Prognose „US-Notenbank hebt Zinsen nicht vor 2018 an“

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1998 Déjà-vu

Würde sich die Markterwartung erfüllen, wäre das vergleichbar mit 1998, als die Fed unter der Leitung von Alan Greenspan im September mit Zinssenkungen begann, um auf die Marktverwerfungen zu reagieren, bevor sie die Sätze im Juni wieder erhöhte.

„Die Vorstellung, dass in den nächsten ein bis zwei Monaten eine Zinssenkung wahrscheinlicher ist als eine Anhebung, ergibt vor dem aktuellen Hintergrund Sinn; aber wenn man weiter schaut, dann geht es wieder in die andere Richtung", sagt Jim O’Sullivan, Chefvolkswirt USA bei High Frequency Economics in Valhalla im US-Bundesstaat New York. „Offensichtlich besteht Unsicherheit darüber, wie stark die Auswirkungen eines Brexit sein werden - haben wir das Schlimmste schon hinter uns, oder werden die Märkte weiter nachgeben?"

Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen hatte diese Woche ihren Besuch des EZB-Forums im portugiesischen Sintra abgesagt, um nach Washington zurückzukehren - ein Zeichen, dass die US-Geldpolitiker angesichts der britischen Entscheidung, die EU zu verlassen, in höchster Alarmbereitschaft sind. Die Fed teilte am 24. Juni mit, sie sei bereit, über ihre bestehenden Swap-Linien mit Zentralbanken Liquidität bereitzustellen, um unangemessenen Stress für die weltweiten Finanzmärkte zu verhindern.

Die Treasury-Renditen sind unter anderem wegen der Nachfrage nach sicheren Anlagen gefallen. Die zehnjährigen US-Anleihen brachten am Mittwoch 1,46 Prozent Rendite, was nahe am Allzeittief von 1,379 Prozent liegt, das im Juli 2012 erreicht wurde.

„Von der Fed ist im Moment keine Aktivität zu erwarten", sagt James Camp, Direktor Festverzinsliche bei Eagle Asset Management in St. Petersburg, USA. „Sie wollen die finanziellen Bedingungen nicht noch weiter verschärfen, und sie wollen sicher nicht diesen Dollar-Ansturm."

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