Wolfgang Kraus, Rödl & Partner

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Private-Equity-Studie: Grashüpfer für den Mittelstand

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„Die Aufnahme von Beteiligungskapital entwickelt sich zu einer der bedeutendsten Alternativen für die Mittelstandsfinanzierung", erklärt Wolfgang Kraus, Geschäftsführender Partner des internationalen Beratungs- und Prüfungsunternehmens Rödl & Partner. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, für die rund 300 in Deutschland tätige Beteiligungsgesellschaften befragt wurden, die vorwiegend in mittelständische Unternehmen investieren. Mittelständische Unternehmer stehen Finanzinvestoren heute viel offener gegenüber. Außerdem treibt die restriktive Kreditvergabe der Banken die Mittelständer geradezu in die Arme der Finanzinvestoren, ergänzt Björn Stübiger, Leiter der Studie. Im Interessenfokus der Finanzinvestoren stehen demnach Unternehmen aus der Umwelttechnologie, Medizintechnik, Pharma und Biotechnologie. Aber auch der Maschinen- und Anlagenbau, Telekommunikation und Elektrotechnik werden als attraktiv bewertet. Bau, Handwerk, Textil, Nahrungs- und Genussmittel, der Handel sowie der Fahrzeugbau gelten bei Investoren dagegen als eher uninteressant. Zwar verschärfe die Finanzkrise die Finanzierungsbedingungen für die mittelständische Wirtschaft und die Beteiligungsbranche. Trotzdem rechnen die meisten der befragten Beteiligungsgesellschaften damit, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. So sind unverändert ausreichend freie Investitionsmittel vorhanden, um den Eigenkapitalbedarf der Wirtschaft zu bedienen. 58 Prozent der befragten Unternehmen planen drei bis fünf neue Engagements in diesem Jahr. Starkes Nord-Süd-Gefälle bei Investitionsstandorten Bei der Gewichtung der fünf stärksten Investitionsstandorte ergibt sich ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Bayern gilt bei Finanzinvestoren als attraktivster Standort (34 Prozent), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (27 Prozent) und Baden-Württemberg (22 Prozent). In Ostdeutschland kann lediglich der Wirtschaftsraum Berlin mit 7 Prozent punkten. Die norddeutschen Bundesländer rangieren ausnahmslos am Ende des Ranking. Hinsichtlich der Reputation der Private-Equity-Industrie sieht die Branche einen dringenden Handlungsbedarf. „Wenn es der Beteiligungsbranche gelingt, ihr Image zu verbessern, werden Private-Equity-Investitionen bald eine ganz normale Finanzierungsform sein“, hofft Kraus. „Aus den Heuschrecken werden dann langsam zahme Grashüpfer, die die Wirtschaft beleben“.

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