Pro Frauennetzwerke:
„Wir Frauen brauchen viel mehr Gelegenheiten, um geschäftlich zusammenzukommen“
„Beste Freundinnen sind immer füreinander da.“ „Es gibt nichts Gemütlicheres als eine Pyjama-Party mit der Freundin. Welche Frau ist nicht mit solchen Mädchenklischees aufgewachsen? Daher mag ein berufliches Netzwerk, das Frauen weiterbringt, für die meisten Mädchen und Frauen egoistisch klingen.
Jungs sind da pragmatischer. Sie haben einen Kumpel, mit dem sie zum Fußball gehen, einen, mit dem sie am Mofa herumschrauben, einen, mit dem sie die erste Zigarette rauchen, und einen, mit dem sie Mathe pauken. Der Mathe-Kumpel ist nicht beleidigt, dass es auch einen Mofa-Kumpel gibt.
Bei Mädchen ist das oft anders: Befindlichkeiten und exklusive Erwartungen sind keine Seltenheit.
Das zieht sich weiter ins Berufsleben. Schaut euch Männer an, die sich bei einem Feierabend-Getränk zusammensetzen und reden. Sie müssen nicht beste Freunde sein, aber sie wissen: Wenn wir miteinander Geschäfte machen, haben wir beide etwas davon! Pragmatisch, entspannt und ohne die Verpflichtung, füreinander einstehen zu müssen. Sie sind Geschäftsfreunde – nicht mehr, nicht weniger.
Ein solcher Pragmatismus könnte auch Frauen helfen, im Job weiterzukommen. Und doch zeigen einige Studien, dass Frauennetzwerke nicht immer positiv sein müssen. Teilweise lassen sie Frauen als schwache, förderungswürdige Wesen erscheinen. Sollte das Netzwerken etwas sein, das bei Männern als natürlich und selbstverständlich wahrgenommen wird, für das sich Frauen aber rechtfertigen müssen? Nein. Denn Netzwerke bringen Frauen sehr wohl Vorteile, wenn sie richtig gemacht sind: zukunftsorientiert statt paternalistisch, ergebnisorientiert statt symbolisch.
Gut gemachte Netzwerke bieten niederschwellige Möglichkeiten, zusammenzukommen. Sehen und Gesehenwerden, sich kennen, bereit sein, sich gegenseitig zu fördern – das ist wichtig für unser aller Karrieren.
Das Netzwerk Fondsfrauen befragt in seiner Studie seit mittlerweile zehn Jahren regelmäßig Unternehmen aus der Fondsbranche. Erstaunlich ist, dass in der jüngsten Untersuchung herauskam, dass 2024 prozentual weniger Einsteigerinnen der tatsächliche Schritt in die Finanzbranche gelang als die Jahre davor. Die Unternehmen geben dabei die mangelnde Sichtbarkeit als einen der Hauptgründe für die Nichteinstellung beziehungsweise Nichtbeförderung von Frauen an. Hier wird klar: Netzwerken ist kein Nice to have, sondern ein Muss! Die Fondsfrauen sorgen beispielsweise durch viele Veranstaltungen für eine erhöhte Sichtbarkeit ihrer Mitglieder, sodass sie im Markt wahrgenommen werden.
Ansonsten ist es in der Realität so, dass Männer die Bühnen auf Konferenzen und geschäftlichen Zusammenkünften in der Finanzbranche dominieren. Woran das liegt? Sie wissen, dass Sehen und Gesehenwerden wichtig für die Karriere ist, und sie sind neugierig, welche Kontakte und Geschäftsmöglichkeiten sich auf diesem oder jenem Event wieder bieten. Daher gehen sie einfach hin.
Wir Frauen brauchen viel mehr Gelegenheiten, um geschäftlich zusammenzukommen. Also locker rangehen, der Rest ergibt sich von allein – oder auch nicht. Dann hat man wenigstens gute Unterhaltung gehabt und die eine oder andere Neuigkeit erfahren. Es geht hier nicht darum, die beste Freundin zu treffen. Es geht darum, ein tragfähiges Netzwerk aufzubauen, nach Entwicklungsmöglichkeiten Ausschau zu halten – und dabei Spaß zu haben.
Über die Autorin

ist seit 37 Jahren in der Finanzbranche aktiv und Mit-Gründerin des Frauen-Netzwerks Fondsfrauen.