Lange galt Private Equity als die Anlageklasse, die liefert, was öffentliche Märkte nicht können – zumindest dem Versprechen nach: höhere Renditen, weniger Schwankungen, ein struktureller Vorteil für geduldige Investoren. Auf diesem Versprechen wuchs die Branche auf ein verwaltetes Vermögen von mehr als 5 Billionen US-Dollar. Jetzt droht es zu brechen.

Laut einer Auswertung von Preqin, zitiert im Quartalsbericht des Investmenthauses Sagard, sank das globale Dealvolumen im ersten Quartal 2026 um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher fiel der Rückgang bei den Beteiligungsverkäufen aus, die sowohl in der Anzahl als auch im Gesamtwert um etwa ein Fünftel nachgaben. Als Ausstiegsroute spielen Börsengänge dabei kaum noch eine Rolle. Im gesamten ersten Quartal 2026 zählte der Markt weltweit gerade einmal neun.

Zu groß für die eigene Geschichte

Brooks Harrington, CIO und Head of Private Equity bei Federated Hermes, benennt das Problem hinter diesen Zahlen: „Mit einem globalen Volumen von mehr als 5 Billionen US-Dollar ist der Sektor derart gereift, dass die Outperformance früherer Jahre kaum mehr als Maßstab dienen kann.“

Private Equity funktioniert am besten in Märkten, die Informationsvorsprünge belohnen, wenig Wettbewerb kennen und günstig bewertet sind. Alle drei Bedingungen gelten heute nur noch eingeschränkt. Zu viele Manager jagen dieselben Deals, zahlen ähnliche Preise und verlassen sich auf denselben Hebel: billiges Fremdkapital. Das ist teurer geworden. Harrington beschreibt die Konsequenz: „Die daraus resultierende hohe Wettbewerbsintensität führte zu steigenden Bewertungen sowie zu einer zunehmenden Konzentration von Kapital in diesen Marktsegmenten.“

Warten auf das Geld

Private Equity hat ein Liquiditätsproblem. Nicht im Sinne einer Krise, sondern im Sinne einer strukturellen Verschiebung: Das Kapital kommt später zurück als erwartet, manchmal deutlich später.

„Exit-Aktivitäten haben sich deutlich verlangsamt, wodurch Investoren länger als üblich auf die Realisierung ihrer Renditen warten müssen“, sagt Harrington. „Dies hat branchenweit zu einem erhöhten Druck geführt, insbesondere auf Fondsmanager, die auf Ausschüttungen angewiesen sind, um neue Verpflichtungen finanzieren zu können.“

Fonds haben in der Regel eine Laufzeit von zehn Jahren. Da Verlängerungsoptionen zunehmend in Anspruch genommen werden, steigt die Zeit, die Kapital gebunden bleibt. Investoren stellen deshalb verstärkt die Frage, warum Verkäufe ausbleiben, und verlangen einen klar definierten Plan für die Wertschöpfung.

In diesem Umfeld rückt eine Kennzahl in den Vordergrund, die lange ein Schattendasein führte: der DPI, das Verhältnis von tatsächlich ausgeschütteten Beträgen zum eingezahlten Kapital. Er misst nicht, was ein Portfolio auf dem Papier wert ist, sondern was Investoren tatsächlich auf dem Konto haben. Wer heute Kapital einwerben will, muss zeigen, dass er bereits Kapital zurückgegeben hat. 

Das Fundraising spaltet sich

Wer erwartet, dass die Flaute alle Fondsmanager gleich trifft, liegt falsch. Der PEI Fundraising Report Q1 2026 zeigt ein gespaltenes Bild: Die durchschnittliche Zeit bis zum Abschluss eines neuen Fonds sank von 19 Monaten im Jahr 2025 auf 14 Monate im ersten Quartal 2026. Mehr als 80 Prozent der Fonds, die einen Abschluss erzielten, erreichten ihr Zielvolumen oder übertrafen es.

Das klingt nach Stärke. Aber diese Zahlen beschreiben nur die Gewinner. Die Fonds, die keinen Abschluss erzielten, tauchen in der Statistik gar nicht erst auf. Was tatsächlich stattfindet, deutet auf eine Konzentration hin: Etablierte Manager mit nachgewiesener Erfolgsbilanz schließen schneller und voller ab als je zuvor. Alle anderen kämpfen erheblich härter.

Wie die Branche auf den Stau reagiert

Der anhaltende Verkaufsstau hat eine unerwartete Folge: Er treibt die Verbreitung sogenannter Mid-Life-Deals voran. Das sind Kapitaltransaktionen, die weder beim Kauf eines Unternehmens stattfinden noch einen abschließenden Verkauf darstellen. Sie finden mittendrin statt, während ein Unternehmen noch im Portfolio sitzt.

Sagard beschreibt, wie dieses Instrument in den vergangenen Jahren von einem Nischenwerkzeug zu einem strategischen Bestandteil des Portfoliomanagements geworden ist. Wenn klassische Verkäufe ausbleiben, brauchen Fondsmanager andere Wege, um Kapital freizusetzen und gleichzeitig in überzeugende Unternehmen investiert zu bleiben. Mid-Life-Deals schaffen genau das. Bestehende Investoren können früher an ihr Geld kommen. Neue Investoren erhalten Zugang zu bereits gereiften, risikoärmeren Beteiligungen. Und der Fondsmanager behält die Kontrolle über das Timing, anstatt in einem schwachen Markt zu verkaufen.

Sagard sieht diese Transaktionen besonders im kleineren und mittleren Marktsegment als wachsenden Trend, weil größere Fonds andere Instrumente zur Verfügung haben, kleinere Manager aber auf Flexibilität angewiesen sind.

Wo der Markt noch funktioniert

Harrington sieht die attraktivsten Möglichkeiten heute dort, wo der Wettbewerb noch nicht vollständig angekommen ist: bei kleineren Unternehmen mit einem Gesamtwert von typischerweise bis zu rund 500 Millionen US-Dollar. „Dieses Segment bietet strukturelle Ineffizienzen, moderatere Einstiegspreise sowie eine geringere Abhängigkeit von Fremdkapital“, sagt er. Der aktuelle Preqin Investor Outlook bestätigt diese Einschätzung und benennt kleinere und mittlere Übernahmen ausdrücklich als einen der zentralen Investitionsschwerpunkte für 2026.

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Den übergeordneten Wandel in der Branche beschreibt Harrington so: Der Fokus der Investoren verlagere sich „von Multiplikator-getriebenem Wachstum hin zu operativer Wertschöpfung, Resilienz und fundamentaler Substanz“. Das Modell, das jahrelang funktioniert hat, trägt alleine nicht mehr.

Was zählt, wenn die Bedingungen nicht mehr helfen

Private Equity steht vor einer Bewährungsprobe, die der Sektor in dieser Form noch nicht kannte. Die vergangenen zwei Jahrzehnte boten günstige Rahmenbedingungen: niedrige Zinsen, steigende Bewertungen, offene Verkaufsfenster. Wer in diesem Umfeld investierte, musste nicht besonders gut sein, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Das stimmt heute nicht mehr. Harrington bringt es so auf den Punkt: „Das aktuelle Marktumfeld ist von einer deutlich höheren Vorsicht und Selektivität geprägt als in den vergangenen Jahren.“

Wer die Branche beobachtet, erkennt darin keine vorübergehende Delle. Der Markt sortiert sich neu. Welche Manager dabei übrig bleiben, wird sich in den nächsten Jahren zeigen – nicht in Präsentationen, sondern in dem, was sie tatsächlich an ihre Investoren zurückzahlen.