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Nach Rekordjagd
Den Aktienmärkten gehen die positiven News aus
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Nach Rekordjagd Den Aktienmärkten gehen die positiven News aus

Deutsche Börse in Frankfurt
Deutsche Börse in Frankfurt | Foto: Imago Images / Schöning

Seit Monaten kennen die Aktienmärkte nur eine Richtung: die nach oben. Zum Jahresanfang war es vor allem die Zinsfantasie, die der Wall Street und Co. Unterstützung lieferten. Die Anleger setzten in diesem Jahr auf rund fünf Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank Fed. Doch nach und nach lösten sich diese Hoffnungen in Luft auf, da sich die US-Wirtschaft dank des festen Arbeitsmarktes robuster entwickelte als ursprünglich angenommen.

Zwei Zinssenkungen in den USA möglich

Laut Fed-Watch-Tool der CME Group dürfte Fed-Chef Jerome Powell jetzt wahrscheinlich erstmals im September die Zinsschraube nach unten drehen. Und mehr als zwei Zinssenkungen sind in diesem Jahr offenbar auch nicht drin. Kein Problem.

 

 

 

Plötzlich haben die Zinserwartungen an Bedeutung verloren. Die amerikanische Wirtschaft entwickelt sich derzeit so kräftig, dass die USA China als größten Handelspartner Deutschlands abgelöst haben. Eine feste Konjunktur bedeutet auch gute Unternehmensgewinne, so die neue Interpretation der Anleger. Und die Unternehmen lieferten auch tatsächlich – vor allem in den USA.

Konzerne wie Microsoft oder Alphabet erzielten im ersten Quartal des laufenden Jahres bessere Ergebnisse als von den Analysten prognostiziert. Vor allem das wachsende Cloud-Geschäft treibt die Unternehmensgewinne nach oben. Dazu kommt die Fantasie in Bezug auf Künstliche Intelligenz. Die Aktienkurse goutierten die positiven Quartalsergebnisse mit einem Anstieg auf Rekordniveaus. Und negative Ergebnisse werden schnell untern Tisch fallen gelassen.

Beispiel Tesla: Nach enttäuschenden Quartalsergebnissen hat eine Meldung von Bloomberg für einen satten Kurssprung nach oben gesorgt. Die Nachrichtenagentur hatte berichtet, dass Tesla der Zulassung seines Fahrerassistenzsystems in China einen großen Schritt nähergekommen sei.

Börse mit kuriosem Verlauf

Soweit ist die Entwicklung an den Aktienmärkte nachvollziehbar. Jetzt kommt es aber schon wieder zu einer neuen Interpretation der Datenlage. Anfang Mai beantragten in den USA 231.000 Menschen staatliche Unterstützung wegen ihrer Arbeitslosigkeit, so das amerikanische Arbeitsministerium. In der regelmäßig durchgeführten Umfrage hatten Ökonomen nur mit 215.000 Anträgen gerechnet. Außerdem hatten in der Woche zuvor 22.000 Menschen oder knapp zehn Prozent weniger Arbeitslosenhilfe beantragt. Die Arbeitslosenquote stieg somit leicht an.

Der Arbeitsmarkt verliert offensichtlich doch langsam an Schwung. Damit kommt die Fed ihrem Ziel etwas näher, den Druck bei den Lohnsteigerungen zu bremsen. Und wieder reagieren die Aktienanleger erfreut. Jetzt heißt es, aufgrund der schwächeren konjunkturellen Entwicklung könnte die Fed eine weniger restriktive oder sogar etwas expansive Geldpolitik betreiben. Es ist schon etwas erstaunlich, dass die Börsianer erst auf eine feste und jetzt wahrscheinlich auf eine doch nicht ganz robuste Konjunkturentwicklung mit steigenden Aktienkursen reagieren. Vereinfacht ausgedrückt kann die amerikanische Wirtschaft derzeit machen, was sie will, und an der Wall Street steigt die Stimmung.

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In Europa entwickeln sich die Aktienmärkte analog und befinden sich ebenfalls in Rekordlaune, allerdings aus ganz anderen Gründen. Die Wirtschaft entwickelt sich hier, vor allem in Deutschland, eher mau. Hier sind es weiter die Hoffnungen auf erste Zinssenkungen der EZB im Sommer, die die Börsen unterstützen. Die im Vergleich zu den USA weniger hartnäckige Entwicklung der Inflation spricht durchaus für eine lockere Geldpolitik.

Alle positiven Nachrichten eingepreist

Sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks haben Anleger in den vergangenen Monaten Argumente für fallende Aktienmärkte gesucht und nichts gefunden. Jetzt könnte allerdings das Aufspüren positiver Argumente für weiter steigende Kurse ebenfalls ergebnislos verlaufen. Gute Unternehmensergebnisse und Zinssenkungen dürften langsam eskomptiert sein.

 

 

Die Aktienmärkte sind sowohl in den USA als auch in Europa überkauft und jetzt beginnt erst einmal die nachrichtenlose Zeit. Zudem startet demnächst die Urlaubssaison, was für geringere Handelsumsätze sorgt, wodurch die Anfälligkeit für Korrekturen zunimmt. Sowohl der S&P 500 als auch der Euro Stoxx 50 könnten im Sommer noch einmal die Marke von 5.000 Punkten von unten sehen.

Das Börsen-Bonmot „Sell in May and go away“ könnte sich in diesem Jahr wieder einmal bewahrheiten. Dafür gelten auch historische Daten. Seit 1990 ist der S&P 500 von Mai bis Oktober nur um durchschnittlich zwei Prozent gestiegen. Von November bis April fiel dagegen laut Fidelity Investment ein Plus von sieben Prozent an. Abschließend sei angemerkt, dass hier keine Anlageberatung erfolgt und es sich bei den erwähnten Unternehmen nicht um eine Kaufempfehlung handelt.

 


Langohr
                           Claus Langohr
                              © Qcoon

Über den Autor:

Claus Langohr betreut bei Qcoon vermögende Privatpersonen, Unternehmen und ein Family Office. Zuvor war er bei Landesbank Baden-Württemberg sowie verschiedenen Banken aus der Schweiz und Liechtenstein tätig.

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