James Bannan (links), Partner Coeli Asset Management und Manager des Coeli Frontier Markets versus Jalil Rasheed, Manager des Invesco Asean Equity Fund

James Bannan (links), Partner Coeli Asset Management und Manager des Coeli Frontier Markets versus Jalil Rasheed, Manager des Invesco Asean Equity Fund

Pro & Contra Börse Vietnam: Wachstum pur oder Sammelbecken schlecht geführter Staatsfirmen?

In der Jahren 2006 und 2007 herrschte an der vietnamesischen Börse Goldgräberstimmung. Vor allem deutsche Anleger kauften, was das Zeug hielt – und konnten bei günstigem Timing ihre Investments in kürzester Zeit verdoppeln oder verdreifachen. Doch nach der Finanzkrise ging plötzlich nichts mehr: Während Asean-Fonds in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt ein Plus von 190 Prozent erzielten, rutschte der einzige in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Vietnam-Fonds, der DB X-Trackers Vietnam, um mehr als 30 Prozent ins Minus.

Seit Jahresbeginn zeichnet sich jedoch eine Trendwende ab, und die Anlageempfehlungen häufen sich. Aus gutem Grund, meint James Bannan. Der Partner der schwedischen Investmentboutique Coeli Asset Management und Manager des Coeli Frontier Markets sieht in Vietnam einen der langfristig interessantesten Aktienmärkte der aufstrebenden Schwellenländer. Sein Urteil hat durchaus Gewicht: Zusammen mit seinem Co-Manager Hans-Henrik Skov betreute Bannan bis Februar 2014 einen den erfolgreichsten Schwellenländerfonds der vergangenen Jahre, den Bankinvest New Emerging Markets Equities. Alles andere als überzeugt ist dagegen Jalil Rasheed, der Anfang des Monats den Invesco Asean Equity Fund übernommen hat. Sein Fazit: Hände weg. DER FONDS stellt beide Positionen gegenüber.

Pro: James Bannan, Partner Coeli Asset Management und Manager des Coeli Frontier Markets

„Die Nachfrage aus dem Mittelstand wird über kurz oder lang explodieren“

Vietnam ist ein klassisches Schwellenland in einem sehr frühen Stadium – das macht diesen Markt für langfristige Investoren ausgesprochen attraktiv. Mehr als 60 Prozent der 90 Millionen Einwohner sind jünger als 35 Jahre, die Produktivität steigt kontinuierlich und die Arbeitslöhne liegen nur ein Drittel so hoch wie in China. Deshalb ist es kein Wunder, dass ausländische Firmen seit 2009 rund 40 Milliarden US-Dollar in Vietnam investiert haben. Diese Direktinvestitionen tragen wesentlich dazu bei, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Wirtschaft des Landes auf eine breitere Basis zu stellen.

Zudem hat die Regierung in den vergangenen Jahren sehr gute Arbeit darin geleistet, die Zahlungsbilanz zu verbessern und damit die Währung zu stabilisieren. Zwar kommt die angestrebte Privatisierung ehemals staatlicher Betriebe nach wie vor eher schleppend voran. Der langfristigen Investment-Story tut dies jedoch keinen Abbruch.

Zwischen 1990 und 2013 ist das Bruttoinlandsprodukt von 600 Dollar pro Kopf auf 3.900 Dollar gestiegen. Dadurch hat sich die Zahl der Einwohner, die der Mittelklasse zuzurechnen sind, in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Über die daraus entstehenden Wachstumschancen bin ich natürlich hoch erfreut und verbringe viel Zeit damit, Firmen zu identifizieren, die von der über kurz oder lang explodierenden Nachfrage profitieren können.

Zum Beispiel entfallen bislang weniger als 10 Prozent aller Einzelhandelsumsätze auf Supermärkte – in stärker entwickelten Ländern sind es bis zu 80 Prozent. Wer über ein in der Mittelschicht begehrtes Produkt verfügt, daraus eine Marke zu formen versteht und auch den zu erwartenden Wandel der Vertriebswege meistert, dem werden sich im Laufe der kommenden Jahre fantastische Möglichkeiten eröffnen.

Fragen Sie die typische vietnamesische Mittelstands-Mutter!

