Norddeutsche Versicherungsmakler applaudieren selten, nicken höchstens anerkennend und wenn wir „nicht schlecht“ sagen, ist das bereits ein echtes Kompliment. Umso erstaunlicher ist es, wenn ein neues Versicherungskonzept aus dem Süden dazu führt, dass man nicht nur zustimmend nickt, sondern tatsächlich kurz innehält und denkt: Das geht genau in die richtige Richtung. Das ist mir beim neuen „PrimeHome“-Konzept des Versicherers Die Bayerische passiert.
Neues Konzept statt reiner Leistungsverbesserungen
Und das liegt nicht daran, dass hier ein weiterer Tarif mit neuen Klauseln, hübscherem Layout oder etwas mehr Leistung auf den Markt gebracht wurde. Vielmehr geht das Konzept weg von der reinen Schadenregulierung hin zu aktiver Vorsorge, Prävention und ganzheitlichem Risikomanagement. Bisher wurden die Themen Präventionsberatung und aktive Schadenverhütung aus ökologischer Perspektive betrachtet, bei der Bayerischen rückt jetzt die betriebswirtschaftliche in den Vordergrund.
Integriertes Produktkonzept für Einfamilien- und Eigenheimbesitzer
Acht von zehn Wohngebäuden in Deutschland sind Ein- oder Zweifamilienhäuser, in denen rund die Hälfte aller deutschen Haushalte lebt. Sie bilden damit nicht nur das Rückgrat des privaten Immobilienbestands, sondern auch einen der wichtigsten Ansatzpunkte für nachhaltige Transformation im Gebäudesektor. Genau hier setzt die „PrimeHome“-Police der Bayerischen an, die sich sich insbesondere an Einfamilien- und Eigenheimbesitzer richtet und mehrere Absicherungsbereiche in einem integrierten Konzept kombiniert.
Ziel ist es, Versicherungsschutz nicht isoliert zu betrachten, sondern das private Wohnumfeld ganzheitlich abzusichern. Pflichtbausteine sind die Privathaftpflicht- und die Hausratversicherung. Die Bausteine Glas, Wohngebäude, Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht, Tierhalterhaftpflicht und Unfall lassen sich je nach Bedarf und Lebenssituation ergänzen.
Leistungs- und Differenzierungsmerkmale im Überblick
Der Produktkern ist ein einheitliches Vertragsmodell: eine Vertragsnummer, eine Hauptfälligkeit, ein durchgängiges Bedingungswerk, so wie man es schon teilweise aus der gewerblichen Sachversicherung kennt. Die Bündelung zentraler Absicherungen, die flexible Erweiterbarkeit je nach Lebensphase sowie die übersichtliche Tarifstruktur schaffen Transparenz und bieten regelmäßige Möglichkeiten der Ansprache für den Vertrieb durch einen jährlichen Risiko-Check.
Eine echte Besonderheit: „PrimeHome“ setzt weitgehend auf eine Allgefahrendeckung. Damit verschiebt sich der Fokus weg von der klassischen Gefahrenaufzählung hin zu einem umfassenderen Schutzkonzept – ein klarer Vorteil im Hinblick auf neue, schwer vorhersehbare Risiken.
Neu: Das Vorsorgebudget
Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal ist das integrierte Vorsorgebudget. Dieses ermöglicht es Kunden, finanzielle Unterstützung für präventive Maßnahmen zu erhalten. Es ist damit kein klassisches Schadenersatzinstrument, sondern ein aktiver Steuerungsmechanismus zur Schadenvermeidung. Durch diese Förderung kann „PrimeHome“ somit einen Beitrag zur Ressourcenschonung, der Reduktion von Schadenfolgekosten, dem Werterhalt von Immobilien und zur langfristigen Beitragsstabilität leisten. Beispiele hierfür sind:
- Installation von Wassermeldern
- Leckage-Überwachungssysteme
- Rückstausicherungen
- Kleinere präventive Reparaturen an Fenster oder Türen
Geleistet wird hier in Form eines Cashbacks von maximal 450 Euro alle drei Jahre. Eine Größenordnung, bei der sicherlich noch Luft nach oben ist.
Das Vorsorgebudget gilt nur für den „Premium“-Tarif. In den Tariflinien „Smart“ und „Komfort“ orientiert sich die Bayerische stärker am Markt. Diese Produkte erfüllen solide Grundanforderungen, setzen jedoch bewusst weniger Akzente im Bereich Prävention und Innovation. Hier stehen Vergleichbarkeit, Marktgängigkeit und Portal-Tauglichkeit im Vordergrund.
Mein Fazit
Die Bündelung privater Sachverträge sowie der modulare Tarifaufbau sind grundsätzlich keine Neuerfindung. Der entscheidende Unterschied der „PrimeHome“-Police liegt in der konsequenten inhaltlichen Ausgestaltung dieses Baukastensystems. Erst die Kombination aus aktiver Schadenverhütung, einem vertraglich verankerten Vorsorgebudget sowie einer weitgehenden Allgefahrenlösung, schafft einen echten Mehrwert für Kunden und Vermittler.
Die entscheidende Zukunftsfrage wird lauten: Wer hilft dabei, dass ein Schaden gar nicht erst entsteht? Produkte wie „PrimeHome“ zeigen, dass dieser Gedanke inzwischen auch bei Versicherern angekommen ist. Noch nicht perfekt und nicht für jeden Kunden, aber als Richtung absolut richtig.
Abzuwarten bleibt, ob das von der Bayerischen angebotene Modell zur Ausbildung zum Präventionscoach vom Maklermarkt tatsächlich angenommen wird. Die Idee ist konsequent – sie verlangt jedoch ein Umdenken, weg vom reinen Produktverkauf hin zu echter fachlicher Begleitung rund um Risiken, Gebäude und Prävention.
Zur Person
Nicolas Streker, Jahrgang 1980, ist gelernter Versicherungskaufmann. Nach über 14 Jahren bei der Allianz und einem berufsbegleitenden Betriebswirtschaftsstudium verantwortete er als Direktionsbevollmächtigter das gewerbliche Sach- und Haftpflichtgeschäft der Signal Iduna in Norddeutschland. Seit 2016 ist er Geschäftsführer der in Lübeck ansässigen Asspick Versicherungsmakler GmbH, einem Partnerunternehmen der Martens & Prahl Gruppe. Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert sich Streker als ehrenamtlicher Richter sowie als IHK-Prüfer in Lübeck. Zudem ist er bundesweit als Referent zu aktuellen Themen der Wohnungswirtschaft gefragt.


