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Studie von PWC Produktivität: Homeoffice schlägt Büro

Arbeit im Homeoffice
Arbeit im Homeoffice: Eine Studie zeigt, dass die Einschätzung über die Produktivität im Homeoffice sich im Vergleich zum Büro deutlich verändert hat. | Foto: Imago images / Westend61

Das Homeoffice hat sich als flexibler Arbeitsort in Deutschland fest etabliert. Die Finanzbranche liegt dabei im Vergleich weit vorne. Das zeigte eine Untersuchung des Statistischen Bundesamtes aus dem Juli und fand Bestätigung in einer exklusiven Umfrage von DAS INVESTMENT bei den zehn größten Versicherern vergangene Woche.

Viele der Trends, die sich aus den Antworten der Unternehmen ableiten ließen, finden nun Bestätigung in einer weiteren Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC. Es handelt sich dabei um die dritte Auflage einer Homeoffice-Studie zu neuen Arbeitskonzepten und Büroflächenbedarfen bei Unternehmen in Deutschland.

Produktivität im Homeoffice steigt im Vergleich immens

Laut PWC profitiert ein Großteil der Beschäftigten von den weit verbreiteten flexiblen Arbeitsmodellen. Dabei ist eine Entwicklung bemerkenswert: 54 Prozent der Arbeitgeber erklären, ihre Teams arbeiteten im Homeoffice produktiver als im Büro (2021: 38 Prozent). Der Anteil der Arbeitnehmer, die ihre Leistungen am Heimarbeitsplatz als produktiver bewerten, steigt parallel auf 41 Prozent (2021: 30 Prozent). Vor allem in größeren Unternehmen wird laut Studie eine höhere Produktivität wahrgenommen. „Demnach haben viele Firmen seit der Pandemie die Rahmenbedingungen für ein flexibles und konzentriertes Arbeiten im Homeoffice kontinuierlich verbessert“, schreiben die Studienautoren.

Zu den größten Herausforderungen im Homeoffice zählen die Ablenkung in der häuslichen Umgebung (38 Prozent) und häusliche oder familiäre Pflichten (25 Prozent). Weiterhin werden Probleme beim Informationsaustausch, Datenzugriff und die Zusammenarbeit im Team als Grund für geringere Produktivität genannt. Im Vergleich zu den Vorstudien berichten allerdings deutlich weniger Mitarbeiter von diesen Erschwernissen. Hierin liegt offensichtlich auch eine Erklärung für die Wahrnehmung der im Vergleich zur Bürotätigkeit deutlich gestiegenen Produktivität.

 

Nachteile der Heimarbeit verlieren an Bedeutung

Auffällig ist auch, dass nur 45 Prozent die spontane Interaktion und die Zusammenarbeit (37 Prozent) mit den Kollegen bei der Präsenzarbeit vermissen. Weitere 31 Prozent nennen Mängel bei der technischen Ausstattung wie veraltete Bildschirme oder Drucker als Nachteile bei der Heimarbeit. Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten werden dagegen überwiegend neutral bewertet (57 Prozent), so PWC. Als Bedingung dafür, wieder ausschließlich im Büro zu arbeiten, nennen 38 Prozent einen Fahrkostenzuschuss, 36 Prozent flexiblere Arbeitszeiten und 28 Prozent die Anrechnung des Fahrtweges als Arbeitszeit.

Das Homeoffice entpuppt sich laut der Studienmacher zunehmend auch als ausschlaggebendes Kriterium für die Job-Wahl, insbesondere bei den Jüngeren: Insgesamt 39 Prozent der Befragten geben an, die Möglichkeit zur Nutzung des Homeoffice sei entscheidend dafür. 2021 waren es lediglich 20 Prozent. Demnach könnten Unternehmen mit modernen Arbeitsplatzkonzepten und flexiblen Arbeitsmodellen im Wettbewerb um neue Talente punkten.

