Das Umfeld an den Privatmärkten wird komplexer. Makroökonomische Unsicherheiten, die Aussicht auf dauerhaft höhere Zinsen und eine Erholung der Märkte, die nicht überall gleich verläuft, verändern die Anlagelandschaft. Die Differenzierung auf Asset-Ebene gewinnt an Bedeutung, ebenso die Fähigkeit, Signale von den Hintergrundgeräuschen zu unterscheiden. In den Bereichen Private Equity, Private Credit und Infrastruktur zeichnen sich klare Themen ab: Die Streuung nimmt zu, und der Erfolg hängt immer mehr von diszipliniertem Underwriting, Klarheit über die Risiken und Selektivität ab.
Das anspruchsvolle Umfeld ist auch für Kunden eine Herausforderung. Experten und Expertinnen von BlackRock gehen auf die wichtigsten Fragen ein, die ihnen aktuell von Kunden gestellt werden.
Private Equity: Bewertungen, Exits und Chancen
John Seeg, Global Co-Head, BlackRock Private Equity Partners
Wie sind die Befürchtungen der Kunden zu bewerten, dass Private-Equity-Bewertungen hinter den öffentlichen Märkten zurückbleiben?
Die Einstiegsbewertungen an den Privatmärkten sind 2026 bemerkenswert diszipliniert geblieben. In den letzten fünf Jahren wurde globales Private Equity mit einem Abschlag von etwa 30 Prozent gegenüber dem S&P 500 gehandelt, was unserer Meinung nach attraktive Einstiegschancen schafft.* Die Stimmung an den Märkten ist von Selektivität geprägt. Unternehmen mit starkem Wachstum, resilienten Margen, transparenten Cashflows und glaubwürdigen Exit-Strategien ziehen weiterhin Kapital an. Stärker verschuldete oder weniger hochwertige Vermögenswerte sind mit höheren Abschlägen und verzögerten Exits konfrontiert. Ein Umfeld, das von mehr Zinsen und höherer Inflation geprägt ist, verstärkt die Streuung und begünstigt Unternehmen mit Preissetzungsmacht, stabilen Margen und robusten Cashflows.
Wie sollten Anleger Exit-Timing und Liquiditätserwartungen für die nächsten 12 bis 24 Monate einschätzen?
Die Exit-Märkte öffnen sich wieder. Es wird erwartet, dass die Ausschüttungen steigen, allerdings nicht auf breiter Front: Vermögenswerte höherer Qualität werden wahrscheinlich zuerst veräußert, während stärker fremdfinanzierte oder Unternehmen mit wenigen Alleinstellungsmerkmalen mit Verzögerungen rechnen müssen.
Wo gibt es im aktuellen Umfeld Chancen für Anleger?
Wir sehen überzeugende Chancen bei Co-Investments, Secondaries, Continuation-Vehikeln und Carve-outs. Entscheidend dürfte dabei die Sektorauswahl sein. Bereiche wie KI, Gesundheitswesen, Energie und Infrastruktur fallen ins Auge, wobei insbesondere KI sowohl Chancen als auch Streuung über den gesamten Software-Markt hinweg bietet.
Private Credit: Drohender Stress und Sorge um Software-Sektor
Dominique Bly, Macro Credit Strategist, HPS
Meldungen haben Bedenken hinsichtlich Rücknahmen und Stress am Private-Credit-Markt aufkommen lassen. Die Lage hat sich wieder etwas beruhigt. Wie sind die Fundamentaldaten am breiteren Markt und insbesondere im Software-Sektor zu beurteilen?
Die Fundamentaldaten am Private-Credit-Markt sind nach wie vor insgesamt robust. Die meisten Unternehmen weisen eine stabile operative Performance und ein positives Gewinnwachstum auf. Zahlungsausfälle sind relativ selten. Gleichzeitig werden auf Ebene der einzelnen Unternehmen erste Anzeichen für wachsenden Druck spürbar. All das deutet auf ein komplexeres Umfeld hin.
Im Software-Bereich verlangen die Stressindikatoren unserer Ansicht nach Selektivität. Zwar erzielen viele Unternehmen weiterhin ein positives EBITDA-Wachstum, dabei sind aber Firmen resilienter, die sich durch Produkte mit hoher Kundenbindung, hohe Wechselkosten sowie einem Angebot mit Alleinstellungsmerkmalen auszeichnen. Es geht weniger um die aktuelle Performance als vielmehr darum, wie sich die Geschäftsmodelle in den nächsten drei bis fünf Jahren entwickeln werden.
KI: Blase oder Infrastrukturchance?
Vidy Vairavamurthy CIO, Alternative Portfolio Solutions
Ist KI eine Blase oder ein Goldrausch?
Aktuell sind Elemente beider Szenarien zu beobachten. Einerseits deuten das Tempo der Innovation, die steigende Akzeptanz und das Umsatzwachstum darauf hin, dass es sich um einen echten strukturellen Wandel handelt und nicht um reine Spekulation. Andererseits gibt es wenig Marktführer, und die Bewertungen gehen in einigen Bereichen von sehr optimistischen Erwartungen aus, was Fragen zur Tragfähigkeit aufwirft.
Insgesamt betrachten wir KI als ein dynamisches Chancenuniversum, in dem die Ergebnisse uneinheitlich ausfallen. Eine disziplinierte Portfoliokonstruktion und Klarheit über die Risiken können entscheidend sein, um die Unternehmen, die auf Dauer zu den Gewinnern zählen, von denjenigen zu trennen, in denen die Erwartungen höher sind, als es die Fundamentaldaten vermuten lassen.
* Quelle: BlackRock Investment Institute, LCD Pitchbook, Bloomberg, Stand: 31.12.2025. Hinweis: Die Daten vergleichen Bewertungenüber das EV/EBITDA-Verhältnisses. Für Private Equity werden Daten von LCD Pitchbook verwendet, für den S&P 500 Daten von Bloomberg.
Zugang zu den Privatmärkten für Wealth Manager
BlackRock hat sechs ELTIF-Fonds im Angebot, zwei davon als Evergreen-Fonds mit Schwerpunkt auf Private Equity und Multi-Alternatives. Jetzt entdecken