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Jörg Westphal, Protektor

Jörg Westphal, Protektor

Protektor: „511 Millionen Euro im Sicherungstopf“

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DAS INVESTMENT.com: Wie beurteilen Sie das Risiko, dass es zu Insolvenzen bei deutschen Versicherern kommt? Jörg Westphal: Lebensversicherungsunternehmen investieren im Wesentlichen in festverzinsliche Wertpapiere guter Bonität, die sie überwiegend bis zur Fälligkeit halten. Kurzfristige Wertschwankungen sind deshalb für sie kein Problem. Aktien spielen eine deutlich unwichtigere Rolle. Die Lebensversicherer haben die Aktienquote frühzeitig  reduziert. Da die Investitionen sich zudem am jeweils verfügbaren Risikokapital des Unternehmens ausrichten, schätzen wir das Risiko, dass ein Lebensversicherer Not leidend wird, als sehr gering ein. Alle Pflichtmitglieder zahlen bis zu einer Richtgröße in den Sicherungstopf ein. DAS INVESTMENT.com: Wonach bemisst sich dieser und wann wird der Topf komplett gefüllt sein? Westphal: Die zurzeit 100 Pflicht- und 23 freiwilligen Mitglieder leisten Jahresbeiträge, bis ein Promille der versicherungstechnischen Netto-Rückstellungen aller Mitglieder des Sicherungsfonds erreicht ist. Dies ist gegenwärtig ein Betrag von zirka 680 Millionen Euro. Am 31. Dezember 2008 waren 511 Millionen Euro im Topf. Ende 2010 wird das Sicherungsvermögen vollständig aufgebaut sein. DAS INVESTMENT.com: Protektor bedient die 340.000 Policen der Mannheimer Lebensversicherung. Warum wurden sie noch nicht an einen Branchenkonkurrenten verkauft, wie es das Modell eigentlich vorsieht? Westphal: Die Branche hat 2003 durch eine Einzahlung von 240 Millionen Euro sichergestellt, dass der von der Mannheimer übernommene Bestand saniert wird und Protektor ausreichende Solvabilität erhält. Nur rund 100 Millionen Euro entfielen auf den Ausgleich der Unterdeckung. Für einen Verkauf besteht kein Zeitdruck. Dieser muss wirtschaftlichen Kriterien entsprechen und die Wahrung der Interessen der  Versicherungsnehmer sicherstellen. 2007 konnten wir den Versicherten bereits neben der Garantieverzinsung auch eine Überschussbeteiligung in Höhe von 3,7 Prozent gewähren. DAS INVESTMENT.com: Wie viele Insolvenzen verkraftet Protektor, bevor die Sicherung versagt? Westphal: Das kann man nicht verallgemeinern, jeder Fall hat seine Besonderheiten. Protektor ist keine Entschädigungseinrichtung, sondern folgt dem Ziel, Verträge zu übernehmen und weiterzuführen. Dazu stehen das Sicherungsvermögen und Sonderbeiträge in gleicher Höhe zur Verfügung. Das ergibt rund 1,4 Milliarden Euro. DAS INVESTMENT.com: Und wenn das nicht reicht? Westphal: Für diesen Fall hat die Lebensversicherungsbranche freiwillig den Schutzumfang auf ein Prozent der versicherungstechnischen Rückstellungen, also auf zurzeit 6,8 Milliarden Euro, ausgeweitet. Diese Leistungspflicht tritt ein, nachdem die Aufsichtsbehörde die  garantierten Leistungen der übernommenen Verträge des zu sanierenden Bestands um 5 Prozent gekürzt hat. DAS INVESTMENT.com: Was halten Sie von der im Zuge der Krise um den US-Versicherer AIG diskutierten Idee einer „Bad Versicherung“? Westphal: Gegenwärtig sehen wir dafür keine Notwendigkeit in Deutschland. DAS INVESTMENT.com: Gibt es ein Äquivalent der Protektor in den anderen Mitgliedsstaaten der EU? Westphal: In Europa gibt es keine weitere Sicherungseinrichtung, die  Lebensversicherungsverträge übernimmt und gemäß den vertraglichen Vereinbarungen weiter abwickelt, wenn ein Anbieter Not leidend wird. Europäische Sicherungssysteme sind meist als Entschädigungseinrichtung konzipiert, die eine einmalige, häufig quotale und auf Höchstbeträge begrenzte Kompensation zahlt. In manchen EU-Staaten fehlen sie sogar gänzlich. Link zur Protektor AG Hintergrund: Die Sicherungseinrichtung für die Lebensversicherer in Deutschland schützt Versicherte vor den Folgen der Insolvenz eines Lebensversicherers: Sie führt die Verträge fort; die Leistungen für die Altersvorsorge und der Risikoschutz bleiben erhalten, ebenso die bereits gewährten Gewinnbeteiligungen. Gesellschafter sind die im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) organisierten Lebensversicherer. 2002 in einer privaten Initiative gegründet, wurde 2003 der Bestand der Mannheimer Lebensversicherung übernommen. Daneben hat Protektor seit 2006 die Aufgaben und Befugnisse eines gesetzlichen Sicherungsfonds übernommen. Vertragsbestände Not leidender Assekuranzen werden künftig durch die Bundesanstalt für Finanzienstleistungsaufsicht (Bafin) übertragen und von Protektor verwaltet.

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