Bei einer Diskussion unter Maklern vor zehn oder 15 Jahren über die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) hätte es meistens einen gemeinsamen Tenor gegeben: Möchte man die besten Bedingungen am Markt, so muss man die BU der Alten Leipziger nehmen. Damals war der Versicherer aus Oberursel ein bisschen der Mercedes unter den Anbietern. In der Folgezeit ruhte man sich aber etwas zu sehr auf den Lorbeeren aus und andere Versicherer bewegten sich näher am Markt.

Aus der Beratung heraus ließen sich immer wieder Regelungen identifizieren, bei denen man den Finger in die Wunde legen konnte. Positiv dabei ist, dass es auch dem Versicherer nicht verborgen blieb und es immer wieder einen offenen Dialog über die aufgezeigten Schwachpunkte gab. Mit einem großen Update Anfang 2025 sollen diese nun behoben werden.

Nachversicherung: Neue Erhöhungsmöglichkeit

Eine der Hauptzielgruppen der Alten Leipziger sind Mediziner und weitere Akademiker. Leider hat sich das aber nicht in entsprechend angepassten Erhöhungsmöglichkeiten niedergeschlagen. Diese waren im Marktvergleich eher gering und in der Anwendung zudem sehr kompliziert – für Vermittler und Kunden. Die immer populärer werdende Karrieregarantie hat zwar nicht Einzug in die Bedingungen gehalten, aber dafür hat man sich für ein anderes Modell entschieden:

Neu ist für Berufseinsteiger nach dem Studium der sogenannte „Beginner-Bonus“, den man als Erhöhungsmöglichkeit nicht verpassen sollte. Zusätzlich kann der monatliche BU-Schutz bis Alter 50 bei 19 verschiedenen Anlässen insgesamt um bis zu 1.000 Euro erhöht werden. Insgesamt kann die BU-Rente jetzt während der Vertragslaufzeit damit um 2.500 Euro erhöht werden.

Keine Anrechnung mehr durch die Beitragsdynamik

Das klingt auf den ersten Blick nicht so toll, aber dafür hat die Alte Leipziger eine alte und am Markt wenig verbreitete Regelung wieder eingeführt: Beitragsdynamiken werden nicht auf eine mögliche Nachversicherung angerechnet. Somit kann in verschiedenen Konstellationen jetzt auch bei der Alten Leipziger eine bedarfsgerechtere Absicherung erfolgen als bisher. Kleiner Schönheitsfehler: Nur die ersten fünf Jahre findet die Nachversicherung im selben Vertrag statt, danach braucht es einen neuen Vertrag. 

Dazu ein Beispiel: Beginnt ein junger Student mit 2.000 Euro bei einem anderen Versicherer, bei dem die Nachversicherung bei 3.500 Euro endet, so hat dieser nach sechs Jahren bei einer Beitragsdynamik von fünf Prozent, eine Absicherung von circa 2.700 Euro. Die mögliche Nachversicherung läge hier nur noch bei 800 Euro. Bei der Alten Leipziger sind weiterhin 1.500 Euro möglich, da die Dynamik der Beiträge nicht angerechnet wird.   

Quelle: Präsentation Alte Leipziger

Verbesserung der Nachversicherung für Schüler

Schüler sind sowohl für den Vermittler, als auch für den Versicherer eine lohnenswerte Zielgruppe. Der Vorteil aus Kundensicht liegt darin, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung in gesunden Jahren oftmals keine Ausschlussklauseln hat. Doch die Alte Leipziger behielt es sich bisher vor, beim Ziehen der Nachversicherung den Beruf für die erhöhte Absicherung abzufragen. Dies kann stark negative Konsequenzen bei einer späteren Erhöhung haben, indem man vonseiten des Anbieters recht teuer eingestuft wird. Da viele Produktgeber dies besser gelöst hatten, schlug ich bisher einen großen Bogen um die Schüler-BU der Alte Leipziger. Diese Klausel gehört aber der Vergangenheit an, da jetzt auf eine erneute Risikoprüfung bei Nachversicherung verzichtet wird.

