PSD2 und DSGVO EU-Recht zwingt Fintechs und Banken zu Kooperation

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Offene Schnittstellen

Die genannten Beispiele verdeutlichen, dass Banken heute bereits viel Potenzial verschenken und den Verlust von Kunden riskieren, wenn sie nicht schnell handeln. Doch wie gelingt der Schulterschluss von Banken und Fintechs in der Praxis? Der Schlüssel – und nicht die Bedrohung – liegt in offenen Schnittstellen (APIs) im Sinne eines Open-Banking-Ansatzes.

Indem sie ihre IT-Systeme öffnen, können Banken gemeinsam mit Fintechs und anderen externen Akteuren wie Hochschulen ihre technologische Entwicklung und damit Innovationen deutlich beschleunigen. Mit dieser Go-to-Market-Geschwindigkeit kann heute keine In-house-Abteilung mehr mithalten. Über die offenen Schnittstellen können Banken sehr spezialisiertes Know-how schnell und einfach integrieren, anstatt die gesamte Technologie von Grund auf selbst zu entwickeln oder die Expertise zu akquirieren.

Lösungen entwickeln

Finanzunternehmen sind durch offene Schnittstellen auch in der Lage, innovative Banken-IT-Infrastrukturen wie Platform-as-a-Service (PaaS) zu implementieren. In diesem Ökosystem lassen sich neue Lösungen entwickeln, testen und betreiben, selbst wenn Banken noch über Legacy-Systeme verfügen.

Ein Beispiel für solch ein PaaS-Modell ist die FusionFabric.cloud-Plattform von Finastra. Sie steht prinzipiell allen Banken, Fintechs, Systemintegratoren, unabhängigen Entwicklern, Beratern, Forschungsinstituten und Hochschulen nach einer kurzen Registrierung offen. Aktuell wird die Plattform etwa von Studenten des University College London (UCL) genutzt, um Apps in den Bereichen Capital Markets, Trade Finance und Banking zu entwickeln.

Das Fintech InfoTrie aus Singapur hat auf Basis der Plattform eine Investment-App erstellt, mit der Nutzer zwischen ihrem Portfolio und einer Marktsegment-Analyse für bestimmte Assets wechseln können. Die Daten dafür kommen aus natürlicher Sprachverarbeitung sowie News- und Twitter-Feeds.

Dynamische Banken-Zukunft

Banken stehen aktuell noch ganz am Anfang, wenn es um die Zusammenarbeit mit Dritten geht. Gerade im Hinblick auf die Marktdynamik und die veränderten Rahmenbedingungen durch PSD2 und DSGVO ist es erforderlich, sich jetzt mit dem notwendigen Wandel auseinanderzusetzen.

Die datengetriebene, personalisierte Kundenansprache mit höchst individualisierten Angeboten ist dabei nur der erste Schritt – aufbauend auf qualitativ hochwertigeren und genaueren Daten, die der Kunde gerne zur Verfügung stellt, um besser bedient zu werden. So ist mehr als die Hälfte aller Konsumenten bereit, Echtzeit-Finanzinformationen basierend auf ihrem Standort oder ihrer Kreditkartennutzung zu erhalten (2017 Global Distribution & Marketing Consumer Study, Accenture).

Die nächsten innovationsgetriebenen Veränderungen stehen mit Technologien wie künstlicher Intelligenz oder maschinellem Lernen bereits in den Startlöchern. Mittelfristig werden digitale Assistenten, Chatbots oder Robo-Advisor nicht mehr aus dem Tagesgeschäft wegzudenken sein. Haben Banken bis dahin nicht den Grundstein für dynamische Innovationen durch technologische Kollaboration gelegt, werden sie über kurz oder lang den Anschluss verlieren.

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