Prozessbeginn

Ex-Vorstände der Sachsen LB sind sich keiner Schuld bewusst

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Rund 50 Gerichtstermine sind bis Ende 2016 angesetzt: Das Handelsblatt berichtet aktuell über den Auftakt im Prozess um die Ex-Vorstände der Sachsen LB Herbert Süß und Stefan Leusder. Das Landgericht Leipzig wirft Süß und Leusder vor, das Geldinstitut sehenden Auges an den Rand des Ruins getrieben zu haben. Die Anklage gegen die beiden Ex-Vorstände lautet auf Bilanzfälschung und Untreue. Süß und Leusder hätten die Bank durch hochriskante Anleihegeschäfte in eine Krise geritten, aus der sie 2007 nur der Notverkauf an die Baden-Württembergische Landesbank LBBW rettete.

Der Hergang: Die Sachsen LB hatte über ihre irische Tochter Sachsen LB Europe die Zweckgesellschaft Ormond Quay gegründet. Diese tätigte hochriskante Geschäfte auf dem US-Anleihemarkt, das Risiko trug die Sachsen LB. In der vergleichsweise kleinen Landesbank hätte man die Anzeichen drohender Verluste der Aufsicht verheimlicht und immer weiter auf die Risikopapiere gesetzt, bis deren Markt 2007 zusammenbrach, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Das Anlagevolumen in die Risikowerte hätte die Mittel der Bank bei weitem überstiegen. „Trotz Kenntnis zunehmender Anzeichen einer Krise haben die Angeklagten Süß und Leusder einen millionenfachen Schaden billigend in Kauf genommen“, zitiert das Handelsblatt Staatsanwalt Jens Heinrich.

„Absurde Vorwürfe“

Die Verteidigerin von Herbert Süß, Barbara Livionius, bezeichnet die Vorwürfe laut Handelsblatt als „absurd“. Ihr Mandant habe im Gegenteil die kriselnde Bank retten wollen.     

Das Handelsblatt schätzt die Chancen, dass sich im Fall des Milliardenverlusts der Sachsen LB Untreue nachweisen lasse, als gering ein. Bislang musste das Bundesland Sachsen rund 2,75 Milliarden Euro aus Steuermitteln für das Bankendesaster zahlen.

Mitangeklagt in dem Prozess waren zunächst auch Yvette Bellavite-Hövermann und Werner Eckert. Das Verfahren gegen Risikovorstand Bellavite-Hövermann ist mittlerweile aus Krankheitsgründen abgetrennt worden. Der frühere Firmenkundenchef der Sachsen LB Werner Eckert konnte sich durch eine Geldauflage von 50.000 Euro von einem Gerichtsverfahren freikaufen.

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