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in Gold & EdelmetalleLesedauer: 9 Minuten

Analyse Pro & Kontra: Ist Gold ein gutes Investment?

Ist Gold ein gutes Investment oder eher nicht?
Ist Gold ein gutes Investment oder eher nicht? | Foto: Midjourney

Als verantwortlicher Asset Manager bei der HAC Vermögensmanagement möchte ich die Rolle von Gold in einem gut diversifizierten Portfolio beleuchten. Gold ist wahrscheinlich das älteste Investment der Welt. Gleichzeitig ist es topaktuell. Denn vor kurzem hat der Kurs entgegen vieler Erwartungen ein neues Allzeithoch erreicht. Die Frage, ob Gold ein sinnvolles Investment darstellt, ist dennoch seit jeher Gegenstand intensiver Diskussionen. Es gibt sowohl überzeugende Argumente für als auch gegen eine Investition in das Edelmetall.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Stabilität und Diversifikation: Gold gilt als krisensicher und korreliert in Krisen wenig oder negativ mit Aktien.
  • Inflationsschutz: Schützt in der Regel vor Kaufkraftverlust in Niedrigzinsphasen.
  • Anlagebeispiele „Permanent Portfolio“ nach Browne und Allwetter-Portfolio nach Dalio: Gleichgewicht beziehungsweise Mischung aus Gold, Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Bargeld als mögliche Anlagestrategien.
  • Staatsanleihen-Ersatz: Könnte Gold die Rolle der Staatsanleihen in einem 60:40 Portfolio ersetzen?
  • Demografischer Wandel: Alternde Bevölkerung erhöht langfristig die Attraktivität von Gold.

Pro Gold: Stabilität und Diversifikation

Deutschland ist mit 3.352,7 Tonnen hinter den USA (8.133,5 Tonnen) das Land mit den zweitgrößten Goldreserven, noch vor Italien, Frankreich, Russland und China. Und das hat einen guten Grund: Gold ist eine stabile Währung, ein Wertspeicher. Als solcher hat Gold in einer Zeit mit Rekordinflation vor Kurzem ein neues Allzeithoch erreicht und wie schon in den 70er Jahren bewiesen, dass es auch in turbulenten Inflationszeiten seinen Wert halten kann.

Historisch gesehen hat sich Gold in Krisenzeiten oft als sicherer Hafen bewährt. Es stieg im Wert, wenn andere Anlageklassen an Boden verloren haben (negative Korrelation). Das bot den Anlegern Sicherheit und verlieh ihren Portfolios Stabilität. Ein wesentlicher Vorteil von Gold ist seine geringe Korrelation zu großen Aktienindizes wie dem S&P 500, vor allem in Abwärtsphasen. Das macht es zu einem wertvollen Diversifikationsinstrument. Diese Eigenschaft ist besonders für reine Aktienportfolios sowie gemischte Portfolios aus Aktien und Anleihen von Vorteil.

Zudem ist Gold ein bewährtes Mittel zur Absicherung gegen Inflation. In Phasen sehr niedriger oder negativer Realzinsen neigt Gold dazu, an Wert zu gewinnen, da Anleger verstärkt auf das Edelmetall setzen, um ihre Kaufkraft zu erhalten. Man sagt, dass man im römischen Reich von einer Unze Gold eine hochwertige Robe kaufen konnte. Mit einem Wert von rund 2.150 Euro pro Unze bekommt man auch heute noch einen guten maßgeschneiderten Anzug dafür. Das ist Wertstabilität. Das Gold/Wiesnbier-Verhältnis der Incrementum belegt dies ebenfalls: Man erhielt 2023 rund 119 Maß Bier pro Unze, ungefähr genauso viel, wie schon 1975 oder 1990.

Der Studie „The Gold Exposure of Institutional Investors“ zufolge halten 30 Prozent der Großanleger etwas Gold, im Mittel in Höhe von 1,7 Prozent ihrer Portfolios. Das ist angesichts der benannten Vorteile nicht viel. Werfen wir also einen Blick auf die Gründe, die gegen Gold als Anlage sprechen. 

