Aktualisiert am 22.07.2008 - 16:50 UhrLesedauer: 3 Minuten

Private Equity - Geldregen trotz Krise

Private Equity - Geldregen trotz Krise
Die Kreditkrise hat Rekord-Übernahmen durch Private-Equity- Fonds jäh gestoppt. Trotzdem verdienen clevere Private- Equity-Manager glänzend an ihr

 „Heuschrecken holen sich blutige Nasen“, „Vom Jäger zum Gejagten“, „Barbaren in der Gruft“ – die Schlagzeilen der internationalen Wirtschaftspresse zeigen, was sich binnen zwölf Monaten ändern kann. Noch vor Jahresfrist jubelten die Blätter über einen Mega-Deal nach dem anderen und spekulierten über die erste 100-Milliarden-Dollar-Übernahme durch Private-Equity-Inves toren.
Sie feierten im ersten Halbjahr 2007 neun der zehn größten Akquisitionen aller Zeiten und den Börsengang des Private- Equity-Giganten Blackstone. Doch dann war es plötzlich vorbei mit schon zur Routine gewordenen Superlativen und mit den schuldenfinanzierten Übernahmen großer Unternehmen, den Leveraged Buy-outs (LBOs).
„Das alte Buy-out-Modell lässt sich aktuell nicht mehr aufrechterhalten“, sagt Josh Lerner, Professor an der Harvard Business School und einer der renommiertesten Private-Equity-Experten der USA, „denn es ist viel schwieriger, eine Übernahme zu finanzieren.“ Finanzierten Banken noch im ersten Halbjahr 2007 jede noch so große Transaktion zu günstigsten Bedingungen, gibt es nun fast keine Kredite mehr für Übernahmen.

Rekord-Fonds fehlen Übernahmeziele

Das Dilemma der auf große Buy-outs spezialisierten Häuser: Investoren stecken Rekordsummen in ihre Fonds, diese können das Geld aber nicht mehr in Rekord-Deals stecken. Per Buy-out haben sich Private-Equity-Fonds im ersten Quartal 2008 für knapp 58 Milliarden Dollar in Unternehmen eingekauft – ein Rückgang um gut 70 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, meldet der Datenanbieter Mergermarket. Doch das heißt nicht, dass der Markt tot wäre. Andere Segmente des Beteiligungsmarkts, etwa mittelgroße Transaktionen, Mittelstandsfinanzierungen und die Vergabe von Risikokapital, leiden bei weitem nicht so stark unter der Finanzkrise.

„Sie erfinden sich gerade neu“

Darüber hinaus sind die „smarten Buyout Boys“ („Washington Post“) der großen Häuser längst dabei, neue Renditequellen zu erschließen. Zum einen suchen sie zunehmend außerhalb der USA und Europas nach Übernahmezielen. Zum anderen gehen sie ganz neue Wege: „Es ist klar, dass sie sich gerade neu erfinden“, sagt Lerner. Zunehmend kaufen die großen Fonds den Banken Kredite ab, die denen zu risikoreich geworden sind; häufig just jene Kredite, die Beteiligungsgesellschaften den von ihnen übernommenen Firmen aufgebürdet haben. „Das Spiel der Stunde ist, die eigenen Schulden unter dem Nennwert zu kaufen“, sagt David Rubinstein, Gründer der Carlyle Group. Die in der Branche unter dem Schlagwort „double cropping“ („doppelt ernten“) bekannte Strategie ist eine besonders elegante Art, von den Mega- Deals vergangener Tage ein weiteres Mal zu profitieren.
So hat die Citigroup Kredite in Höhe von 12 Milliarden Dollar aus dem Buy-out von Harrah’s Entertainment durch Apollo und TPG sowie aus der Übernahme des texanischen Energieriesen TXU durch TPG und KKR an Apollo, Blackstone und TPG verkauft und – besonderes Bonbon dieser Geschäfte – den Kauf selbst finanziert. Rubinstein: „Ich kaufe einer Bank die Schulden meines eigenen Deals ab und lasse das Ganze auch noch von der gleichen Bank finanzieren.“
Die Banken verringern mit dem Geschäft ihr Risiko – die Hälfte aller LBO-Kredite gilt als gefährdet – und sind im Gegenzug bereit, Abschläge von 10 Prozent auf den Nennwert der Kredite hinzunehmen. Weil der günstige Einkauf über neue Kredite gehebelt wird, lassen sich mit ihm bis zu 20 Prozent Rendite erzielen. Die Washington Post kommentiert: „Eine solche Transaktion ist nicht so sexy wie der erste 100-Milliarden-Buy-out, aber, hey, die Kosten lassen sich so verdienen.“ Steffen Meister, Chef der Schweizer Partners Group, ist sicher: „Das Deal-Volumen wird sich hier deutlich erhöhen.“ Als sicher gilt Branchenkennern überdies, dass auch das klassische Geschäft irgendwann wieder blühen wird. Veteranen im Private-Equity-Geschäft begreifen die Flaute ohnehin als Chance. Krisen seien das, „was die Industrie gesund hält“, sagt etwa Blackstone-Präsident Tony James, seit 30 Jahren im Geschäft. Und auch die Partner von Clayton, Dubilier & Rice, eine der ältesten Buy-out-Boutiquen der USA, geben sich in ihrem jüngsten Brief an die Investoren zuversichtlich: „Wenn der Wind nicht weht“, schreiben sie, „nehmen wir halt die Ruder.“

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