Mit der neuen „bAV easyInvest“ bringt Axa zum Jahresbeginn 2026 eine fondsgebundene betriebliche Altersversorgung auf den Markt, die vor allem eines leisten soll: Vereinfachung. Aus den Produktunterlagen und der begleitenden Kommunikation lässt sich ableiten, dass sich das Angebot in erster Linie an Arbeitgeber richtet, die eine standardisierte und leicht administrierbare bAV-Lösung für ihre Belegschaft suchen.
Das zeigt sich darin, dass zentrale Gestaltungsentscheidungen, insbesondere die Festlegung des Garantieniveaus, auf Unternehmensebene einheitlich für die Mitarbeiter getroffen werden. Individuelle Wahlmöglichkeiten in der Kapitalanlage sind bei dem Produkt nicht vorgesehen. Damit folgt die Axa einem Ansatz, der weniger auf Individualisierung als auf Skalierbarkeit und die einfache Umsetzung in Betrieben setzt.
Bruttobeitragsgarantie mit drei Stufen
Arbeitgeber können zwischen drei Stufen der Bruttobeitragsgarantie wählen: 60 Prozent, 80 Prozent oder 90 Prozent der eingezahlten Beiträge. Dieses Garantieniveau bestimmt maßgeblich die Kapitalanlagestruktur. Die Kapitalanlage erfolgt über eine Kombination aus Sicherungsvermögen (planbarer Zinsertrag) und einer von Axa gemanagten Fondsanlage, dem Sondervermögen „InvestPlus“ (Marktrendite). Der Investmentfokus ist dabei global.
Dynamisches Umschichtungsverfahren mit Schwächen
Kern des Produkts ist ein dynamisches Umschichtungsverfahren. Das Vertragsvermögen wird regelmäßig angepasst, um das gewählte Garantieniveau abzusichern. Dieses Verfahren bietet zwar Sicherheit, beruht jedoch implizit auf der Annahme, dass Marktbewegungen antizipiert werden können. In der Praxis führt dies häufig dazu, dass Chancen nach Marktverwerfungen nur eingeschränkt genutzt werden können.
Das Problem des dynamischen Umschichtens ist bekannt: Es reagiert auf Marktbewegungen, statt ihnen voraus zu sein. Häufig werden Fondsanteile erst verkauft, wenn Kurse bereits gefallen sind, und erst wieder aufgebaut, wenn die Erholung schon eingesetzt hat.
Leistungsphase: Axa findet klugen Mittelweg mit Tranchenzahlung
Deutlich überzeugender zeigt sich die „bAV easyInvest“ in der Leistungsphase. Bei vielen bisherigen Lösungen der betrieblichen Altersvorsorge besteht zum Rentenbeginn lediglich die Wahl zwischen einer einmaligen Kapitalabfindung oder einer lebenslangen Rente. Die Einmalzahlung unterliegt der nachgelagerten Besteuerung mit dem persönlichen Steuersatz und kann – abhängig von der Höhe des Kapitals – schnell zu einer hohen Steuerbelastung führen.
Wer beispielsweise 100.000 Euro auf einmal erhält, rutscht regelmäßig in den Spitzensteuersatz. Die lebenslange Rente wiederum wird nach versicherungsmathematischen Kriterien berechnet und bleibt für viele Versicherte eine Wette auf ein langes Leben.
Mit der Möglichkeit einer Tranchenzahlung über bis zu zehn Jahre eröffnen die Kölner einen pragmatischen Mittelweg. Statt das Kapital auf einmal auszuzahlen, kann es in gleichmäßigen Teilbeträgen ausgezahlt werden. Das entspricht einer abgekürzten Rentenzahlung und kann auch steuerlich weniger Abzüge bedeuten.
Gleichzeitig erlaubt dieses Modell eine realistische Lebensplanung: Wer etwa ab dem 67. Lebensjahr eine Tranchenzahlung von maximal zehn Jahren wählt, hat damit zum Beginn der Rentenphase mehr zum Leben. Mit zunehmendem Alter sinkt häufig der finanzielle Bedarf, sodass eine zeitlich begrenzte Kapitalauszahlung für viele Versicherte näher an der Lebensrealität liegt als die klassischen Auszahlungsmodelle.
Mein Fazit
Mit der „bAV easyInvest“ setzt die Axa auf ein arbeitgeberorientiertes Standardmodell mit klaren Garantien und begrenzten Wahlmöglichkeiten. Während das dynamische Umschichten die Renditechancen begrenzt, überzeugt das Produkt vor allem durch seine flexible und durchdachte Auszahlungslogik.
Zur Person
Björn Kotzan, geboren 1977, ist ausgebildeter Versicherungskaufmann. Er arbeitet seit 1999 im Versicherungsbereich und betreibt zusammen mit Anja Glorius und Bert Kotzan die Webseiten KVoptimal.de und LVoptimal.de. Die Beratungsschwerpunkte „bis zum Rentenalter“ und „ab dem Rentenalter“ umfassen die Themen PKV, Krankentagegeld- und Arbeitskraftabsicherung sowie Ruhestandsplanungen und werden unter dem Stichpunkt Finanzklarheit zusammengefasst.
