Mark Ortmann

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Produktinformationsblätter: BMF legt Entwurf für Riester- und Rürup-Renten vor

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„Die Angabe der Effektivkosten und Effektivrendite erlaubt nach Jahren der Intransparenz einen produktübergreifenden Vergleich der Kosten- und Beitragsrendite“, sagt Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA), der sich schon seit längerer Zeit für die brachenübergreifende Einführung dieser Kennzahlen stark macht. „Die verbindliche Vorgabe eines standardisierten Produktinformationsblatts ist genau die richtige Entscheidung, um Kunden einen echten Produktvergleich zu ermöglichen.“ An einigen Stellen sieht Ortmann allerdings noch Verbesserungsbedarf.

Seitenumfang: Der Entwurf des BMF sieht eine Beschränkung des Seitenumfangs vor. Insgesamt 19 Punkte sollen auf maximal drei Seiten zusammengefasst werden. „Der vorgegebene Höchstumfang ist absolut richtig“, so Ortmann. Allerdings sei zu bezweifeln, ob die Seitenvorgabe bei der Menge an Informationen einzuhalten sei. Bereits die bloße Auflistung der 19 Punkte nähme eine Seite ein. Ortmann plädiert deshalb dafür, Aspekte zu streichen, die für alle Produkte gleichermaßen gelten. Dazu gehörten zum Beispiel die Hinweise auf die Zertifizierung, das Inflationsrisiko sowie die Beitrags- und Zulagengarantie bei Riester-Renten.

Chance-/Risikoklassen: Erstmals soll jedes Produkt einer von fünf Chance-/Risikoklassen zugeordnet werden. Das erleichtert dem Kunden, das für ihn passende Produkt auszuwählen. Die vom BMF vorgeschlagenen Kurzbezeichnungen – zum Beispiel „sehr geringe Chancen/sehr geringes Risiko“ für die Chance-/Risikoklasse 1 – hält das ITA allerdings für zu knapp. Mehr Information, insbesondere zur Garantie zum Rentenbeginn und zu möglichen Verlusten während der Sparphase, sollten dem Kunden gegeben werden. Gerne auch grafisch, so das ITA.

Kosten: Die Kosten, die ein Anbieter erheben darf, sollen einheitlich und klar vorgegeben werden. Alle Anbieter müssen künftig die Effektivkosten und die Effektivrendite ausweisen. Das BMF nutzt dabei eine weite Definition. „Eingeschlossen sind nach meinem Verständnis auch Zielfondskosten bei Dachfonds, Transaktions- und Performance-Gebühren bei Fonds sowie Kapitalanlagekosten im Sicherungsvermögen bei klassischen Rentenversicherungen“, so Ortmann. „Damit würde erstmals ein übergreifender Vergleich von Altersvorsorgeprodukten anhand der Kosten und Beitragsrendite ermöglicht“, so Ortmann weiter. Einen Haken gäbe es doch: Das BMF sieht vor, zusätzlich auch die Garantiekosten als jährliche Wertminderung darzustellen. „Ich würde mir als Verfechter von Kostentransparenz sehr wünschen, dass dies möglich wäre, aber dieser Ausweis würde bestimmte Produkte einseitig bevorzugen.“ Besser erscheine es, die tatsächlich erhobenen Garantiegebühren wie andere Kosten auch ausdrücklich aufzuführen, aber nicht in den Effektivkosten zu berücksichtigen.

Auszahlungen: Laut BMF-Entwurf sollen mögliche Auszahlungsbeträge im Produktinformationsblatt vor Abzug der Kosten genannt werden. Das helfe dem Kunden aber nicht wirklich, meint Ortmann. Stattdessen sollten die angenommene Rendite, Effektivkosten und Effektivrendite gezeigt werden. Schwierig sei dabei außerdem die Festlegung des Zinssatzes, mit dem die möglichen Leistungen berechnet werden sollen. Das BMF schlägt einen einheitlichen Zinssatz je Chance-/Risikoklasse vor. Das würde aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Garantiemodellen stark verwischen, so Ortmann.

Fazit: Insgesamt würden Produktinformationsblätter durch die neuen Vorgaben verständlicher und transparenter, ist Ortmann überzeugt. „Ob das zum bezweckten Wettbewerbsdruck und am Ende zu niedrigeren Gebühren führen wird, bleibt abzuwarten. In Großbritannien hat es nicht geklappt“, so der Experte. Dort mussten am Ende feste Kostenobergrenzen eingeführt werden. Eines wurmt Ortmann jedoch: „ Warum nur sollen diese wichtigen Vorgaben erst für Produkte gelten, die ab dem 01.01.2013 zertifiziert werden?“

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