Heiko Reddmann (Gastautor)Lesedauer: 5 Minuten

Finanzvertrieb Provisionsverbot schadet auch der Honorarberatung

Zwei Rentnerinnen am Ufer der Eider im nordfriesischen in Toenning
Zwei Rentnerinnen am Ufer der Eider im nordfriesischen in Toenning: Heiko Reddmann wünscht sich von der Politik deutlicheren Appell für die eigenverantwortliche Altersvorsorge. | Foto: IMAGO / Eckhard Stengel

Die Gründe für das insbesondere in den letzten Monaten verstärkte Wachstum der Honorarberatung lassen sich sowohl auf der Berater- als auch auf der Kundenseite ausmachen. Zum einen haben viele Finanzberater in der von der Pandemie geprägten Situation und durch die damit verbundenen wirtschaftlichen Herausforderungen für sich erkannt, dass der Einstieg in die Honorarberatung parallel zu ihrem Provisionsgeschäft ihnen neue unternehmerische Perspektiven verschafft und sie sich darüber insgesamt stabiler aufstellen können.

Auf der anderen Seite haben viele Kunden die Zeit genutzt, um sich intensiver mit Altersvorsorge- und Vermögensanlagethemen auseinanderzusetzen. Kunden zeigen sich ein Stück weit aufgeklärter und nehmen Strafzinsen, steigende Kosten bei Produkten und geringe Renditen im Niedrigzinsumfeld zum Anlass für ein weiterführendes Beratungsgespräch, von dem sie sich auch Ideen und Vorschläge für kostengünstige und flexible Anlagelösungen erwarten.

Honorarberatung braucht zum Wachstum keinen Regulierungsdruck

Unterstützende Worte für die Honorarberatung in einzelnen Parteiprogrammen zur Bundestagswahl 2021 sind für uns nicht so wichtig. Das Marktumfeld entwickelt sich auch ohne politische Agenda im Sinne der Honorarberatung. Denn diese liefert bessere Argumente als jedes Gesetz. Von staatlicher Seite wünschen wir uns allenfalls einen deutlicheren Appell für die eigenverantwortliche Altersvorsorge. Dazu gehört es auch, die starren Modelle der ersten und zweiten Schicht der Altersvorsorge aufzubrechen und neuen flexibleren Konzepten den Weg zu ebnen.

Heiko Reddmann, Geschäftsführer der Honorarkonzept

Ein Provisionsverbot würde der Branche und letztendlich auch der Honorarberatung nicht gut tun. Es ist nachvollziehbar, dass im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld jeder Stein umgedreht wird und in diesem Zusammenhang auch über die Begrenzung von Provisionshöhen gesprochen werden muss. Es ist aber nicht realistisch, zu denken, dass die Mehrheit der Finanzberater von heute auf morgen auf Honorarbasis arbeitet – die Gründe dafür liegen sowohl auf Berater- als auch auf Kundenseite.

Wir stehen für ein hybrides Geschäftsmodell, bei dem Finanzberater und Kunden, je nach Bedarf und Produktart frei entscheiden können, ob sie im individuellen Fall für eine honorar- oder provisionsbasierte Lösung wählen. Alles was es dazu braucht, ist Aufklärung und Transparenz gegenüber dem Kunden. Und aus Beratersicht ist die Idee des hybriden Modells ein überzeugender Weg, um sich unternehmerisch vorausschauend unabhängiger aufzustellen.

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