Morgen & Morgen (M&M) hat auch in diesem Jahr die Beitragsstabilität der Anbieter von Krankenvollversicherungen untersucht. Für das Rating„ PKV Beitragsstabilität 2025“ kommen 1.118 Tarifkombinationen in der Vollversicherung für alle Berufsgruppen, auch Ärzte und Zahnmediziner, von 29 Anbietern der Privaten Krankenversicherung (PKV) auf den Prüfstand.
So funktioniert die Methodik
Untersucht werden alle Tarifkombinationen, bei denen Neugeschäftsbeiträge in den Jahren 2020 bis 2025 vorhanden und für die das Eintrittsalter 21 bis einschließlich 50 Jahre erlaubt sind. Beihilfe-Tarife werden nicht berücksichtigt. Die Neugeschäftsbeiträge und Beitragsanpassungen (BAP) der untersuchten Unisex-Tarife innerhalb dieses Zeitraums werden zu einer Bewertung pro Tarifkombination aggregiert. Erfasst werden alle Beitragsanpassungen in den Tarifen für alle Eintrittsalter.
Dennoch fehlen mit der Provinzial und Württembergischen zwei namhafte Anbieter in der Untersuchung. Konkrete Hintergründe dazu nennt das Analysehaus nicht.
M&M berücksichtigt neben der Entwicklung der Prämien auch die Veränderungen bei den Selbstbehalten. Sofern vorhanden, werden diese auf die Beiträge aufgeschlagen und die so ermittelten Effektivbeiträge herangezogen. Schließlich berechnet M&M pro Tarif aus den fünf durchschnittlichen Anpassungen der Effektivbeiträge den Mittelwert und die Standardabweichung. „Eine gute Beitragsstabilität ergibt sich, wenn die durchschnittliche Beitragssteigerung gering ist und die Streuung der Steigerungen ebenfalls gering ist“, so M&M.
Die Analysten haben in diesem Jahr die Benchmarks für die Sterne-Klassifizierung erneut um 0,5 Prozentpunkte erhöht. Als Hintergrund wird neben medizinischem Fortschritt, Bestandsalterung und turbulenten Kapitalmärkten auch die hohe Inflation genannt. Um fünf Sterne zu erhalten, durften die durchschnittlichen Erhöhungen höchstens zwei Prozent betragen und die Standardabweichung musste unter vier Prozent liegen. Weitere Hinweise zur Methodik gibt es in der die Ratingdokumentation.
Beitragsanpassungen deutlich höher als im Vorjahr
Laut der Autoren ist die durchschnittliche Beitragsanpassung im zweiten Jahr in Folge erkennbar gestiegen. Das aktuelle Niveau der PKV-Beitragsanpassungen liegt bei 3,54 Prozent nach 2,79 Prozent im Vorjahr. Dabei variiert der Mittelwert der relativen Beitragssteigerungen im neuen Jahrgang zwischen minus 0,16 und plus 8,89 Prozent.
Die Autoren erklären dazu, dass die seit 2012 eingeführte Unisex-Tarifgeneration zunächst zu einer gewissen Entlastung geführt habe. Mit zunehmendem Alter dieser Tarife zeige sich nun jedoch ein naturgemäßer Anstieg der Beitragsanpassungen. Zu den Hauptursachen in diesem Jahr zählen allerdings nach Angaben von M&M steigende Behandlungskosten infolge des medizinischen Fortschritts, die demografische Entwicklung der Versichertenbestände sowie die anhaltenden Folgen der Niedrigzinsjahre.
GÖA-Novellierung dürfte Entwicklung verschärfen
Die zuletzt gestiegenen Zinsen böten perspektivisch Entlastung, jedoch wirkten sich Rechnungszinsabsenkungen aus den vergangenen Jahren weiterhin aus – auch 2025 können diese laut M&M in einigen Tarifen noch beitragsrelevant sein. Die geplante Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) werde zudem nach Inkrafttreten mittelfristig zu einem Anstieg der Leistungsausgaben führen und sich damit perspektivisch auch auf die Beitragshöhe auswirken. „Wir rechnen damit, dass all diese Faktoren in den kommenden Jahren für Anpassungsbedarf sorgen werden“, so Bohrmann.
Die Rating-Ergebnisse
im aktuellen Rating zur PKV-Beitragsstabilität gibt es erkennbar weniger Top-Bewertungen. Die Zahl der mit fünf Sternen ausgezeichneten Tarife sinkt binnen Jahresfrist von 187 auf 158 (14,1 Prozent), bei vier Sternen von 227 auf 211 (18,9 Prozent). Gleichzeitig legten die Drei-Sterne-Tarife leicht zu auf einen Anteil von 34,9 Prozent. Besonders auffällig ist der Sprung im unteren Segment: Die Zwei-Sterne-Klasse legt auf 236 Tarife drastisch zu (21,1 Prozent), während die Ein-Stern-Bewertungen mit 154 (13,8 Prozent) nahezu auf Vorjahresniveau verharren.
Thorsten Bohrmann, Senior Versicherungsanalyst bei M&M sagt dazu „Die diesjährige Analyse zeigt, dass es nach wie vor 369 ausgezeichnete und sehr gute Tarife gibt. Aber insgesamt findet eine Verschiebung weg von den Höchstbewertungen statt. Insbesondere der Anteil der Zwei-Sterne-Tarife steigt aktuell am stärksten an“.
Der Ottonova gelingt es als einzigem Produktgeber für alle untersuchten Tarife eine Fünf-Sterne-Bewertung erhalten. Betrachtet man die Spanne der Ratingergebnisse, die die verschiedenen Tarifkombinationen eines Anbieters erreichen, so zeigen sich ansonsten riesige Unterschiede zwischen den einzelnen PKV-Anbietern.
Welche Anbieter besonders viele Top-Tarife haben
Einigen Versicherern gelingt es mit einer enorm hohen Zahl an Tarifkombinationen in der Top-Bewertungsklasse zu landen. Ganz vorn liegt hier die Condordia mit 25 Produkten, die fünf Sterne erhalten. Auf 23 Offerten kommen hier die Bayerische Beamtenkrankenkasse und die Union Krankenversicherung. Insgesamt 16 Anbieter sind mit mindestens einer Offerte vertreten. Eher hohe Beitragsanpassungen und damit nur Ein-Sterne-Bewertungen gibt es mit Abstand am häufigsten bei der Barmenia.
Die gesamte Ergebnisübersicht gibt es hier.
Das sagt der Experte zum Rating
Walter Benda, Makler und Branchenbeobachter, hat fundamentale Kritik an der Methodik des Ratings. Er sagt: „Untersucht werden im Rating nur die Neugeschäftsbeiträge. Aber diese haben auf den Bestand keine klar ableitbare Aussagekraft. Die spannenden Beiträge, nämlich die der Bestandsversicherten, bleiben ein Mysterium.“
Sie ließen sich zudem nicht in einer Kennzahl zusammenfassen, denn ein 30-, 50- oder 70-jähriger Versicherter hätten im gleichen Tarif völlig unterschiedliche Versichertenzeitpunkte und Verläufe. Eine gemeinsame Kennzahl sei daher nicht sinnvoll und bringe dem Vermittler für seine Arbeit effektiv nichts.