Ein großartiges Beispiel liefert die Molkerei-Industrie. Im Durchschnitt verbraucht jeder Vietnamese lediglich 15 Liter Milch pro Jahr, das ist einer der niedrigsten Werte weltweit. Thailand etwa kommt auf einen Pro-Kopf-Verbrauch von 28 Liter pro Jahr, in China sind es 32 Liter. Nun assoziieren viele Beobachter diese Zahlen vor allem damit, dass die meisten Menschen in Südostasien generell keine Milch vertragen. Das ist jedoch ein Irrglaube. In Wahrheit hat der niedrige Konsum vor allem kulturelle Wurzeln beziehungsweise geht darauf zurück, dass es angesichts des oft tropischen Klimas kaum größere Molkereien gibt.

Fragen Sie einmal eine typische vietnamesische Mittelklasse-Mutter, ob sie ihren Kindern Milch zu trinken gibt: Sie werden kaum eine finden, die das nicht tut. Oder besuchen Sie einen Supermarkt in einer der größeren Städte: Sie werden dann sehr schnell feststellen, dass dort mindestens drei Gänge ausschließlich mit Milchprodukten bestückt sind.

Das gestiegene Bewusstsein dafür, dass Milchprodukte gesund sind, eine bessere Verfügbarkeit und die steigenden Einkommen sind Faktoren, die das Gesicht der vietnamesischen Molkerei-Industrie von Grund auf und unumkehrbar verändern werden. Ein Unternehmen, das davon enorm profitiert, ist Vietnam Dairy Products.

Der auch unter dem Namen Vinamilk bekannte Marktführer ist optimal aufgestellt, um vom strukturellen Wachstum der Branche zu profitieren: Sein Marktanteil beträgt beinahe 40 Prozent, seine Produkte sind etabliert und der Vertrieb hat eine einmalige Struktur mit mehr als 220.000 Verkaufsstellen im ganzen Land. Die daraus resultierende Preismacht ermöglicht Vinamilk eine Eigenkapitalrendite von 40 Prozent. Eine wahre Cash-Maschine – die das Unternehmen für die weitere Expansion gut gebrauchen kann!

Contra: Jalil Rasheed, Manager des Invesco Asean Equity Fund

„Wir finden in Vietnam einfach keine Qualitätsunternehmen“

Die Anlagebedingungen unseres Asean-Fonds erlauben es ausdrücklich, auch in Vietnam zu investieren. Aber wir finden dort bislang einfach keine Unternehmen, die sich durch ein solides Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Erträgen, ein kompetentes Management und eine gute Corporate Governance auszeichnen und damit unsere Qualitätsansprüche erfüllen. Viele börsennotierte Unternehmen sind ausgegliederte Staatsfirmen, die weiter mehr schlecht als recht geführt werden und Minderheitsaktionären wie uns wenig Sicherheit bieten.

Hinzu kommt, dass für die vietnamesische Börse Transaktionen mit nahestehenden Parteien, eine mangelhafte Kostenkontrolle und auf einzelne Produkte oder Branchen fokussierte Geschäftsansätze nach wie vor charakteristisch sind. Zudem mangelt es dem Aktienmarkt an Tiefe: Noch immer machen die größten zehn Unternehmen fast 85 Prozent des gesamten Marktwerts aus.

Singapur, Thailand und Malaysia: Vietnam über Bande

Der Bankensektor ist noch nicht sehr weit entwickelt und daher nicht investierbar: Die Quote der notleidenden Kredite ist sehr hoch, die Deckung für Kreditausfälle gering und die Kreditvergabe sehr lax. Angesichts des lückenhaften Regulierungsrahmens für diesen Sektor kommt der Anlegerschutz bislang viel zu kurz.

Insgesamt sehen wir Vietnam weiter als einen Private-Equity-Markt, dessen Unternehmen noch nicht bereit für die Börse sind. Es gibt bessere Möglichkeiten, dort Anlagechancen zu erschließen: nämlich indirekt über Unternehmen, die an den Börsen von Singapur, Thailand und Malaysia notiert sind und ein größeres Vietnam-Exposure haben.

Aktuelle Hintergrundartikel zum Thema:

Investoren entdecken Vietnam (Handelsblatt Online vom 12. August 2014)

Vietnamesische Aktien sind noch sehr attraktiv (Finanz und Wirtschaft vom 14. August)

Aktien-Rally in Vietnam geht an staatlich kontrollierten Unternehmen vorbei (The Malay Mail Online vom 25. August)

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