Die HDI Versicherung gehört zu einem der größten Anbieter in Deutschland für Berufsunfähigkeitsversicherungen. Dass das Unternehmen immer für eine Überraschung gut ist, zeigte der Verzicht auf die konkrete Verweisung Anfang vergangenen Jahres. Auch aus diesem Grund dürften die aktuellen Neuerungen für große Aufmerksamkeit am Markt sorgen.
Allerdings spielte die Gesellschaft für mich persönlich in der BU-Beratung bisher nicht die große Rolle, die sie wahrscheinlich gerne hätte. Der Grund waren – trotz eigentlich sehr guter Bedingungen – einige Schwachpunkte im Vergleich mit anderen gehobenen Anbietern. Die Frage ist, ob sich dies mit dem Produkt-Update jetzt ändert?
Kein BU-Antrag mehr beim Ziehen der Arbeitsunfähigkeitsklausel
Wie auch bei anderen prominenten Versicherern wie der Axa oder der Allianz gab es bisher das Problem, dass beim Ziehen der Arbeitsunfähigkeitsklausel gleichzeitig ein BU-Leistungsantrag gestellt werden musste. Der große Vorteil der sogenannten Gelbe-Schein-Regelung wurde damit zunichtegemacht. Dies gehört nun der Vergangenheit an. Die Leistungsdauer bleibt weiterhin bei 36 Monaten, was derzeit die Marktspitze darstellt.
Einführung einer Karrieregarantie
Ein großer Schwachpunkt in meinen Augen war bisher, dass die Nachversicherungsgarantie schon bei 3.000 Euro monatlicher BU-Rente endete. Für einen Versicherer, der vor allem Kammer- und Mínt-Berufe zu seiner Zielgruppe zählt, ein eher niedriger Wert. Dieser bleibt zwar auch nach dem Update identisch, aber jetzt fand eine Karrieregarantie unter dem Namen „KarrierePlus“ Einzug in die Bedingungen. Sie ermöglicht die Steigerung der BU-Rente bei steigendem Gehalt. Folgende Eckdaten hat dieser Baustein beim HDI:
- Möglich bis zu einer monatlichen BU-Rente von 6.000 Euro
- Das Bruttomonatsgehalt muss um mindestens fünf Prozent steigen
- Befristet Angestellte können auch die Erhöhung nutzen, der Arbeitsvertrag muss aber mindestens ein Jahr laufen
- Auch Selbstständige profitieren davon, bei dieser Berufsgruppe sind die Voraussetzungen aber etwas strenger als bei Angestellten
Die Einführung dieser Karrieregarantie ist auf jeden Fall ein großer Mehrwert gegenüber der bisherigen Lösung, aber noch nicht der große Wurf. Ich hätte mir etwas mehr erwartet. So bietet die Baloise nach dem letzten Update für Kammerberufler sogar bis zu 7.500 Euro Erhöhung an. Wichtig zu wissen: Beim HDI gibt es für viele Berufsgruppen verkürzte Gesundheitsfragen – vom Anwalt bis zum Zahnarzt. Diese können die Karrieregarantie aber nicht nutzen, der Abschluss muss über einen regulären Antrag erfolgen.
Wichtige Verbesserungen für junge Zielgruppen
Ein weiterer großer Kritikpunkt von mir war die Tatsache, dass es keine wirkliche berufliche Besserstellungsoption gab. Auf dem Papier zwar schon, aber eine Überprüfung beim Berufswechsel zog immer eine neue Gesundheitsprüfung nach sich. In folgenden Situationen kann jetzt ohne erneute Prüfung die Berufseinstufung überprüft und verbessert werden:
- Wechsel der Schulform (dazu zählt auch der Einstieg in die gymnasiale Oberstufe)
- Beginn einer Ausbildung oder Studium
- Einstieg ins Berufsleben nach Ende der Ausbildung oder des Studiums
Zudem kann dank des „UpgradeJokers“ nachträglich die Beitragsdynamik auf bis zu fünf Prozent erhöht werden. Das ist gerade für Schüler hilfreich, die im Moment maximal drei Prozent auswählen können. Hinzu kommt, dass nachträglich die garantierte Rentensteigerung noch eingebaut werden kann, ebenso ohne erneute Risikoprüfung.
