QE der EZB „Quantitative Lockerung wahrscheinlich zwischen Juni und September 2014“

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Die Frage, ob die aktuelle Phase niedriger Inflation überhaupt ein dringendes Eingreifen der Notenbank erforderlich macht – mithin die Deflationsangst nicht übertrieben wird –, ist sicherlich berechtigt.

Vieles spricht dafür, dass sich in der gegenwärtigen Disinflation in erster Linie der strukturelle Anpassungsprozess der Peripherieländer widerspiegelt. Unter Notenbanken herrscht derzeit jedoch „common sense“, dass Deflationsgefahren frühzeitig und mit allen Mitteln bekämpft werden müssen. Hinzu kommen die bislang positiven Erfahrungen der anderen Notenbanken mit QE.

Auch politische und juristische Einwände gegen QE, die bis vor wenigen Monaten noch breit diskutiert wurden, treten derzeit in den Hintergrund. So hat selbst die Bundesbank ihre grundsätzliche Unterstützung für ein solches Programm signalisiert.

Mario Draghi steht der rechtlichen Problematik ohnehin gelassen gegenüber. Zumindest im Vergleich zu OMT (Outright Monetary Transactions) dürfte ein breit angelegtes Asset-Ankaufprogramm weniger problemtisch sein. Es wäre primär auf die Stabilisierung des Preisniveaus und damit das Mandat der EZB ausgerichtet und würde (anders als das OMT) nicht auf die Unterstützung einzelner Staaten abzielen.

Alles in allem ist aus unserer Sicht die Wahrscheinlichkeit für die Lancierung eines QE zwischen Juni und September 2014 hoch. Nur welche Art von QE wird es sein?

Welches Volumen sollte ein Euro-QE haben?

Quantitative Easing wirkt über verschiedene Kanäle auf die Finanzmärkte, die Realwirtschaft und damit indirekt auf die Inflationsentwicklung ein. Wichtigste Zielsetzung ist es – anlog zur traditionellen Leitzinspolitik –, die langfristigen Zinssätze einer Volkwirtschaft zu drücken und dadurch vor allem die Investitionstätigkeit anzuregen.

Dies geschieht einmal auf direktem Wege. Indem die Notenbank Anleihen (mithilfe von frisch gedrucktem Geld) erwirbt, treibt sie die Kurse der entsprechenden Wertpapiere in die Höhe, während umgekehrt die Renditen fallen

Gleichzeitig entsteht aufseiten der Anleiheverkäufer Überschussliquidität, die wiederum in andere Assets investiert wird. Die Notenbank gibt mithin den Anstoß für einen breit gefächerten Assetboom. Unbestritten ist etwa, dass die QE-Programme der Fed die Börsenhausse der vergangenen Jahre zusätzlich beflügelt haben (vgl. Abb. 4).

Abb. 4: QE stimuliert Aktienmärkte

Quellen: Bloomberg, Bantleon; *Operation Twist

Mit QE gibt die Notenbank überdies klare Signale an die Finanzmärkte. Sie unterstreicht ihre expansive Ausrichtung und ihren Willen zur Stützung der Konjunktur. Dies soll einerseits die langfristigen Leitzinserwartungen dämpfen und anderseits das Unternehmens- und Konsumentenvertrauen stützen.

Empirische Untersuchungen zu den bislang vorliegenden QE-Runden in den USA, UK und Japan ziehen in den meisten Fällen ein positives Fazit: Demnach konnten mit QE namhafte realwirtschaftliche Effekte erzielt werden. Voraussetzung dafür waren allerdings großvolumige Käufe.

So geht die Bank of England mit Blick auf das erste Assetkaufprogramm (200 Milliarden Britische Pfund = 14 Prozent des BIPs) davon aus, dass dadurch die Kapitalmarktzinsen um etwa 1,0 Prozentpunkte gesenkt wurden, während das Wirtschaftswachstum um rund 1,0 Prozent-  und die Inflation um ungefähr 0,5 Prozentpunkte angeschoben wurden.

Die EZB dürfte ganz ähnliche Ziele verfolgen. Es verwundert daher nicht, dass laut Medienberichten bereits ein Anleihenkaufprogramm im Volumen von 1.000 Milliarden Euro intern durchgespielt wurde, dessen Inflationseffekte auf 0,2 Prozent- bis 0,8 Prozentpunkte taxiert werden.

Entsprechende Inflationsimpulse dürften das Minimalziel der EZB sein. Eine erste Runde von QE in der Größenordnung von 1.000 Milliarden Euro (= 10 Prozent des BIPs) erscheint daher ein realistischer Ausgangspunkt, zumal auch QE 1.0 der Fed (rund 1.700 Milliarden US-Dollar = 12 Prozent des BIPs) einen vergleichbaren Umfang aufwies.

Es ist davon auszugehen, dass die Käufe – ähnlich wie im Falle der Fed und Bank of England – über einen Zeitraum von einem Jahr durchgeführt werden, woraus sich ein monatlicher Ankauf von etwa 80 Milliarden Euro ergibt.

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