6. März 2026 beschränkte der HPS Corporate Lending Fund – ein 26 Milliarden US-Dollar schweres Direktkreditvehikel – erstmals in seiner vierjährigen Geschichte die Rückgaben auf das vertragliche Quartalslimit von 5 Prozent. Anleger hatten Rücknahmen von 1,2 Milliarden US-Dollar beantragt, fast doppelt so viel. Ausgezahlt wurden rund 620 Millionen. Die Blackrock-Aktie fiel in der Folge auf den tiefsten Stand seit Mai 2025.

Wer glaubte, illiquide Assets ließen sich mit quartalmäßigen Rückgabefenstern dauerhaft zähmen, bekommt nun die Antwort des Marktes.

Das große Versprechen

Die Erfolgsgeschichte von Private Credit ist eine der prägenden Finanzerzählungen der vergangenen anderthalb Jahrzehnte. Nach der Finanzkrise 2008 zogen sich Banken aus der Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen zurück – wegen regulatorischem Druck, höheren Eigenkapitalanforderungen und verändertem Risikoappetit.

In die entstandene Lücke drängten nicht-bankliche Kreditgeber: Direct-Lending-Fonds, spezialisierte Kreditplattformen oder Business-Development-Unternehmen. Das ausstehende Kreditvolumen dieser Vehikel stieg von rund 100 Milliarden Dollar im Jahr 2010 auf über 1,2 Billionen Dollar bis Mitte 2024, wie die Bank for International Settlements dokumentiert. Das gesamte Private-Credit-Ökosystem inklusive Asset-based Lending und strukturierten Kredits wird in einigen Analysen auf über 2,5 Billionen Dollar geschätzt.

Was das Modell so attraktiv machte: Private Kredite werden nicht sekündlich an einem Börsenplatz bepreist, sondern modellbasiert und periodisch bewertet. Das glättete die Volatilität, verhinderte nervöse Ausschläge in den Portfolioberichten und ließ Private Credit in der Niedrigzinsphase wie eine seltene Oase stabiler Rendite wirken.

Pensionskassen, Versicherungen und Sovereign Wealth Funds allokierten in den Markt. In Europa halten europäische Versicherungsunternehmen laut der Europäischen Aufsichtsbehörde Eiopa inzwischen 514 Milliarden Euro in Private Credit – 5,1 Prozent ihrer Gesamtanlagen. Institutionelle Altersvorsorgeeinrichtungen kommen auf weitere 128 Milliarden Euro.

Der logische nächste Schritt: Auch Privatanleger sollten profitieren. Blackrock formulierte das Ziel, seine Kunden vom traditionellen 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen in ein 50/30/20-Modell umzulenken – mit 20 Prozent Alternativen, darunter neben Private Equity und Infrastruktur auch Private Credit.

Angekündigt wurde die Übernahme von HPS Investment Partners Ende 2024. Der Kaufpreis lag bei zwölf Milliarden Dollar für eine der renommiertesten Kreditboutiquen der Wall Street. Abgeschlossen wurde der Deal im Juli 2025. Der Kaufpreis entsprach dem 30-fachen der geschätzten gebührenbezogenen Gewinne für 2025. Kurz darauf unterzeichnete Donald Trump eine Executive Order zur Demokratisierung des Zugangs zu alternativen Assets in 401(k)-Altersvorsorgeplänen – ein politisches Geschenk für die gesamte Branche.