Prognose zur EZB-Sitzung

Draghi will ABS aus Griechenland und Zypern kaufen

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Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hat versprochen, im Oktober ein Kaufprogramm für Kreditverbriefungen (ABS) und Pfandbriefe aufzulegen. Die ersten Transaktionen an diesen Märkten werden aber wahrscheinlich verhalten ausfallen, sagten zwei Notenbankvertreter aus dem Euroraum, die namentlich nicht genannt werden wollten.

Damit werden die Anleger weiter über Draghis Absichten rätseln müssen, während sie darauf wetten, dass die EZB die Bandbreite der von ihr erwerbbaren Wertpapiere ausweiten wird.

Spekulationen darüber, wie weit Draghi gehen wird, haben griechischen Anleihen am Mittwoch erstmals in vier Tagen wieder Kursgewinne beschwert. Die Financial Times hatte berichtet, dass Draghi die Bedingungen der Papiere lockern wird, die die EZB erwerben kann, um auch einige ABS aus Griechenland und Zypern zu kaufen. Die Zentralbank kommentierte das nicht. Inflation auf dem Tiefstand

Die Währungshüter, die am Donnerstag zu ihrer monatlichen Ratssitzung in Italien zusammenkommen, stehen unter Handlungsdruck. Denn Draghis Versprechen, die Bilanzsumme um 1 Billion Euro auszuweiten, hat den Rückgang der mittelfristigen Inflationserwartungen nicht aufhalten können. Die Jahresteuerung befand sich im vergangenen Monat mit 0,3 Prozent fast auf dem tiefsten Stand seit fünf Jahren.

“Für eine sofortige Wirkung auf die Inflationserwartungen erscheint eine schnelle Umsetzung wichtig”, sagte Johannes Mayr, ein Ökonom der Bayerischen Landesbank in München. “Kurzfristig gibt es Enttäuschungspotenzial wegen des Mangels an verfügbaren Assets - was den Druck zur Ausweitung steigert. Draghi sollte sich dafür sehr offen zeigen.”

Die Währungshüter treffen sich in Neapel zu einer der jährlich zwei auswärtigen Sitzungen des EZB-Rats. Die EZB wird ihre Zinsentscheidung um 13.45 Uhr MESZ Ortszeit bekannt geben, worauf 45 Minuten später die Pressekonferenz von Draghi folgen wird. Normalerweise tagt der Rat in Frankfurt.

Alle von Bloomberg News befragten Ökonomen rechnen damit, dass der Leitzins bei 0,05 Prozent bleibt und der Einlagensatz mit minus 0,2 Prozent bestätigt wird. Der Fokus verschiebt sich damit auf den ABS-Kaufplan der EZB.

Sollte Draghis Plan fehlschlagen und dieser die Inflationserwartungen nicht antreiben, könnte er dazu gezwungen sein, ein breit angelegtes Kaufprogramm für Staatspapiere zu starten. Doch das droht die Kluft im EZB-Rat auszuweiten, wo sich Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bereits gegen den ABS- Plan auflehnt.

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