Arbeitskonzepte und Büroorganisation werden angepasst

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Nach Angaben der Arbeitgeber sind 92 Prozent der Mitarbeiter im Schnitt bereits an 2,6 Tagen die Woche im Homeoffice. In 72 Prozent der Unternehmen dürfen die Mitarbeiter an bestimmten Tagen im Homeoffice arbeiten und diese Tage frei wählen. In 38 Prozent der Firmen können Beschäftigte komplett frei entscheiden, wann und von wo aus sie arbeiten. Eine Erklärung, warum diese Zahlen nochmal deutlich höher ausfallen als bei der Befragung der Mitarbeiter, liefert PWC nicht. 

Zahlreiche Unternehmen hätten bereits reagiert und ihre Arbeitskonzepte und die Büroorganisation an die neuen Anforderungen angepasst. 48 Prozent der Arbeitgeber haben die Arbeitsplätze mit neuen Monitoren oder Schreibpulten ausgestattet, 45 Prozent wollen dies kurzfristig tun. Knapp die Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) hat außerdem geteilte Arbeitsplätze (Flex Desks) oder Desk Sharing eingeführt, weitere 31 Prozent planen dies kurzfristig. Dabei begrüßen 53 Prozent der Arbeitnehmer dieses Konzept der Wechselarbeitsplätze, gut ein Drittel lehnt es ab.

„Desk Sharing kann die Zusammenarbeit und Kommunikation im Team fördern, die Arbeitszufriedenheit steigern und kann – in Abhängigkeit des aktuellen Zustands der Büroflächen – zu signifikanten Kosteneinsparungen führen“, sagt Rita Marie Roland, Partnerin im Bereich Real Estate Transaktionen bei PWC Deutschland.

Potenzial der Büroflächenreduktion bleibe noch ungenutzt

In jedem Fall führe diese Entwicklung zu einem wachsenden Leerstand in den Büros. Derzeit wird im Durchschnitt mehr als die Hälfte der angemieteten Büroflächen (55 Prozent) nicht genutzt, so die Befragung. In Spitzenzeiten liegt die Auslastung bei 63 Prozent, wobei in kleinen Firmen die Flächen stärker ausgelastet werden als in Großunternehmen.

Dennoch rechnet die Hälfte der Arbeitgeber auch weiterhin mit einem gleichbleibenden Flächenbedarf. Lediglich 21 Prozent gehen von einer Reduzierung der Büroflächen aus. 2021 taten dies noch 31 Prozent und ein Jahr davor 60 Prozent. Zudem haben nur acht Prozent ihre Bürofläche etwa durch Weitervermietung reduziert und nur zehn Prozent planen dies.

Flächen könnten auch in Spitzenzeiten effizienter genutzt und Arbeitsplätze optimal ausgelastet werden, so die Meinung der Studienautoren. Nach PWC-Kalkulation lohnt sich eine Büroflächenreduktion bereits ab 5 Prozent, vorausgesetzt die Räume sind hochwertig und erfordern keine Umbaumaßnahmen. Bei Modernisierungsbedarf sollten die Umbaukosten bei Mietobjekten 650 Euro pro Quadratmeter und Eigentum 750 Euro pro Quadratmeter nicht übersteigen, damit langfristig Einsparungen erzielt werden können, so PWC weiter.

 

Befragung bereits aus dem Januar

Im Rahmen der Studie wurden 120 Arbeitgeber und 600 Arbeitnehmer von deutschen Unternehmen unterschiedlicher Größe mit mindestens 20 Büroarbeitsplätzen aus den Branchen Industrie, Handel, Dienstleistungen sowie aus dem öffentlichen Sektor berücksichtigt. Sie wurden zu ihren Erfahrungen mit dem Arbeiten aus dem Homeoffice und zu möglichen Änderungen beim Flächenbedarf durch neue Arbeitsplatzkonzepte per Interviews befragt. Zusätzlich wurde mithilfe eines Excel-basierten Kalkulationsmodells die Wirtschaftlichkeit einer Flächenveränderung in Abhängigkeit
unterschiedlicher Faktoren (beispielsweise Kosten für Umbaumaßnahmen) berechnet. Die Interviews fanden in Form von Online-Befragungen bereits im Januar 2023 statt. Laut PWC ist die Untersuchung repräsentativ.

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