Private Krankenversicherung (PKV) Gemischter Ausblick für die PKV

Gerhard Reichl, Assekurata

Die Zahl der Verträge für eine private Krankenversicherung (PKV) wächst nach wie vor nur in der Kundengruppe der deutschen Beamten, Soldaten und Richter sowie deren Kinder und Ehepartner: Der Nettozuwachs im Beihilfegeschäft steigerte sich zwischen dem 1. Januar und 31. Dezember 2019 nach ersten Erkenntnissen von 0,9 Prozent im Vorjahr auf jetzt 1,5 Prozent. Allerdings verzeichnen die Versicherungsgesellschaften im übrigen Normalgeschäft voraussichtlich einen Bestandsverlust von 1,6 Prozent, nach -1,3 Prozent 2018. Das berichtete jetzt die auf die deutsche Versicherungsbranche spezialisierte Rating-Agentur Assekurata aus Köln.

Beihilfeempfänger sind in der Überzahl

„Dies unterstreicht den langjährigen Trend, wonach Beihilfeberechtigte bereits seit 2014 mit rund 55 Prozent den Großteil des jährlichen Neuzugangs aus der Gesetzlichen Krankenversicherung ausmachen“, sagt Gerhard Reichl „Seit 2018 sind sie auch bestandsmäßig in der Überzahl“, so der Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata weiter. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 stieg ihr Anteil von 50,3 auf rund 51 Prozent. Nach Einschätzung von Assekurata dürfte diese Entwicklung auch in naher Zukunft anhalten, da durch die Corona- Pandemie zumindest im Normalgeschäft nicht von einem steigenden Neugeschäft auszugehen sei.

Negative Aussicht für Vollversicherung

Gestützt werde Reichls skeptischer Blick in die Zukunft durch die Ergebnisse einer Assekurata-Umfrage im Frühjahr. Hieran teilgenommen haben elf private Krankenversicherer, die nach vollversicherten Personen knapp die Hälfte des deutschen PKV-Marktes ausmachen. Nur ein einziger Anbieter bewertete die aktuelle Geschäftslage in der Vollversicherung demnach positiv. Ähnlich düster beurteilen die befragten Verantwortlichen der Versicherungsbranche die künftigen Geschäftserwartungen in diesem Geschäftszweig. Lediglich zwei Unternehmensvertreter gaben an, die zukünftigen Marktchancen hier positiv einzuschätzen.

Grafik: ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH 

Hoffnungsschimmer Zusatzversicherung

Insgesamt beurteilen die Gesellschaften den Krankenversicherungsmarkt aktuell und künftig allerdings leicht positiv. Das liegt laut Assekurata vor allem an der Zusatzversicherung. In diesem Geschäftsfeld verbuchte die Branche 2019 nach Verträgen insgesamt ein Plus von 2,1 Prozent. Die leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (2,0 Prozent) sei vorwiegend auf das Wachstum der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) zurückzuführen, die branchenweit um 16,6 Prozent zulegen konnte. Ohne dieses Segment hätte die Zuwachsrate sowohl 2019 als auch 2018 nur bei jeweils 1,7 Prozent gelegen.

Zurückhaltung bei Pflegezusatz-Policen

Die private Pflegezusatzversicherung habe mit einem geschätzten Nettozuwachs von rund 110.000 Verträgen zwar gegenüber dem Vorjahr (93.200) leicht zugelegt. Doch damit bleibe man weiterhin deutlich unter dem Niveau der Jahre vor 2017, also vor dem zweiten Pflegestärkungsgesetz. Ursächlich für die Zurückhaltung bei der Pflegezusatzversicherung seien nach Assekurata-Meinung die Beitragsanpassungen der vergangenen Jahre. Die Bestandsbeiträge der analysierten Krankenversicherer stiegen zu Jahresbeginn im Durchschnitt um 11,5 Prozent. Bereits 2017 hatten sie sich um 9,8 Prozent erhöht.

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