Die Länder mit den größten Goldreserven
Die Länder mit den größten Goldreserven. Stand der Daten: 31. März, 2024, Quellen: Central Banks, Federal Reserve Bank of St. Louis, International Monetary Fund, World Bank, World Gold Council © HAC Vermögensverwaltung

Kontra: Volatilität und unklare Wertbestimmung

Auf der anderen Seite weist Gold im Vergleich zu anderen Anlageklassen ein ungünstiges Verhältnis von Volatilität zu Rendite auf. Obwohl der Kurs in Krisenzeiten steigt, fällt er in ruhigeren Phasen meist wieder, was langfristig zu geringen Nettogewinnen führt. Doch das Paper „The Golden Rule of Investing“ zeigt, dass die Absicherung von Portfolios durch Gold oft mit niedrigen Renditen einhergeht.

Zudem ist Gold anfällig für ausgeprägte Boom-and-Bust-Zyklen. Ein Beispiel hierfür ist der langwierige Kursverfall nach der Spekulationsblase von 1980, wo es 28 Jahre dauerte, bis die damaligen Höchststände wieder erreicht wurden. In Phasen positiver Realzinsen schneidet Gold oft schlecht ab, da Anleger alternative Investments mit Zinsen oder Dividenden bevorzugen.

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Ein weiterer Nachteil ist die schwierige ökonomische Kalkulierbarkeit des Goldwertes. Anders als produktive Vermögenswerte generiert Gold keine laufenden Erträge und verursacht Lagerkosten.

Das Permanent-Portfolio: Ein praktischer Ansatz zur Vermögensanlage

Ein Beispiel für die Integration von Gold in ein ausgewogenes Portfolio ist die von Harry Browne entwickelte Permanent Portfolio-Strategie. Diese Strategie zielt darauf ab, Vermögen langfristig zu sichern, unabhängig von wirtschaftlichen Zyklen. Das Portfolio setzt sich wie folgt zusammen:

  • 25 Prozent in Gold
  • 25 Prozent in Aktien
  • 25 Prozent in Staatsanleihen
  • 25 Prozent in Bargeld

Diese Verteilung soll gewährleisten, dass das Portfolio unter verschiedenen wirtschaftlichen Bedingungen stabil bleibt. Das Bestechende an dieser Anlagestrategie ist ihre Einfachheit. Tatsächlich hat das Permanent-Portfolio historisch betrachtet sehr solide Renditen bei geringen Schwankungen und maximalen Rücksetzern erwirtschaftet. Die Grundidee des Permanent Portfolios ist, dass man die möglichen ökonomischen Umgebungen für Investoren in vier Quadranten unterscheiden kann:

Inflationärer Boom: In Zeiten hoher Inflation, in denen Preise schnell steigen, ist Gold besonders leistungsstark und schützt das Vermögen vor dem Kaufkraftverlust.

Deflationärer Boom: Wenn die Wirtschaft wächst, aber die Preise fallen, sind langfristige Aktien, insbesondere solche von Wachstumsunternehmen, optimal.

Deflationärer Abschwung: In einer schrumpfenden Wirtschaft mit fallenden Preisen bieten Staatsanleihen die größte Sicherheit, da sie in der Regel feste Zinszahlungen und Kapitalrückzahlungen gewährleisten.

Inflationärer Abschwung: Wenn die Wirtschaft schrumpft und gleichzeitig die Preise steigen, ist Bargeld die bevorzugte Anlageform, da es Liquidität und Flexibilität bietet.

Allerdings sehen viele Beobachter diese Strategie in Zeiten von geringer oder vielleicht bald wieder negativer Realverzinsung sehr kritisch, weil ein Viertel des Portfolios quasi keinen Renditebeitrag leistet (Bargeld). 

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