Private-Equity-Fonds für Partner

Die ungewöhnliche Belohnung bei Goldman Sachs

Goldman hat den Fonds mit dem Namen ’Bridge Street’ wieder für die Führungskräfte zugänglich gemacht. Dessen Fondsanteile waren Mitarbeitern zur Zeichnung erstmals 1999 angeboten worden.

Damals war Goldman noch eine Gesellschaft im Eigentum ihrer Partner und nicht an der Börse notiert. Bridge Street wurde 2011 wiederbelebt. Im laufenden Jahr hat der Fonds mehr als 120 Millionen Dollar eingesammelt. Mehr als die Hälfte der Partner beteiligten sich daran.

Private Equity Fonds, die den Mitarbeitern offenstehen, sind einer der Trümpfe, mit denen Goldman Sachs für Neid bei Konkurrenten an der Wall Street sorgt.

Lloyd Blankfein, der Vorstandsvorsitzende, erhielt in den vergangenen fünf Jahren Fonds-Ausschüttungen in Höhe von 125,9 Millionen Dollar, zeigen Mitteilungen an die Börsenaufsicht. Der Betrag übersteigt die Summe der Gehaltszahlungen und Boni, die Blankfein in diesem Zeitraum erhielt.

“Es steht im Einklang mit der DNA, die Goldmans Vergangenheit verkörpert, und jener DNA, die sie auch künftig weitertragen wollen”, sagte Alan Johnson, Gründer der in New York ansässigen Vergütungsberatung Johnson Associates. “Die großen Banken zahlen nicht mehr höhere Gehälter als alle anderen, sie sind nicht mehr die alles beherrschenden Zampanos, deshalb müssen sie kreativer werden”.

Andrea Raphael, Sprecherin von Goldman Sachs, lehnte einen Kommentar ab.

Goldman Sachs hatte den Bridge Street Fonds bis 2000 angeboten, bevor sie das Modell aufgaben und den Angestellten stattdessen die Möglichkeit boten, in bestimmte Private Equity und Kreditfonds, die die Bank für Kunden initiiert hatte, zu investieren. Ein Beispiel dafür ist der 2007 geschaffene GS Capital Partners VI Fonds.

In den Jahren 2009 und 2010 bot die Bank ihren Angestellten keinerlei Fonds an. Hintergrund war die Kritik an der Vergütungspraxis im Finanzsektor im Nachgang der Finanzkrise. Auch die sogenannte ’Volcker Rule’, die als Teil der Dodd-Frank-Gesetzgebung verabschiedet wurde, bestimmte eine Obergrenze für die Beträge, die Banken in ihre Private Equity Fonds investieren durften.

Nachdem Goldman die Fondsanteile durch Investments in Gesellschaften ersetzt hatte, die ausschließlich mit eigenem Geld unterlegt waren, kehrte die Bank wieder zum Angebot zurück, ihren Mitarbeitern eigenständige Fonds anzubieten.

Neben dem ’Bridge Street’ Fonds hat die in New York ansässige Bank in diesem Jahr auch den ’Stone Street’-Fonds wieder aktiviert. Der Fonds war mehr als 2.000 Direktoren der Bank angeboten worden, die in der Hierarchie eine Ebene unter den Partnern stehen.

Dieser Fonds hat im laufenden Jahr mindestens 57 Millionen Dollar eingesammelt. Die Gesamtsumme, die Mitarbeiter im laufenden Jahr aufgewendet haben, beläuft sich damit auf über 178 Millionen Dollar, mehr als das Dreifache gegenüber 2011, zeigen die Mitteilungen an die Börsenaufsicht.

Die beiden Fonds werden von der Merchant Banking Sparte von Goldman Sachs betreut. Der Sparte steht Richard Friedman vor, der auch die Kundenfonds der Bank steuert. Die Bank erhebt von ihren Partnern in der Regel keine Verwaltungs- oder Performancegebühren.

Die Mitarbeiterfonds sind Anlaß für die Frage nach Interessenkonflikten, wie sie sich auch bei den von der Bank getätigten Investments ergeben. Die Bank hat die Kriterien nicht offengelegt, die sie der Entscheidung zugrunde legt, ob sie Kundengelder in ein Unternehmen investiert, eigenes Kapital oder Gelder ihrer Mitarbeiter.

“Der negative Aspekt dieser Dinge berührt die Sorge der Kunden, dass sie sich die Filetstücke selbst vorbehalten”, sagte Johnson. “Deshalb muss man vorsichtig sein und die Kunden wissen lassen, dass Kunden entweder zuerst zum Zug kommen oder im Gleichschritt an den Deals teilhaben - und dass wir nicht vor den Kunden dran sind.”

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