Manifestierte Berufswechsel-Prüfungsoption

Ein Schüler bleibt nicht ewig Schüler, ein Student nicht ewig Student. Wenn der darauffolgende Beruf (oder auch nur der Eintritt ins Studium oder die nächste Schulform) einen günstigeren Beitrag zur Folge hat, kann die berufliche Besserstellungs-Option ein extrem wichtiges Vehikel sein. Bisher konnte die Alte Leipziger dies laut der Bedingungen von einer erneuten Risikoprüfung abhängig machen. Auch wenn das in Praxis nicht vorkam, sah ich darin ein Risiko aus Kundensicht. Bei langlaufenden Verträgen sind Fakten auf Schwarz und Weiß besser als die Kulanz einer Versicherungsgesellschaft. Nun gibt es folgende Möglichkeiten, definitiv ohne erneute Risikoprüfung seine Einstufung prüfen zu lassen.

Quelle: Präsentation Alte Leipziger

Kein Update ohne Beitragssenkungen für Akademiker

Kein mir bekanntes großes Update kommt ohne Beitragssenkungen für Berufe aus, die eh schon im Vergleich sehr günstig sind. So auch bei der Alte Leipziger. Für die beste Berufsgruppe „A1+“ gibt es eine dauerhafte Beitragssenkung von circa zehn Prozent, welche zum einen aus der Rechnungszins-Erhöhung, zum anderen aus der allgemeinen Prämienreduzierung resultiert.

Insgesamt setzt die Alte Leipziger dennoch den Weg der konservativen Kalkulation fort. Man merkt in vielen Punkten die Sorge um das Versichertenkollektiv und wird den Versicherer aus Oberursel selten unter Anbietern mit den günstigsten Beiträgen finden. Das hat zur Folge, dass viel Neugeschäft links und rechts vorbeigeht, weil man sich offenbar bewusst nicht einem Preiskampf aussetzen will. In der Beratung ist dies aber auch eine Herausforderung, denn junge Kunden, die Vergleichsportale gewohnt sind, fragen sich, warum sie 20 Prozent mehr bei der Alte Leipziger ausgeben sollen, als bei einem anderen Anbieter mit der Note 1,0.

 

Kritikpunkt Gesundheitsfragen ausgemerzt

Bereits im Herbst wurden die relativ offen gestellten Gesundheitsfragen im Antrag angegangen. Diese lauteten: „Bestehen oder bestanden in den letzten drei Jahren Krankheiten, Unfallfolgen oder körperliche Schäden“ sowie „Bestehen Behinderungen (auch angeborene) oder haben Erkrankungen oder Unfälle Folgen hinterlassen (auch Belastungsminderung, Bewegungseinschränkung, Schmerzen, Verlust oder Funktionseinschränkungen im Bereich der inneren Organe, der Sinnesorgane, der Wirbelsäule, des Kopfes, der Arme oder der Beine)?“

Mir gefielen diese Fragestellungen nicht, da sie für einen Laien nur schwer zu beantworten zu sind. Wer hatte die vergangenen drei Jahre nicht mal eine kurze Erkältung? Wie definiert man eine Belastungsminderung? Muss mein eigener Kreuzbandriss aus dem Jahr 2002 angegeben werden? Auch wenn es keine Beschwerden gibt, ist das Knie natürlich nicht mehr so wie vorher. Diese offene Baustelle wurde angegangen und zum einen die Frage nach Beschwerden auf drei Monate beschränkt (wie zum Beispiel auch bei LV 1871, HDI oder Baloise). Zum anderen sind die Begrifflichkeiten Belastungsminderung, Bewegungseinschränkung, Schmerzen und Funktionseinschränkungen endlich außen vor.

Das Fazit

Die Alte Leipziger findet mit dem Update zurück in die Spur, hat einige Schwachpunkte beseitigt und sich an den Marktstandard angepasst. Da ich in meinem Berufsalltag auch andere positiven Aspekte des Anbieters mitbekomme, wie die gute Erreichbarkeit und eine saubere Abwicklung von Leistungsfällen, werden wir die Alte Leipziger 2025 sicherlich wieder öfter mit in die Beratung aufnehmen. Das Produkt ist sicherlich nicht etwas für jemanden, der die günstigste BU-Versicherung am Markt sucht, sondern insbesondere für Kunden mit einem gewissen Qualitätsanspruch und Weitsicht geeignet.

Über den Autor:

Tobias Bierl wurde 1984 geboren. Als ausgebildeter Versicherungsfachmann und Finanzanlagenfachmann gründete er mit seinem Bruder 2008 Stefan die Finanzberatung Bierl in Walderbach in der Oberpfalz. Als einer der Geschäftsführer liegt sein Schwerpunkt im Bereich Biometrie / Berufsunfähigkeitsversicherung. Bierl gewann 2019 den OMGV Makler-Award für den besten Blog / Content auf der Homepage und 2021 für die besten Kundenbewertungen.