Verkürzte Gesundheits- und verbesserte Antragsfragen
Den Trend, jungen Leuten eine vereinfachte Gesundheitsprüfung zu bieten, nahm nun auch der HDI auf. Für Personen bis zu 30 Jahre und maximal 2.000 Euro an Absicherungswunsch gibt es jetzt verkürzte Antragsfragen. Eine Ja-Antwort ist erlaubt, somit kann auch eine anonyme Risikovoranfrage beim Versicherer gestellt werden.
Ich sehe diese Gesundheitsfragen als Mehrwert an, da viele kleinere Vorerkrankungen nicht angegeben werden müssen, ebenso praktisch der gesamte HNO-Bereich. Eine Einschränkung gibt es aber für Schüler, die diese Variante nicht nutzen können.
In Zuge dessen wurde auch der normale BU-Antrag nochmals überarbeitet:
- Es gibt keine Frage mehr nach Berufsrisiken
- Die Abfrage nach künftigen Auslandsaufenthalten wurde optimiert und auch außereuropäische Länder wie die USA müssen nicht mehr angegeben werden
- Die Abfrage nach relevanten Sportarten ist nun fallabschließend
- Zeitlich unbefristete Abfragen wurden gestrichen beziehungsweise verkürzt
- Einige Vorerkrankungen und Behandlungen werden nur noch für drei statt fünf Jahre abgefragt
Die Antragsfragen haben sich in meinen Augen somit nochmals kundenorientierter gestaltet. Für beide Varianten gibt es auch eine Abfrage nach dem Raucherstatus. Bisher war die HDI einer der wenigen Versicherer, welche keinen Unterschied beim Rauchverhalten machten.
Weitere kleine Verbesserungen
Neben den größeren Neuerungen gab es auch einige kleinere Verbesserungen seitens des Anbieters, die im Einzelfall aber wichtig sein könnten:
- Erste-Hilfe-Leistung: Erweiterung um die Abhängigkeit vom Rollstuhl (vollständige Querschnittslähmung)
- Krebsdefinition: Anpassung an die medizinische Entwicklung
- Umorganisation für Selbstständige: Vereinfachung der Beschreibung und Klarstellungen für Ärzte und Kammerberufe
- Basisrente und BU-Verlängerungsoption: Nachgezogen für Kombinationen
- Eintrittsalter Basisrente mit vereinfachter BU: Erhöhung von 50 auf 55 Jahre
- Klarstellung zur Nachversicherung: Sie läuft ohne erneute Risikoprüfung ab, nicht nur ohne Gesundheitsprüfung (bisher nicht ganz eindeutig)
An der Preisschraube wurde gedreht
Wie erwartet bringt jedes Update auch wieder ein neues Pricing ans Tageslicht. Nicht überraschend daher, dass insbesondere die akademischen Zielgruppen von Preissenkungen profitieren. So dürften durch die Einführung eines Nichtrauchertarifes 90 Prozent der Versicherten weniger Beiträge zahlen. Es fand auch eine Überarbeitung der Versicherungstafel statt und damit der Kalkulation. Zudem gibt es jetzt mehr Zwischenschritte in den Risikogruppen.
Mein Appell bleibt, dass die BU-Versicherung nicht zu günstig werden darf. Tatsächlich gibt es in jedem Update verbesserte Leistungen zu günstigeren Prämien. Das ist eine ungesunde Entwicklung. Anders als in der KFZ- oder Wohngebäudeversicherung schlagen sich zu günstige Prämien oftmals aber erst in einigen Jahrzehnten in den Büchern nieder.
Mein Fazit
Der HDI hat sich die Kritik zu ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung sehr zu Herzen genommen. Es bleibt fast nichts mehr zu meckern übrig, einzig die Thematik mit den Erhöhungsmöglichkeiten finde ich weiterhin überschaubar im Bereich der besten BU-Versicherungen. Berät man (angehende) Akademiker, kann man zwar auf den HDI setzen, sollte aber unbedingt über eine Aufteilung auf zwei Versicherer nachdenken, aufgrund der begrenzten Nachversicherungsgarantien.
Über den Autor:
Tobias Bierl wurde 1984 geboren. Als ausgebildeter Versicherungsfachmann und Finanzanlagenfachmann gründete er mit seinem Bruder 2008 Stefan die Finanzberatung Bierl in Walderbach in der Oberpfalz. Als einer der Geschäftsführer liegt sein Schwerpunkt im Bereich Biometrie / Berufsunfähigkeitsversicherung. Bierl gewann 2019 den OMGV Makler-Award für den besten Blog / Content auf der Homepage und 2021 für die besten Kundenbewertungen.
