PSM Vermögensverwaltung

„Noch 200 Rosinen am Aktienmarkt“

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„Man braucht nur wenige Gelegenheiten, um ein Vermögen aufzubauen, aber es genügt eine, um es zu vernichten.“ Der Leitspruch von Eckart Langen von der Goltz und Joachim Paul Schäfer trifft nicht immer auf Gegenliebe.

So sahen die Geschäftsführer PSM Vermögensverwaltung in Grünwald bereits in den Jahren 2006 und 2007 erhöhte Risiken an den Aktienmärkten und verloren mit einer entsprechend defensiven Positionierung ihrer Mischfonds PSM Value Strategy und PSM Growth Strategy den Anschluss an einige Konkurrenzprodukte.

Doch die vorsichtige Haltung wurde belohnt: Als 2008 die Finanzkrise die Märkte erschütterte, steuerten die PSM-Manager ihre Fonds sicher durch die Turbulenzen. Der Value-Fonds schloss mit plus 1,5 Prozent, die Growth-Variante beendete das Krisenjahr mit einem Verlust von 0,04 Prozent und damit weit vor dem Großteil der Konkurrenz.

„Unsere Anlagestrategie unterscheidet sich deutlich von derjenigen unserer Mitbewerber“, erklärt Langen. „Unsere Kunden können oder wollen sich Verluste in höherem Prozentbereich nicht erlauben.“ An erster Stelle steht für Langen und Schäfer daher der Werterhalt.

Die Geschäftsführer einer der ältesten unabhängigen Vermögensverwaltungen Deutschlands – Langen hat das Unternehmen 1965 noch während seines Volkswirtschaftsstudiums in München gegründet – interessieren sich vor allem für die großen Zusammenhänge. Diese geben den Ausschlag für ihre konservativen Investmententscheidungen. Gern zitiert Langen in diesem Zusammenhang die Aussagen von Notenbankern, Volkswirten und der Presse, um die Kurzlebigkeit vieler dieser Statements hervorzuheben. „Wer alle diese Informationen berücksichtigt, der sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht“, kommentiert der Vermögensverwalter.

Auch jetzt verlassen sich Langen und Schäfer nicht auf die neuesten Analysen und Prognosen, sondern auf ihre eigene Erfahrung. Der Wald ist für die PSM-Manager derzeit die von ihnen so genannte Weltschuldenkrise, die radikale Maßnahmen erfordere. Die These der PSM-Manager: Nur ein durch die Europäische Zentralbank finanzierter und garantierter Schuldenerlass kann die Konjunktur in Europa dauerhaft beleben. Langen: „Zur Ankurbelung der Wirtschaft oder der Senkung der Schuldenlast hilft auch keine Null-Zins-Politik.“

Gefahr von Marktblasen steigt

Die letzten Zinssenkungen seien nicht mehr als eine Verzweiflungstat, die die Blasen an Anleihe- und Aktienmärkten noch weiter verstärken werde und Anleger zudem in Anleihen schlechter Schuldner oder total überbewertete Aktien treibe. Der Vermögensverwalter geht davon aus: „Sobald die Zinsen steigen, droht der nächste größere Finanzcrash.“

Entsprechend defensiv sind die PSM-Mischfonds auch heute wieder positioniert: Sowohl im PSM Value Strategy als auch im PSM Growth liegt der Aktienanteil bei unter einem Prozent. Beide Fonds sind als flexible Mischfonds konzipiert und dürfen die Aktienquote theoretisch zwischen 0 und 100 Prozent frei steuern.

Bei der Growth-Variante ist erklärtes Ziel, mindestens 30 Prozent in Aktien zu halten – es sei denn, die Vermögensverwalter erwarten größere Verwerfungen an den Aktienmärkten – dann fahren sie die Quote auch hier konsequent herunter. Derzeit dominieren in beiden Fonds europäische Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten sowie Termin- und Festgelder. Am höchsten gewichtet in beiden Fonds sind spanische und italienische Staatsanleihen. Zumindest ihnen nutzt auf kurze Sicht die aktuelle EZB-Politik, davon gehen die PSM-Manager aus. Einen Ausfall der Papiere wird die EZB nicht zulassen.

Geduldiges Warten auf Chancen

„Wir sind nicht bereit, größere Risiken einzugehen“, erklärt Langen. Gerade nach den jüngsten Kursgewinnen bieten sich den Vermögensverwaltern zufolge am Aktienmarkt kaum noch Chancen, die nicht mit unberechenbaren Risiken verbunden wären. Unter den 40.000 Aktien, die sie einer computergesteuerten quantitativen Analyse unterziehen und den 1.000 Papieren, bei denen sie eine detaillierte Bilanzanalyse folgen lassen, finden sich Langen zufolge gerade noch „vielleicht 200 Rosinen“. >> Vergrößern



Das sind für die PSM-Verwalter in erster Linie klassische Value-Titel: Aktien, die deutlich unter ihrem Wert notieren. Weil aber der Erfahrung zufolge selbst deutlich unterbewertete Aktien noch weiter fallen können, wenn es an den Börsen ungemütlich wird, lassen Langen und Schäfer auch von diesen Papieren derzeit die Finger. Stattdessen üben sie sich in Geduld und warten auf sichere Anzeichen einer dauerhaften Wiederbelebung der Konjunktur. Wenn eine offensivere Politik der EZB oder andere Umstände zu einer echten Erholung der Wirtschaft führen, wollen sie einsteigen. „Wir haben alles vorbereitet“, sagt Langen.

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