Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur

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Problem Mensch

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Geahnt hat man es irgendwie, doch nun haben es alle Zweifler schwarz auf weiß. In der Studie The Dark Side of ETFs and Index Funds rechnen fünf Wissenschaftler vor: Käufer von börsennotierten Indexfonds erzielen in der Regel geringere Erträge als andere Anleger. Dabei liegt die Rendite im Durchschnitt um bis zu 4 Prozentpunkte niedriger.

Den Nachweis führte das Quintett, indem es reale Depotdaten von Kunden einer Direktbank nahm und Käufe und Verkäufe über mehrere Jahre auswertete. Die Ergebnisse verglich es dann mit jenen von Anlegern mit ähnlicher Risikoneigung, die auf ETFs verzichteten.

Der Knackpunkt: Zwar bieten ETFs eine breite Streuung und sind sowohl in der Anschaffung als auch in der Verwaltung vergleichsweise kostengünstig. Diese Vorteile werden jedoch dadurch konterkariert, dass sie durch die genannten Merkmale und ihre jederzeitige Handelbarkeit förmlich zur Spekulation einladen.

„Das Problem ist der Mensch“, zitiert das Handelsblatt Andreas Hackethal, Finanzprofessor an der Universität Frankfurt und Mitautor der Studie. So manches der untersuchten ETF-Depots sei sehr einseitig strukturiert und auf schnelle Trading-Gewinne ausgerichtet gewesen.

Eine Steilvorlage, um einen ETF-freien Tag in deutschen Direktbanken zu fordern? Hoffentlich nicht. Aber eine Anregung, über den bewussteren Umgang mit Geld – dem eigenen und auch dem für Dritte verwalteten – nachzudenken, ist es allemal.

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