Harte Vorwürfe gegen Premiumcircle-Geschäftsführer
Ein Branchenkenner, mit dem DAS INVESTMENT exklusiv sprechen konnte, nimmt Gorr und sein Unternehmen selbst ins Visier. Der PKV-Anbieter, bei dem dieser Versicherungsnehmer sein soll und mit dem er sich im Rechtsstreit befindet, komme im Vergleichsrechner von Premiumcircle auffallend schlecht weg. Er bezeichnet das Geschäftsmodell als „Erpressung“.
So bemängelt er, dass die Software des Hauses nur vermeintliche Premium-Tarife bewertet, nicht jedoch die komplette Palette des Marktes. „Die Anbieter der Premium-Tarife gehen dabei zusammen mit dem Software-Anbieter auf Veranstaltungen, wo die gegenseitige Vorteilhaftigkeit gegen Eintrittsgeld an Versicherungsvermittler verkauft wird.“ Gorr selbst beantwortete eine Anfrage unserer Redaktion dazu nicht.
Vier Veröffentlichungen contra PKV in einer Woche
Die Rolle von Gorr in der Medienoffensive contra PKV bleibt derweil unklar. Was aber auffällt, ist die zeitliche Nähe der Veröffentlichungen. Am 25. März präsentierte Premiumcircle auf seiner Website die Studienergebnisse. Zwei Tage zuvor erschien bereits der „Spiegel“-Artikel, am selben Tag der „Frontal“-Beitrag. Die Redaktionen müssen die Ergebnisse also bereits vorab erhalten haben.
Warum Premiumcircle so verfuhr und welchen Anteil man damit am Zustandekommen der Berichterstattung hatte, wollte DAS INVESTMENT von Gorr wissen. Auch diese Anfrage ließ er unbeantwortet. Er hatte zuvor seine Sicht auf die PKV in einem Interview mit unserer Redaktion dargestellt.
Die Frage nach einem Zusammenhang stellt sich auch deshalb, weil mit der „Finanztip“-Befragung nicht nur in der gleichen Woche die nächste Veröffentlichung mit Premiumcircle-Beteiligung und negativer Botschaft in Sachen PKV erfolgte, sondern auch weil auf die Zusammenarbeit beziehungsweise Mitwirkung von Premiumcircle in der Presseveröffentlichung von „Finanztip“ gar nicht erst hingewiesen wurde.
„Finanztip“ sieht Hinweis auf Premiumcircle als ausreichend an
Warum dies unterblieb, beantwortet der Sprecher des Verbraucherportals gegenüber unserer Redaktion ausweichend. Er sagt: „Wir haben von Anfang transparent kommuniziert, dass der Brancheninformationsdienst Premiumcrcle Anteil an der Befragung hatte. Premiumcircle hat 25 Fragen zugeliefert, von denen wir zehn ausgewählt haben.“ Man habe die Öffentlichkeit informiert. Doch erfolgte diese Information laut Sprecher in einem Newsletter am 28. Februar und über Social-Media-Posts. Wer den nicht abonniert hat oder „Finanztip“ in den sozialen Medien verfolgt, erfuhr davon jedoch nichts.
Ob Premiumcircle Einfluss auf den Veröffentlichungszeitpunkt der „Finanztip“-Befragung hatte oder es hierzu Absprachen gab, beantwortetet der Sprecher so: „Die Veröffentlichung der Umfrageergebnisse erfolgte zum frühestmöglichen Zeitpunkt nach Abschluss der Ergebnisauswertung (...). Unser Ziel war es, mit der Publikation der Umfrageergebnisse schnellstmöglich auf das Verbraucherproblem der nicht erstatteten Leistungen von den befragten PKV-Versicherten aufmerksam zu machen.“
Zur Rolle des Beratungsunternehmens bei der Befragung und zur Geschäftsbeziehung zu „Finanztip“ sagt dessen Sprecher: „Finanztip ist Lizenznehmer der Software von Premiumcircle. Wir nutzen den Informationsdienst als eine von vielen Datenquellen für Versicherungsleistungen.
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Zufallsergebnis: Scharfe Kritik an Umfrage durch PKV-Verband
Der von DAS INVESTMENT befragte PKV-Verband, der sich dieser Tage im ständigen Abwehrkampf befindet, wollte die Frage nach einer womöglich gezielten Kampagne gegen die eigene Sparte nicht beantworten. Dabei ist bekannt, dass der Verband auf Premiumcircle schon in der Vergangenheit nicht gut zu sprechen war. Schon 2019 bezeichnete man eine Untersuchung des Unternehmens als „realitätsfern“.
Klar ist, dass die Lobbyisten auch die aktuelle „Finanztip“-Befragung für nicht seriös halten. PKV-Sprecher Stefan Reker sagt gegenüber DAS INVESTMENT und in einem auf der eigenen Website veröffentlichten Statement: „Die von Finanztip verbreitete Befragung ist keine repräsentative Umfrage, sondern das Zufallsergebnis der Online-Aktion eines kommerziellen Beratungsunternehmens, was in der Pressemitteilung von Finanztip nicht offengelegt wird. Der oberflächliche Fragenkatalog ergibt keine relevanten Daten zur Rechnungserstattung in der Privaten Krankenversicherung.“
Neben der Methodenkritik, also ganz offensichtlich auch eine Anspielung auf Premiumcircle.
Eigene Befragungsergebnisse sollen PKV-Zufriedenheit belegen
Reker weiter: Die Erstattung von Arztrechnungen in der PKV erfolge in aller Regel reibungslos. 2024 habe es nur in 0,001 Prozent der Fälle Eingaben beim PKV-Ombudsmann gegeben. Dazu muss man wissen: Die Ombudsstelle wird vom PKV-Verband finanziert, bezeichnet sich aber als unabhängig. Von insgesamt 6.891 Eingaben habe es 1.245 Fälle zu Gebührenstreitigkeiten und zur medizinischen Notwendigkeit von Behandlungen gegeben.
Selbst wenn man alle Beschwerden bei der Bafin hinzuzähle (729 im Jahr 2023), betrage die Beschwerdequote nur 0,002 Prozent. „Nach einer Schätzung des PKV-Verbands gab es 2024 zudem circa 720 Klageverfahren von Privatversicherten zu Leistungsfragen. Selbst bei einer Addition aller drei Daten ergäbe sich eine Beschwerdequote von insgesamt nur 0,004 Prozent.“
Die Frage unserer Redaktion, ob der PKV-Verband Vergleichswerte zur kritisierten „Finanztip“-Befragung vorweisen kann, beantwortet dieser nicht. Stattdessen verweist man derweil erneut auf eine eigens beauftragte, repräsentative Umfrage des Marktforschungsunternehmens Allensbach-Institut von Ende 2024. Sie habe eine explizite Zufriedenheit der Privatversicherten mit der eigenen Krankenversicherung in Höhe von 94,6 Prozent ergeben.
Über „Finanztip“
„Finanztip“ ist ein Geldratgeber und Verbraucherportal mit Artikeln zu Verbraucher- und Finanzthemen. Kritik daran kommt vor allem von Maklern aus der Finanz- und Versicherungswirtschaft. Moniert wird immer wieder die Finanzierung über Affiliate-Links. Diese sei demnach für die Nutzer nicht transparent genug dargestellt. Zudem wird kritisiert, dass „Finanztip“ unter anderem auch die großen Vergleichsportale Check24 und Verivox empfiehlt.