Pro & Contra Goldminenaktien: Glänzende Renditetreiber oder mit Vollgas in den Abgrund?

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Contra: Stefan Duchateau, Berater des PTAM Global Allocation UI

Stefan Duchateau, Foto: Wim Kempenaers

„Weder Gold noch Minenaktien können eine Absicherung bieten“

Seit Jahrtausenden setzen eingefleischte Anhänger auf Gold als Wertanlage. Obwohl man die wichtige Rolle, die Gold im Altertum gespielt hat, nicht ignorieren kann, stellt sich die Frage, ob das glänzende Metall mit modernen Investmentpraktiken überhaupt vereinbar ist. Denn wissenschaftlich betrachtet gehört das Festhalten an Gold eher in die Kategorie der Investment-Folklore und des Aberglaubens.

Natürlich könnte man Bücher damit füllen, wie man sein Vermögen mit Gold vor Krieg, Hyperinflation oder systemischen Risiken schützen kann. Tatsächlich hängt die Gefahr einer erneuten Bankenkrise noch immer wie eine dunkle Wolke über den Märkten. Zu frisch sind die Erinnerungen an das Versagen der Finanzmarkt-Kontrolleure im Vorfeld der jüngsten großen Finanzkrise. Sollte es allerdings tatsächlich zum Zusammenbruch des Finanzsystems kommen, würde ausgerechnet Gold vermutlich keinen Schutz bieten.

Dann nämlich wäre eine ultraexpansive Geldpolitik gefordert. Und um diese zu unterstützen, würde der Staat das Edelmetall voraussichtlich konfiszieren oder den Handel damit verbieten, so wie es die Notenbank der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre des letzten Jahrtausends getan hat.

Selbstverständlich steht es jedem Investor frei, sich gegen extreme Risiken an den Finanzmärkten abzusichern, sei es nun mit Gold, Lithium, Kreditderivaten oder Put-Optionen. Jede dieser Versicherungen hat ihren Preis, und es stellt sich immer die Frage, ob die Kosten gerechtfertigt sind. Schaut man sich die langfristige Wertentwicklung des Goldes unter diesem Aspekt einmal näher an, ergibt sich folgendes Bild: Die Kaufkraft eines Dollars aus dem Jahr 1802 entspricht heute nominal rund 20 Dollar. Der Wert eines Dollars in Gold wäre im gleichen Zeitraum auf über 50 Dollar gestiegen.

Dies legt den Schluss nahe, dass Gold tatsächlich als Schutz gegen Inflation dienen kann. Doch ein breit diversifiziertes Aktienportfolio erledigt diesen Job weitaus besser: Aus einem Dollar, der 1802 in den US-Aktienmarkt investiert wurde, wären bis heute atemberaubende 12 Millionen Dollar geworden – die laufende Wiederanlage der Dividenden vorausgesetzt.

Kritiker werden einwenden, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts niemand vorhersehen konnte, dass sich der US-Aktienmarkt zum stärksten der Welt entwickeln würde. Das gleiche Investment in Japan, Argentinien oder Deutschland hätte im gleichen Zeitverlauf eine weitaus schlechtere Rendite ergeben. Doch objektiv gesehen gilt: Ein breit diversifiziertes weltweites Aktienportfolio, stets korrekt gewichtet nach der relativen Stärke der Volkswirtschaften, hätte von 1802 bis heute annähernd das gleiche Ergebnis gebracht wie das Investment in den US-Aktienmarkt – selbst dann, wenn man die Inflation und Währungsschwankungen berücksichtigt.

Beim Gold hat man es mit einer beinahe religiösen Angelegenheit zu tun. Deshalb ist eine rationale Schlussfolgerung bei diesem Thema immer schwierig. Wer glaubt, die Welt so wie wir sie kennen, stehe aufgrund von militärischen Konflikten, Hyperinflation oder eines Kollapses des Finanzsystems vor dem Ende, der ist auch geneigt, Gold als letzte Rettung anzusehen.

Wer jedoch von der Stärke der Börse und der langfristigen Stabilität der Weltwirtschaft überzeugt ist, für den ist das glänzende Edelmetall ein unzulängliches Investment. Nicht nur ein breit gestreutes Aktienportfolio, auch ein ausbalanciertes Mischportfolio ist der Goldanlage überlegen, denn selbst Anleihen bieten auf lange Frist eine erstaunliche Outperformance.

Wenn reines Gold schon nicht zur Krisensicherung taugt, dann bieten Goldminenaktien erst recht keine Sicherheit. Sie sind im Gegenteil hochspekulative Investments. Ihr Kurs schwankt deutlich stärker als der Goldpreis selbst, da der wirtschaftliche Erfolg der Minenunternehmen von weit mehr abhängt als nur der Notierung des Edelmetalls. Anleger sollten um diese riskanten Investments einen weiten Bogen machen.

 

Aktuelle Hintergrundartikel zum Thema:

Gold und Minen: Nach dem Einbruch jetzt der Rebound (Handelszeitung.ch vom 8.Mai 2017)

Bereitet die Fed dem Goldpreisanstieg ein Ende? (cash.ch vom 3. Mai 2017)

Die fünf größten Goldminen der Welt (Wallstreet Online vom 3. Mai 2017)

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